Das große Studiosterben – diese Yogaschulen haben dieses Jahr schon dicht gemacht

Keine Zeit für Yoga.

Seit März jagt in Sachen Yoga eine schlechte Nachricht die nächste: Erst der Lockdown mit den Online-Klassen, die nur ein eher trauriger Ersatz für die echten Yogastunden waren (Fußball wäre im Stadion ja auch wesentlich geiler als in der Glotze). Dann die endlosen Querelen um den Fitness-Flat-Giganten Urban Sports Club, die dazu geführt haben, dass viele Studios mit dessen Angebot nicht mehr zu besuchen sind. Und dann – als es im Juni eigentlich wieder so richtig losgehen solltedie große Leere in den Yogastudios. Nein, es ist kein besonders gutes Jahr für alle, die mit Yoga ihr Geld verdienen (oder mit Schreiben oder Singen oder mit einem kleinen Café oder großen Veranstaltungen). Und es ist auch kein besonders gutes Jahr für diesen Blog, der vom traditionellen Gute-Laune-Medium in die Rolle des Verkünders schlechter Nachrichten geschlittert ist. Eine mehr als undankbare Rolle. Aber für die großen Yoga-Brüller gibt es in 2020 leider relativ wenig Anlass. Schade eigentlich, denn 2019 dachte man eigentlich, es könne nur besser werden.

Es ist soweit.

Wenn man Monate lang kleine und große Katastrophen prophezeit, könnte es fast schon ein Stück Genugtuung sein, wenn sie dann tatsächlich eintreten. Ist es aber nicht – überhaupt nicht. Es ist eher so, dass man ein kleines bisschen Panik bekommt, Angst um die eigene Existenz und so. Ihr wisst schon: Insolvenz und Schulden und solche Dinge – Dinge die einen nachts nicht schlafen lassen. Denn Fakt ist: Aus der Schwarzmalerei der letzten Monate (u.a. auch im Podcast mit Patrick Broome) ist mittlerweile eine beträchtliche Anzahl geschlossener Yogastudios geworden. Zumindest hier in München, wo ich zumindest halbwegs einen Überblick darüber habe. Mit einem Blick auf die Volkswirtschaft könnte man sagen, das sei halb so schlimm und ein normaler Resultat von Angebot und Nachfrage. Denn im Moment gehen einfach weniger Menschen zum Yoga, deshalb braucht es dieses Jahr auch weniger Studios. Wenn die Nachfrage aber irgendwann mal wieder steigt, ist es kaum vorstellbar, dass die Studios einfach wieder irgendwo eröffnen. Denn meistens hängen ganze Existenzen an den kleinen Yogaschulen. Und wer die schon einmal riskiert oder verloren hat, geht das Risiko ungern noch einmal ein. Außerdem schielen an machen Ecken sicher schon die Immobilienmakler auf die Studioräumlichkeiten, um sie rentableren Nutzungen zuzuführen. Ja, auch das ist Volkswirtschaft. Viel Spaß also allen, die nächstes Jahr in einer Douglas-Filiale oder einem Starbucks ihre Yogaklassen besuchen wollen.

Diese Yogastudios haben während Corona in München dicht gemacht: 

Amienas Werkstatt
In einer rührenden E-Mail hat die lokale Yogagröße Amiena Zilla die Schließung ihres Studios in der Maistraße angekündigt. Als Grund nennt sie allerdings nicht direkt den Corona-Effekt, sondern massive Probleme mit dem Vermieter (liest sich wirklich gruselig). Zum Glück bleibt ihr aber noch Amienas Werkstatt in der Müllerstraße, wo ich auch schon eine Zeit lang unterrichten durfte. Hoffentlich geht da weiterhin alles gut.

Happy Belly Yoga
Das Happy Belly Yoga im Westend hat – wie fast alle anderen Yogastudios – nach dem Lockdown unter Auflagen wieder geöffnet. Und mittlerweile schon wieder geschlossen. Weil nach eigenen Angaben die „Resonanz auf die Live Klassen leider sehr gering ausfiel“. Damit ist das Yogastudio bekanntermaßen nicht alleine. Deshalb gibt es das Happy Belly bis einschließlich Dezember 2020 nur noch online. Danach wird man wohl weitersehen müssen…

Jaya Yoga
Im Jaya Yoga in der Westermühlstraße war ich auch schon einige Male. Zum Beispiel bei meinem ersten Event mit dem Team von Special Olympics Bayern. Oder als ich die Yogalehrerein der Adidas Runners vertreten durfte. Wie SHIVA SHIVA YOGA war das Studio eine echte Hinterhofperle. Leider hat die das Virus aber auch nicht überlebt – weswegen Gründerin Annet Münzinger momentan als Solo-Lehrerin an anderen Orten weitermachten muss.

