Rockstar Yoga – mit Asanas auf Welttournee

So what, I’m still a rock star! 

Ich bin ja nicht nur Familienvater, Ehemann, Blogger und Yogalehrer, sondern auch Rockstar. Also wirklich jetzt! Ich spiele in einer Rockband, veröffentliche Musik auf Tonträgern und Menschen bezahlen dafür, mir beim Singen zuzuhören. Nach meiner Definition genügt das, auf meiner Visitenkarte den Jobtitel „Rockstar“ abzudrucken. (Haben Rockstars eigentlich Visitenkarten?) Okay, meine Band ist nicht wirklich kommerziell erfolgreich, aber selbst Elton John musste zeitweise seine Bühnen-Outfits verticken, um über die Runden zu kommen. Außerdem ist es als Rockstar mittlerweile ganz normal, einen Nebenjob zu haben. Ich kenne Rocker, die Taxi fahren, schauspielern, Radiosendungen moderieren oder sogar Yoga unterrichten. Leute, ihr könnt sagen, was ihr wollt. Ich bin auf jeden Fall ein Rockstar! (Zumindest war ich das am letzten Wochenende für ganze 30 Minuten lang mal wieder.)

Echte Rockstars machen Yoga.

Auch wenn (außer mir) nicht viele Menschen mich für einen Rockstar halten, habe ich immerhin schon ein paar waschechte Profi-Rocker kennengelernt. Und von denen weiß ich, wie es wirklich ist, auf Tournee zu leben. Und ich kann berichten: Es ist mega-stressig. Kürzlich habe ich von einer mittelbekannten Rockband aus L.A. gelesen, die innerhalb von 64 Tagen in Europa 62 Konzerte gespielt hat. Und das ohne großes Budget, was bedeutet, dass die Musiker relativ viele schwere Sachen selbst getragen und auf- und abgebaut haben. Und nicht unbedingt jede Nacht in einem 4-Sterne-Hotel nächtigen konnten, sondern eher in ihrem Kleinbus. Aber selbst die großen Acts haben außer dem abendlichen Konzert auf Tour noch einiges zu tun: Pressetermine, Interviews, Meet-and-Greets etc. Zum ganzen Stress kommt eine nicht unerhebliche körperliche Belastung: Wenn du jeden Abend 2,5 Stunden auf der Bühne rumhüpfst, spürst du das bereits mit 25 in deinen Knochen. Für mich schreit die Mischung aus geistiger und athletischer Belastung auf einer Welttournee geradezu nach Yoga. Und deshalb habe ich mir mal ausgemalt, wie der Rockstar-Alltag mit Yoga vielleicht aussehen könnte: 

1. Aufwachen
Du wachst auf. Vielleicht verkatert, vielleicht auch nur müde. Normalerweise würdest du jetzt erstmal eine im Bett rauchen. Aber die Weicheier in der Band haben ein generelles Rauchverbot im Nightliner durchgesetzt. Na gut, dann setzt du dich eben hin und machst ein bisschen Yoga, doch die Koje, in der du im Tourbus liegst, ist viel zu niedrig dafür. Also streckst du dich erst mal im Liegen in Form.

2. Aufstehen
Der härteste Teil des Tages: Du stehst auf (Ninja-Move!) und setzt dich sofort wieder hin. Das machst du ein paar Mal. Irgendwann verlässt du aber wirklich die Koje und stellst dich den Herausforderungen des Tages (und eventuell einem massiven Kater). Na ja, und wo du schon mal stehst, kannst du gleich ein paar Asanas machen, oder? 

3. Rennen
Das Aufstehen-und-wieder-Hinlegen und dein Asana-Geturne haben deinem Zeitplan nicht wirklich geholfen. Du verlässt sofort den Bus, weil dir auffällt, wie unschön es in diesem Blechkasten auf Rädern riecht, in dem 12 Männer seit vier Wochen gemeinsam übernachten. Außerdem musst du mal aufs Klo (groß) und das ist in so gut wie jedem Tourbus auf diesem Planeten bei Strafe verboten.

4. Meditieren
Du hast es fast geschafft: Du bist frisch geduscht, dir ist halbwegs klar, in welcher Stadt du heute Abend spielst und gegessen hast du auch. Dann kann es ja losgehen. Ups, in 30 Minuten beginnt dein Auftritt. Höchste Zeit, zur Ruhe zu kommen und Inspiration zu finden. 

5. Showtime
Das Licht im Saal geht aus, du stehst hinter der Bühne bereit. Und es geht los. Ab jetzt sind alle Augen auf dich gerichtet und nicht weniger als 120% Leistung werden von dir erwartet. Und die rufst du jetzt ab. Du schwebst durch die Refrains, fließt durch die Soli, und hältst den energetischen Kontakt zu deinen Bandkollegen und jeder einzelnen Person im Publikum. Mit dieser Dynamik wächst du über dich hinaus und merkst gar nicht, wie sehr du dich am Ende verausgabst.

6. Feiern
Und plötzlich ist da nur noch eine unbeschreibliche Leere. Es ist vorbei. Du hast alles gegeben und noch mehr und nach der letzten Zugabe nochmal zwei Titel aus dem Hut gezaubert. Und auch wenn die Verstärker längst verstummt sind und du schon lange nicht mehr auf der Bühne stehst, pumpt das Adrenalin noch in deinen Adern. Und statt brav zu duschen und in deine Koje zurück gehen, hängst du lieber noch im Backstagebereich ab und feierst, bis der Tourmanager dich unter Androhung von Gewalt in den Bus zerrt. 

7. Schlafen
Du bist fix und fertig, total verschwitzt und liegst ungeduscht in deinen Klamotten im Busbett und schläfst. Wohin der Bus fährt? Ist dir egal. Du weißt nur, dass der nächste Morgen hart wird und du jede Sekunde Schlaf jetzt brauchen kannst. Beste Voraussetzungen für ein solides Savasana. Gute Nacht.

Eine Frage der Haltung.

Ob mit oder ohne Yoga: Das Leben auf Tour ist kein Zuckerschlecken. Aber ich kenne mindestens zwei Rockstars, die auf Tour im Backtagebereich einen kleinen Yogaraum haben, in dem sie sich auf ihre Shows vorbereiten. Einer von ihnen steht sogar auf „Hot Yoga“ und reist deshalb mit zwei leistungsstarken Heizlüftern um die Welt. Direkt vor dem Aufritt gibt es bei ihm dann aber doch einen kleinen Shot aus der Jack Daniels-Pulle. Aber immerhin. Ich für meinen Teil weiß übrigens, dass ich kein echter Rockstar bin. Und ich würde mich niemals im Leben mit den Profis vergleichen, die ein Vielfaches an Talent haben und weitaus mehr Arbeit in ihre Musik stecken als ich. Dafür habe ich meinen eigenen Weg gefunden, als Yogalehrer ein kleines bisschen Rock’n’Roll zu leben: Mit den harten Playlists in meinen Klassen zum Beispiel, oder den Gesangs-Workshops für Yogalehrer, die ich jetzt gebe. Oder mit meinem ersten „Rockstar Yoga“-Special dieses Wochenende beim YEZ Yoga Festival in Stuttgart. Vielleicht sehen wir uns da ja. In der ersten Reihe. Namaste. 

Fotos: Tobias Tschepe

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