Was Yoga mit dir macht – deine Eier

Got balls?

Manchmal brauchst du im Leben einfach einen ordentlichen Satz Eier. Wenn du auf Arbeit nach acht Jahren das erste Mal um eine Gehaltserhöhung bittest. Wenn du den 2×2-Meter-Bodybuilder vor dir am Geldautomaten darauf hinweist, dass er sich gerade vorgedrängt hat. Wenn du deiner großen Liebe einen Heiratsantrag machst und/oder deinen Eltern deine Homosexualität offenbarst. Oder wenn du dich nach deinem Teacher Training vor 20 fremde Menschen setzt, um ihnen eine Yogaklasse zu geben. Sicher, fast alles im Leben geht auch mit einem durchschnittlich ausgestatteten Gemächt. Aber es kann nicht schaden, eine Extraportion Mut aus dem Sack zu zaubern, wenn es darauf ankommt. Mut ist Stärke, dem Mutigen gehört die Welt etc. pp. Und Mut ist ja auch ganz besonders männlich – daher wohl auch diese Analogie mit den Eiern. (Ich denke spätestens jetzt kann ich diesen Beitrag nicht mehr bei Facebook bewerben: Ich habe „Anal“(ogie) und „Eier“ in einem Satz verwendet.) Interessanterweise kenne ich viele Frauen, die durchaus mehr Eier haben als viele Männer. Obwohl man es ihnen selbst in Leggings nicht ansieht.

Cojones, Alter!

Wenn der Junge zum Mann heranwächst, konzentriert er sich in seinem jugendlichen Herumspieltrieb zumeist auf das, was vor seinem Gehänge so lustig hin- und herbaumelt (bzw. steht). Selbst ich habe als Blogger erstmal über meinen Yogi-Penis geschrieben, bevor ich mich jetzt verbal mit dem Zentralmassiv befasse. Dabei steckt in den beiden Beutel hinter dem Fahnenmast nicht weniger als das Leben nach dem Tode. Also zumindest, wenn man daran glaubt, nach dem eigenen Ableben in seinen Kindern weiter auf Erden zu wandeln. Fortpflanzung als Sinn des Lebens, Geburt als Wiedergeburt – da habe ich den Bogen von meinen Klöten zur Auferstehung des Allmächtigen doch elegant hinbekommen. Frohe Ostern, übrigens. (Und schon wieder: bunt bemalte Eier). Fakt ist: Die Familienjuwelen führen selbst in der Sauna ein Schattendasein. Und sie haben verdammt nochmal Besseres verdient. Also fasse ich mir jetzt mal kurz in die Yohahose, bringe Ordnung in den Laden und schreibe – quasi als Teil meines Vermächtnisses – ein paar Lobzeilen auf die guten alten Nüsse.

Ei, ei, ei.

Als Yogi kommst du ohne ein anständiges Scrotum nicht weit. Zuerst mal musst du dich dazu aufraffen, als Anfänger eine Klasse zu besuchen. Und dann geht es erst richtig los: Öffentliches Chanten, in der Gruppe Meditieren oder waghalsige Umkehrhaltungen ausprobieren –  das ist alles nichts für Weicheier. Viel offensichtlicher als der mentale Druck zwischen den Beinen sind die körperlichen Schmerzen untenrum während der Asana-Praxis. Wir Männer leiden ohnehin unter unseren körperlichen Defiziten gegenüber den Frauen (Stichwort: Schnupfen). Aber es gibt Asanas, bei denen die Übertragung aus dem Sanskrit irgendwie nicht ganz so exakt ist, wie sie sein könnte: Gomukhasana wurde zum Beispiel von irgendjemandem (ich tippe auf eine Frau) als „Kuhgesicht“ übersetzt. Ich würde die Haltung eher ganz pragmatisch den Nussknacker nennen. (Männer wissen was ich meine.) Ganz ähnlich sind meine Gefühle beim vollständig ausgeführten Garudasana, fälschlicherweise oft „der Adler“ genannt. Ich denke: Wenn das ein Adler ist, wird er nie im Leben ein Gelege haben. Darum würde ich diese Asana auch eher den „Empfängnisverhüter“ nennen. 

Eier im Kopf.

Eier sind Kopfsache. Deshalb muss man auch nicht als Mann zur Welt gekommen sein, um welche zu besitzen. Aber man muss sie sich aneignen oder zumindest ein bisschen pflegen. Für Yogis kann das allerdings ein schmaler Grad sein: Wer nur aus dem untersten Bauch heraus denkt, tappt schnell in die Egofalle. Höher, schneller, weiter und ganz vorne: Ich, ich, ich. In der Yogawelt machen die Leute schnell einen Bogen um dich, wenn du zu selbstzentriert auftrittst. Du bekommst dann zwar deinen Willen, bist im Allgemeinen aber relativ alleine damit. Außer Taschenbillard bleibt dir damit auf Dauer relativ wenig Freude. Besonders schwierig ist das häufig bei Menschen, die abseits der Matte auf Performance und Erfolg getrimmt sind und dann beim Yoga eigentlich abschalten wollen. Und stattdessen im Kopf einen Chaturanga-Handstand-Porno nach dem anderen drehen. Zack, zack. Ich weiß, dass ich es kann. Und das zeige ich auch gerne. Tolle Muskeln und fleißiges Turnen machen aber noch lange kein Yoga – dazu gehört auch eine gewisse Härte in den Weichteilen. Zum Beispiel im Kopf.

Ganz schön breit.

Wenn wir über die Bedeutung unseres Untergeschosses philosophieren, geht es meist um unser Verhältnis anderen gegenüber. Dabei würde es nicht schaden, uns selbst gegenüber mehr Eier zu haben. Und mutig zu sein, neue Gefühle oder Gedanken zuzulassen. Ich weiß, wovon ich spreche: Mit breiten Beinen bin ich vor vielen Jahren sechsmal die Woche vor wichtigen Entscheidungen davongelaufen. Bis ich kapiert habe, dass es mehr für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben braucht, als die Fähigkeit, den eigenen Körper zu Höchstleitungen anzutreiben. Überhaupt sind die Dinge, für die wir am meisten Mumm in der Hose brauchen, eigentlich die einfachsten: Sag endlich jemandem, dass du ihn liebst. Mach mit deinem Leben endlich, was du eigentlich willst. Und hör endlich auf zu denken, die Größe der Beule in deiner Leggings sei für irgendjemanden von Bedeutung. Denn das sind nicht deine Eier. Das ist nur etwas, was an deinem Körper dranhängt. Namaste. 

PS: Die figurbetonten Meggings auf den Fotos habe ich von meinem Partner Kapow Meggings bekommen. Mit dem Rabattcode „yogadude“ bekommst du im Kapow Online-Shop jetzt 10% Preisnachlass.

Fotos: Liza Meinhof