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Das Yogawort zum Sonntag – Relativität

Ein Wort, ein Stein.

Ich muss gestehen: Ich habe Albert Einsteins Relativitätstheorie bisher nur relativ unzureichend verstanden. Und ehrlich gesagt, habe ich mir bisher auch nur relativ wenig Zeit genommen, das zu ändern. Dafür ist mir diese Woche mal wieder bewusst geworden, wie relativ mein eigenes Empfinden von Zeit ist. Und zwar als ich Pasta gekocht habe (Garzeit: 7 Minuten) und zwei hungrige, meckernde Kinder hinter mir am Herd standen. Leute, sieben Minuten können ewig dauern! Man kennt das ja von sich selbst, wenn man im Stau steht, an der Supermarktkasse wartet oder am Ende der Yogaklasse endlich in Savasana liegt. Die Zeit fliegt und sie wartet auf niemanden. Egal, wie hungrig, eilig oder entspannungsbedürftig man ist.

Time waits for noone…

Auch dieses Wochenende ist mir wieder ganz konkret bewusst geworden, wie unterschiedlich man das Verstreichen von Zeit empfinden kann. Ich jammere jetzt nicht, weil die zwei freien Tage nach den fünf Arbeitstagen so lächerlich kurz scheinen. Nein, ich bin mal wieder in der alten Heimat Karlsruhe und habe „jemanden von früher“ getroffen. Eigentlich war ich auf ein Konzert gefahren, um einen alten Freund zu treffen, der dort auftrat. Und dort bin ich dann einer alten Freundin, mit der ich wirklich schon ultralange (20 Jahre?) nicht mehr gesprochen hatte, begegnet. Und wie es immer so ist: Es war eigentlich genau wie früher. Wir sehen irgendwie älter aus (ich zumindest) und haben unsere Kinder zum Konzert mitgebracht, aber sonst war es (inkl. dem Bierzelt-Setting) exakt wie 1998. Das Allerschönste daran war für mich ein klitzekleines Detail: Diese Freundin hatte es geschafft, sich über all die Jahre ihr ganz spezielles Lachen zu bewahren, das mich immer noch automatisch mitlachen lässt.

Eine neue Zeitrechnung

Meine nostalgischen Trips ins ländliche Baden-Württemberg sind aber gar nicht das Thema, das mich diese Woche am meisten beschäftigt hat. In erster Linie geht es mir gerade darum, wie die Zeit sich anfühlt. Privat vergeht sie meistens viel zu schnell. Beim Nachrichtenschauen hat man wiederum das Gefühl, das seit den 1930er-Jahren in manchen Teilen Deutschlands überhaupt nichts passiert ist (Kotz!). Aber jeder weiß, dass unsere Jahre auf diesem Planeten endlich sind. Und bei allem „Carpe diem“ auf Pinterest und Unterarm-Tattoos, nutzen wir unsere Zeit nicht so, wie wir gerne sollten oder würden. Aus Trägheit vielleicht, oder aus Angst. Oder auch, weil wir nicht so können, wie wir wollen. Ich selbst verliere mich oft in den Gedanken darüber, was ich noch alles machen will, dass am Ende gar keine Zeit mehr bleibt, die Dinge anzugehen. Und obwohl ich das weiß, stecke ich trotzdem ganz oft in diesem Loch, anstatt rauszugehen und die Dinge anzupacken. Doof, oder?

Bereit für die zweite Halbzeit.

Eine weitere schmerzhafte Wahrheit in Sachen Zeitempfinden: Die zweite Hälfte eines Zeitintervalls fühlt sich immer drastisch kürzer an als die erste. Die zweite Urlaubswoche, der Nachmittag bei der Arbeit oder eben die zweite Lebenshälfte. Und wenn ich so in die Statistik schaue, muss ich zugeben, dass diese zweite Halbzeit bei mir schon einige Jahre läuft. Und am Ende kann immer was Unvorhersehbares geschehen und es geht eben doch nicht in die Verlängerung. Deshalb will ich ab sofort versuchen, weniger zu grübeln und mehr zu genießen. Und (ganz ohne Egoismus) zu tun, was mir und meinen Lieben gut tut, anstatt mich von „was wäre wenn“ einschränken zu lassen. Also doch etwas weniger Einstein und mehr „Carpe diem“, allerdings ohne Leistungsdruck und Erwartungen, dafür weiterhin mit langen Sommerurlauben und genug Zeit, das Leben zu genießen und immer wieder Neues auszuprobieren. Ich fange heute mal damit an. Also heute Abend, ganz bestimmt. Namaste.

Fotos: Liza „keine Zeit dafür“ Meinhof

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