Was Yoga mit dir macht – deine Füße

Ab in den Winterschlaf

So, das war’s dann wieder. Vielen Dank für die schöne gemeinsame Zeit, wir sehen uns dann im Frühling wieder, wenn es endlich wärmer wird. Nein, das war nicht Teil meiner Schlusssrede in der letzten Yogaklasse vor dem zweiten Corona-Lockdown. So – oder so ähnlich – verabschieden wir uns gerade von unseren Füßen. Die verschwinden spätestens im November ja wieder in dicken Socken und engen Schuhen und sehen in den meisten Fällen erst im April wieder Tageslicht. Ja, das ist ein bisschen traurig. Aber selbst den härtesten Barfußgehern und Sandalenträgern wird es jetzt langsam zu kalt (ganz) untenrum. Also weg mit euch, ihr seltsamen Körperteile – wenn ihr es kalt habt, leidet schließlich der ganze Mensch mit. 

If you are not barefoot you’re overdressed.

Im wahrsten Sinne des Wortes führen unsere Füße ein echtes Schattendasein. Nicht nur im Winter, wenn wir sie nur zum Yoga, zum Duschen und zum Schlafen (manche erlauben nicht mal das) rauslassen aus ihrer textilen Einzelhaft (müssen die eigentlich ständig getrennt sein?). Aber generell sind die Füße ja so etwas wie die Stiefkinder unsere Extremitäten. Selbst, wenn sie denn mal raus dürfen, sind sie am unteren Ende unseres Körpers festgewachsen und damit weit, weit weg von unseren Augen. Und damit auch von unserer Wahrnehmung. Händewaschen? Maniküre? Ja, bitte! Die Enden unserer Arme bekommen ihre Aufmerksamkeit. Aber die Füßchen? Dienen in vielen Fällen gerade mal als eine Art Halterung für unser Schuhwerk. Zumindest beim Yoga hat man aber die Möglichkeit, einander näher zu kommen. Yogis praktizieren barfuß und das hat gute Gründe: Ohne Socken hast du einfach mehr Grip auf der Matte und außerdem ein ungefiltertes Gefühl dafür, was unter dir passiert. Yogis tragen keine Socken, so habe ich es nicht zuletzt in meinem Teacher Training mal gelernt. Und es gibt genügend Gründe, auch außerhalb der Matte „unten ohne“ zu bleiben.

Darum solltest du dich um deine Füße kümmern:

Deine Füße sind dein Fundament.
Sie sind deine Basis und deine Erdung. Mit ihnen gehst und stehst du aufrecht, sie verbinden dich mit der Erde und darüber mit allen anderem Menschen auf dem Planeten. Respektiere das. Das und die Tatsache, dass sie einen Großteil deines Lebens lang dein Körpergewicht tragen.

Keine Füße, kein Yoga.
In den meisten Asanas berührst du zumindest mit einem Fuß den Boden. Das fordert Kraft, aber auch Beweglichkeit. Je mehr und intensiver du Yoga praktizierst, desto mehr passen sich deine Füße diesen besonderen Anforderungen an. Sie werden kräftiger und flexibler. Und tragen dich dadurch auch besser durch den Alltag.

Füße sehen richtig gut aus.
Man muss keinen Fußfetisch haben, um nackte Füße attraktiver als Socken zu finden. Ich meine: Socken! Was den Vergleich mit Schuhen betrifft, gehen die Meinungen hier aber wahrscheinlich auseinander (vor allem aus Sicht der Damenwelt).

Sie bringen dich dahin, wo du willst. 
Egal, wie faul du bist: Du machst zu Fuß jedes Jahr (aufpassen!) ein bis zwei Millionen Schritte pro Jahr. Das ist Leistungssport!

Und wo wir schon bei den Zahlen sind:
Der menschliche Fuß besteht aus 26 Knochen, die über 33 Gelenke miteinander verbunden sind. Stabilisiert und bewegt wird das Ganze von 20 Muskeln und 114 (!) Bändern. Das ist High-tech!

Und so tust du deinen Füßen etwas Gutes:

Yoga hilft immer.
Mit Asanas kannst du deine Füße stärken. Z.B. einer korrekt ausgeführten  Berghaltung (Tadasana). Da schieben die Fußsohlen förmlich in die Matte, anstatt einfach nur das Körpergewicht zu (er)tragen. Und natürlich sorgen alle Übungen, bei denen du auf den Zehen stehst für mehr Muskulatur und Beweglichkeit. 

Zeit für eine Massage.
Füße lieben es, massiert zu werden. Das kann die klassische Reflexzonenmassage sein, bei der gezielt Regionen des Körpers über die Fußsohlen angesprochen werden. Oder aber eine wohltuende „da-wo-es-gerade-nötig-ist“-Drückerei am Abend – die du dir zur Not auch selbst geben kannst. 

Du kannst auch mal grob werden.
Wer mit Schmerzen ganz gut klarkommt, kann die Füße auch mit der BLACKROLL bzw. einem Faszienball (alternativ: Tennisball) bearbeiten. Einfach das entsprechende Hilfsmittel im Stehen unter den Fuß bringen und Gewicht draufgeben. Nach ein bisschen „Aua“ kommt auch irgendwann die Entspannung – versprochen!

Frische Luft tut gut.
Die einfachste Möglichkeit, deine Füße zu trainieren ist übrigens nach wie vor, barfuß zu laufen. Das mag im Winter selbst im Haus nicht immer angenehm sein, ist aber – wie alles andere auch – Gewohnheitssache. 

Zeigt her eure Füßchen.

Als Yogalehrer*In ist man ja eigentlich ständig mit Füßen konfrontiert. Und je länger man die anguckt, desto komischer sehen sie meiner Meinung nach aus. Wie sehr seltsam geformte Hände mit viel zu kurzen Fingern. Aber eigentlich sind sie ja auch nichts anderes als Hände. Nur, dass wir mit den Füßen nicht dieselben filigranen Bewegungen üben, die wir unseren Händen schon als Kleinkind antrainieren. Und wir haben auch keinerlei Problem damit, fremden Menschen die Hände zu schütteln (Ausnahme: Corona) – ihre Füße hingegen wollen wir nicht unbedingt ständig anfassen. Ich denke, was die Füße wirklich brauchen, ist mehr Akzeptanz in der Gesellschaft und damit auch ein bisschen mehr Beachtung. Und – eigentlich sowieso selbstverständlich – die goldene Regel: Beim Yoga und beim Sex sollten Füße unter keinen Umständen in Socken gepackt werden. Friede und Freiheit – auch für die Füße! Namaste. 

Fotos: Liza Meinhof