MahaShakti Yoga
Das Traditions-Yogastudio in Schwabing schließt nach 18 Jahren zum 30.9. endgültig. Der Grund? Laut der Studio-Website die Beeinträchtigung durch Corona in diesem Jahr. Gründerin und Betreiberin Veronika Rössl ist ein echtes Yoga-Urgestein und es fällt ihr bestimmt nicht leicht, diesen Schritt zu gehen. Immerhin wird sie weiterhin Online-Klassen anbieten, an denen MahaShakti-Kunden mit ihren noch gültigen Karten teilnehmen können. 

Ronis Yogastudio
Während des Lockdowns wurden Roni und ich Instagram-Freunde. Wir „teilen“ uns ja einige Yogalehrer*innen und lagen außerdem im ständigen Austausch über die aktuelle Situation, insbesondere bei unserem Lieblingsthema Urban Sports Club. Roni setzte Anfang des Jahres alles auf eine Karte und wollte mit ihrem zweiten Yogastudio 77 Yogaroom endgültig durchstarten. Nur, dass das neue Studio mitten im Lockdown eröffnen sollte. Mittlerweile ist es so, dass sie Ronis Yogastudio schließen musste und sich erst mal auf den Yogaroom konzentriert.

Yam Yoga
Ein weiteres Traditionsstudio, das nach elf Jahren nur noch online existiert. Das Yam Yoga von Regina Gambarte war bis zum Lockdown im März 2020 eine feste Yoga-Location in der Nähe des Englischen Gartens. Nach der Ankündigung, ein paar Wochen zu schließen, kam es leider nicht mehr zurück auf die Füße. Immerhin gibt Regina ihre Kurse und Workshops online weiter. Viel Erfolg!

Die Angst bleibt.

Nach dem Schreiben dieses Beitrags bin ich ehrlich gesagt ein wenig geschockt. Denn wahrscheinlich sind das nicht alle Studios, die das Virus am Ende erwischen wird. Und das macht mir auch ein wenig Angst. Denn in meinem eigenen Yogastudio SHIVA SHIVA YOGA ist die Lage aktuell ebenfalls nicht wirklich gut – einen zweiten Lockdown würden wir wohl auch kaum überstehen. Andererseits ist Angst wahrscheinlich die falsche Reaktion, denn Angst ist es auch, was die oben genannten Yogaschulen auf dem Gewissen hat. Und Angst lähmt nicht nur, sie steckt außerdem auch an. Darum bleibe ich erstmal furchtlos optimistisch und hoffe auf ein besseres 2021. Diesmal kann es ja wirklich nicht schlimmer werden, oder? Wenn du lieber noch zuhause bleiben willst, dein Yogastudio aber trotzdem unterstützen willst, kauf dir doch eine Zehnerkarte „auf Vorrat“. Oder einen schönen Artikel aus dem Online-Shop (vielleicht als Geschenk). Denn damit kann dein Studio am Ende des Monats auch seine Miete und die Lehrer*Innen bezahlen. Und ist auch dann noch für dich mit Yoga am Start, wenn es in den anderen Läden nur noch Parfüm und Kaffee gibt. Hoffentlich. Namaste. 

Fotos: Liza Meinhof

3 Gedanken zu „Das große Studiosterben – diese Yogaschulen haben dieses Jahr schon dicht gemacht&8220;

  1. Hallo Thomas, ich drücke dir die Daumen, dass du 2020 noch gut überstehst und mit Shiva Shiva im nächsten Jahr voll durchstarten kannst.
    Liebe Grüße aus Berlin

  2. Auch wenn ich Dich – von dem was ich hier so gelesen habe – extrem sympathisch finde und auf jeden Fall auch mal einen Kurs bei Dir belegen will, lohnt es sich für mich auf Dauer einfach nicht zeitlich und von der Strecke her. Zu Dir bräuchte ich mit dem MVV vermutlich 40 Minuten und zu meinem Fitnessstudio (welches auch Yoga Klassen anbietet) mit dem Rad nur 6. Drücke Dir aber trotzdem die Daumen und wünsche alles Gute!

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