Nachgerechnet – die Yoga Jahreskarte

Verrückt nach Zahlen.

Alles. Ist. Anders. Corona sei dank. Eigentlich wollte ich im September nicht mehr über dieses Thema schreiben. Aber eigentlich hat sich da seit April nicht wirklich viel getan. Also dann – weiter geht’s: Während alle coolen Kids noch bis vor kurzem behaupteten, Mathematik sei nichts für sie, lechzen jetzt alle nach den neuen Zahlen. Als ginge es um den Kurs der frisch gebunkerten Wirecard-Aktien (gut, dass ich mein Geld lieber in ein Yogastudio gesteckt habe, haha). Infektionen, Reproduktionen, Virulenzen und überhaupt – Corona scheint ein rein quantitatives Problem zu sein. Es geht angeblich um Menschenleben, aber in Wirklichkeit geht es um – Achtung ihr Streber – Mathematik. Denn ginge es um Menschenleben, würde man ja mal hinterfragen, was so ein Infekt mit Menschen macht. Also außer sie zu infizieren. Sind die Infizierten denn auch krank? Sind die Geheilten auch gesund? Sind Kindergärten gefährlich? Und U-Bahnen harmlos? Man weiß es nicht. Und man kann auch nicht alles wissen. Deshalb klammern wir uns erstmal an das, was man wissen kann. Und das sind eben die aktuellen Zahlen.

Es geht auch ums Geld.

Wenn ich gewusst hätte, was das erste Jahr mit dem eigenen Yogastudio so bringt, hätte ich mein Erspartes wohl doch in Wirecard-Aktien investiert. Es ist ein verdammtes Desaster (also das mit Wirecard – beim Studio fehlen eigentlich nur noch ein paar KursteilnehmerInnen). Ebenfalls ein Desaster war die „Zusammenarbeit“ mit Urban Sports Club. Weil der Vertrag mit SHIVA SHIVA YOGA noch ein paar Tage läuft, halte ich mich da mal zurück. Aber klar ist: Die so genannten Fitness Flats sind nicht unbedingt gut für YogalehrerInnen und -Studios. (Das ist keine pauschale Aussage, mit allen anderen Anbietern arbeite ich gerne und freiwillig weiter.) Und auch wenn die Angebote auf den ersten Blick preiswert erscheinen, sind sie es nicht unbedingt. Mit dem günstigsten Urban Sports-Tarif kannst du für 29 Euro gerade mal 13 von den insgesamt 211 (bald 210, hihi) angebotenen Yoga-Standorten besuchen. Und das dann insgesamt auch nur vier Mal pro Monat. Und selbst mit dem M-Tarif für 59 Euro bleiben viele Studiotüren (u.a. auch meine) für dich geschlossen. Es ist also Zeit, mal nachzurechnen.

Yoga für alle.

Es gibt viele Arten, für eine Yogastunde zu bezahlen – neben den vier angebotenen Urban Sport Club-Tarifen unter anderem auch Anbieter wie My Fitness Card, ClassPass, Gympass oder qualitrain. Und es gibt auch viele Arten, Yogastudios zu besuchen: Täglich, wöchentlich (oder manchmal auch garnich). Deshalb habe ich mir verschiedene Yogi-Zielgruppen ausgedacht und mal knallhart Kosten und Nutzen überschlagen:

Der Discount-Yogi
Es kann gut sein, dass es Leute gibt, die einmal pro Woche das selbe Yogastudio besuchen und mit der 29 Euro-Flat von USC einen guten Deal machen. Allerdings muss das Studio dabei knapp kalkulieren – die Erstattung für jeden Besuch dürfte nahe am Preis eines Kaltgetränks in der Münchener Innenstadt liegen. Mit der Jahreskarte eines Yogastudios (in ca. 950 Euro) liegt er/sie weit über den 348 Euro (12 x 29) für die Fitness Flat pro Jahr. Relativ teuer wird es allerdings mit zusätzlichen Yogaklassen zu den vier inkludierten bei USC: Mit einer durchschnittlichen Zehnerkarte werden da pro Besuch jeweils locker weitere 15 Euro fällig.

