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Vergiss das Yoga Teacher Training – diese Berufe sind jetzt viel wichtiger

Thank God It’s Lockdown!

Gott, was sind wir alle dankbar für diese Krise. Endlich mal Zeit für sich, Zeit zum Nachdenken und Zeit zum generellen Abwägen. Lebe ich mein Leben richtig? Oder sollte ich die geschenkte (Frei)zeit nutzen, um den verbliebenen Jahren einen (neuen) Sinn zu geben? Viele von uns haben sich längst entschieden: Raus aus dem Hamsterrad, rein ins Yoga Teacher Training. Kurzarbeit (oder noch besser: spontane Arbeitslosigkeit) macht’s möglich. Juhu. Als Inhaber eines kleinen Yogastudios in München bekomme ich in letzter Zeit regelmäßig Anfragen von frischgebackenen Yogalehrer*Innen (bzw. solchen, die sich quasi noch im Ofen befinden). Und ich bin überwältigt und auch fast ein bisschen neidisch auf alle, die dieser schweren Zeit etwas positives abgewinnen und einfach mal die Yogalehrerausbildung machen. Chapeau! 

Und jetzt die schlechte Nachricht:

Yogalehrer ist (zumindest für mich) der wahrscheinlich beste Beruf der Welt. Es ist cooler als Rockstar, stressfreier als Feuerwehrmann und fast so wichtig wie Bundeskanzlerin (eigentlich sogar wichtiger, weil man spirituell unterwegs ist und so). Aber besonders „in Zeiten wie diesen“ (wer so etwas schreibt, dem graust vor gar nichts mehr) spricht auch einiges dagegen, sich zum/zur Yogalehrer*In ausbilden zu lassen:

1. Es gibt immer weniger Yogastudios
Die Pleitewelle rollt weiter, weil die Menschen lieber im sicheren Zuhause Yoga praktizieren.

2. Die Marktpreise für eine Stunde Yoga sind im Keller
Weil es immer mehr Lehrer*Innen gibt, die als Einzelkämpferinnen Yogaklassen anbieten, ist das Verhältnis zwischen Nachfrage und Angebot im Ungleichgewicht (Ich weiß: astreiner BWL-talk – dazu demnächst mehr). Yogaklassen kosten jetzt nur noch 5 Euro pro Person. Wenn es gut läuft. 

3. Andere Berufe sind im Yogabusiness in den nächsten Jahren viel gefragter
Die Welt hat sich verändert und das Yogageschäft mit ihr. In den kommenden Jahren werden wir Yoga-Profis vielfältigeren Herausforderungen gegenüber stehen. Zum Beispiel:

Insolvenzverwalter

Für alle, die den Wirtschaftsteil in der Zeitung gerne Überblättern (in der Yogaszene sind das wahrscheinlich einige): Auch wenn schon etliche Studio geschlossen haben, wird die tatsächliche Pleitewelle erst noch kommen. Zum einen, weil die Studios im November und Dezember nochmal mit staatlichen Hilfen am Leben gehalten wurden. Zum anderen, weil Insolvenzen (also Zahlungsunfähigkeit) im Moment nicht beantragt werden müssen. Heißt also: Ich könnte mein Studio auch dann noch betreiben, wenn ich weder Miete noch Honorare für die Yogalehrer*Innen bezahlen könnte. Wenn die Pleiten dann aber irgendwann wieder gemeldet werden müssen, braucht es sachkundiges Personal, um sie professionell abzuwickeln. 

(Kinder)psychologen

Alle drehen durch! (Das merkt man auch in Social Media, finde ich.) Und vor allem die Kinder leiden unter dem Eingesperrtsein und dem Angstklima, das Politik und Medien schaffen. Ob Yogi oder nicht: Psychologen aller Fachrichtungen werden die nächsten Jahre ein solides Geschäftsmodell haben. 

Lobbyisten

Die Kleinen geraten unter die Räder, die Großen werden „gerettet“. Wir Yogalehrenden brauchen eine starke Lobby, die auf die Superschlauen in Berlin einwirkt bzw. unsere Interessen adäquat vertritt. Wir. Sind. Systemrelevant. Wenn du also geschickt im Umgarnen, Einschleimen und eventuell monetär Überzeugen bist, solltest du dich zum Lobbyisten weiterbilden lassen. Vielleicht ja direkt in der Lobbyagentur des Gesundheitsministers? 

Geyogt wird immer.

Klar: Yoga wird es auch nach Krise noch geben und ich glaube weiter an Yoga und seine Wirkung. Aber Meditieren wird weitere Studioinsolvenzen nicht verhindern und wir werden lernen müssen, damit zu leben und neue Wege zu gehen. Dass Yoga einen positiven Effekt auf die Psyche hat, steht außer Frage. Und in Sachen Lobby: Keine Regierung der Welt wird sich für unsere yogischen Belange interessieren (wahrscheinlich nicht mal die von Indien). Darum müssen wir in Zukunft selbst lauter werden, damit die Schlipsträger uns hören. Vielleicht sollten die Teacher Trainings in Zukunft nicht so stark darauf eingehen, wie wir mit „den neuen Begebenheiten“ als Yogalehrer*Innen umgehen (Stichwort: Online-Yoga). Sie sollten eher dazu ermutigen, für gemeinsames Üben, für Satsang und ich Kirtan in den Kampf zu ziehen. Als friedliche Krieger, die nicht nur durch, sondern sich auch nicht immer alles gefallen lassen. Damit wir auch in Zukunft noch ganz viele tolle Yogalehrer*Innen brauchen. Fight for your right. Namaste.

Fotos: Liza „Literatur/Geschichte Teacher Training“ Meinhof

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