Die Fitness-Kanone
Yoga, Pilates, Gerätetraining, Massage, Schwimmbad, Skilift und von mir aus auch noch Minigolf. Alles mit einer Karte. Bäm! Power-Nutzer machen mit einer Fitness-Flat einen guten Deal: Für ca. 129 Euro pro Monat können sie sich (fast) das ganze Programm gönnen. Wenn sie Zeit dafür haben. Zeit und Geld – denn im Jahr kostet der Spaß dann schlappe 1.548 Euro. Das sind immerhin fast 600 Euro mehr als das durchschnittliche Yoga-Jahresticket. Und für dieses Geld lässt sich auch die eine oder andere Massage und auch nochder Skilift finanzieren. Also lohnt es sich hier vielleicht schon, genauer nachzurechnen. Beziehungsweise mal zu schauen, wie viel von dem großen Angebot man tatsächlich nutzt.

Der Gute Vorsatz
Spätestens Silvester steht fest: Ab Januar geht’s jede Woche zweimal zum Yoga. Mindestens. Und spätestens im März steht fest – das wird dieses Jahr wieder nichts. Fühlst du dich (auch) ertappt? Dann empfehle ich dir (auch wenn es geschäftsschädigend ist) weder die Yoga-Jahreskarte noch die Fitness Flat. Probier’s doch einfach mal mit dem Schnupper-Ticket.

Der Stammgast an der Studiotheke
Ich habe noch nicht viele Yoga-Jahreskarten selbst verkauft, kann aber als Studiobetreiber genau sehen, ob sich das Ticket für den/die Käufer/in gelohnt hat. Und bei denen, die ich kenne, ist das so: Jahreskarten-Yogis kommen bei mir acht bis neun Mal pro Monat ins Studio – und das (heruntergerechnet) für knappe 80 Euro monatlich. Mit einer Zehnerkarte wären das mindestens 100 Euro und mit den gängigen Fitness-Flats auch (die günstigen Tarife erlauben monatlich meist nur vier Studiobesuche). Der Stammgast (bzw. Die Stammgästin) fährt als Hardcore-Yogi mit der Jahreskarte also sehr gut. Im Vergleich zur Zehnerkarte ist das Jahres-Ticket übrigens schon ab dem sechsten Besuch im Monat günstiger. 

Shut Up and Take my Money.

Wie gesagt: Jahreskarten verkaufst du als Lehrer nicht jeden Tag. Aber auch wenn der hohe Kaufbetrag abschrecken mag – für manche Yogis lohnt sich das tatsächlich. Vor allem natürlich, wenn du oft dasselbe Studio besuchen möchtest, weil du z.B. in der Nähe wohnst und/oder den/die Lehrer/in besonders schätzt. Dann ist das Jahresticket wesentlich günstiger als Zehner- oder Monatskarten. Ein schöner Nebeneffekt der Jahreskarte ist vielleicht auch, dass sie motiviert, möglichst häufig das Yogastudio zu besuchen (ab 250 Besuchen wird sie zum Mega-Schnäppchen). Wenn du zusätzlich zum Yoga auch noch Sport- oder Wellnessangebote nutzen möchtest, lohnt es sich, genauer nachzurechnen (siehe „Fitness-Kanone“). Unter Umständen ist die Yoga-Jahreskarte trotzdem was für dich. Und wenn du schon am Kalkulieren bist: Die meisten Yogastudios bieten hin und wieder Rabattaktionen an, bei denen du auch günstig eine Jahreskarte schießen kannst. In meinem Studio SHIVA SHIVA YOGA gibt es das 12-Monats-Ticket (Flatrate) bis Ende Oktober zum Beispiel für 840 statt 950 Euro. Das sind dann aufs Jahr gerechnet sogar nur noch 70 Euro im Monat. Und ganz egal, was du für deine Yogaklasse am Ende ausgibst: Viel wichtiger als das die Prozente, die du sparst, ist und bleibt auch hier die Qualität. Namaste.

Fotos: Clemens Helbich