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Ganz schön teuer? – Der Wert von Online-Yoga

Es gibt keine dummen Fragen.

Das stimmt natürlich nicht, die Welt ist voller dummer Fragen. Aber diese Woche hat mich eine Mail erreicht, die voller schlauer Fragen war, wie ich finde. Eine Frau, die schon ein paarmal in meinem kleinen Nachbarschaftsyogastudio („Boutique-Studio“ klingt mir langsam etwas zu poliert) war, wollte unter anderem wissen, warum eine „Online-Stunde ohne Rückmeldung durch den Lehrer 60 Minuten (…) 12/14/16 Euro kosten“ muss. Außerdem wollte sie gerne herausfinden, wo denn da genau der „Unterschied zum YouTube Video“ sei. Außer „ihrer Verbundenheit zu einem Lehrer“. Da ist mir im ersten Moment natürlich erstmal die Visage entglitten, aber nachdem alles wieder so ungefähr an seinem Platz war, habe ich mir darüber Gedanken gemacht.

Unterschiede zwischen Online-Yoga mit deinem Yogastudio und auf YouTube:

Auf YouTube siehst du ein hochwertig produziertes, perfekt ausgeleuchtetes und optimal nachbearbeitetes Yogavideo. Bei deinem Yogastudio eine Live-Klasse mit qualitativ eher mittelwertiger Bild- und Tonqualität. 

Der/die Yogalehrer*In im Studio wird sich ab und zu mal verhaspeln oder eine Asana vergessen etc. – auf YouTube passiert das nicht, weil das Video ja kein Livestream ist und eine Sequenz bei Fehlern einfach nochmal gedreht wird.

Der/die YouTube-Lehrer*In finanziert sich durch Werbeeinnahmen, die du lediglich durch Preisgabe deiner Daten und deines Nutzer- und Konsumverhaltens finanzierst. Yogalehrende im Studio leben von einem nach Teilnehmerzahlen gestaffelten Honorar, das schon ohne Corona nicht besonders hoch ist. 

Da kommt das Studio aber nicht besonders gut weg!

Moment, ich bin noch nicht fertig. Jetzt müssen wir nämlich übers Geld reden: 

In der Mail, die ich bekam, wurde ebenfalls bemängelt, dass ich in Nicht noch ein Yoga Podcast manchmal von „Kunden“ statt von Schülern spreche. Als Yogalehrer sind die Leute, die meine Klassen besuchen, natürlich Schüler*Innen (ich bevorzuge eigentlich Teilnehmer*Innen, ist aber im Prinzip dasselbe). Als Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens (und das bin ich als Studiobetreiber eben auch), spreche ich aber von Kunden. Denn diese Menschen bezahlen Geld für eine möglichst hochwertige Leistung. Und jedes Mal, wenn ich sie als Kunden bezeichne, mache ich mir bewusst, dass für das bezahlte Geld auch etwas geleistet werden muss, unabhängig von freundschaftlicher Atmosphäre. Sorry, das ist Teil meines Jobs, auch wenn es etwas unromantisch klingen mag.

Außerdem: Die so genannten Aggregatoren (Urban Sports Club, My Fitness Card & Co.) haben ihre Zahlungen an die Studios während des Lockdowns ungefähr halbiert. Mittlerweile auch My Fitness Card, obwohl die uns lange mit vollen Erstattungen unterstützt haben. Meines Wissens haben dieselben Anbieter von Fitness-Flags ihre Mitgliedsbeiträge aber nicht halbiert. Wie ich das finde, als Yogalehrer/Geschäftsführer/Mensch? Kann man sich wohl denken. Bei Urban Sports Club haben wir ja auch schon Konsequenzen gezogen (die finanziell übrigens schmerzen). Und jetzt endlich zur Preisgestaltung:

Und warum kostet Online-Yoga im Studio (zumindest bei SHIVA SHIVA YOGA) so viel?

Dein/e Yogalehrer*In bereitet jede Klasse individuell vor.

Das Studio bezahlt weiterhin die Miete, Heizkosten etc. für den kompletten Raum, obwohl nur ein Teil davon genutzt wird.

Die Teilnehmer- (Schüler/Yogi/whatever) Zahlen sind im Keller, das hat u.a. mit kostenlosen oder Dumping-Angeboten zu tun, die es nicht nur auf YouTube gibt.

Wir bekommen wir von My Fitness Card etc. Nur noch einen mittleren einstelligen Betrag pro Teilnahme erstattet (s.o.).

Als neu gegründetes Yogastudio bekommen wir fast keine staatlichen Hilfen, weil die Referenzzeiträume für die Berechnung in unsere Startphase bzw. Zeiträume, in denen es uns nicht gar nicht gab, fallen. 

Wie gesagt: Es gibt keine dummen Fragen.

Ich hoffe, meine hier noch einmal öffentlich formulierte Antwort ist ebenfalls nicht doof. Ich habe besagte Mail natürlich erstmal ausführlich persönlich beantwortet und die Schreiberin hat sich darüber sehr gefreut und Verständnis gezeigt. Wer sich Yoga bei uns im Studio gerade nicht leisten kann findet bei YouTube sicherlich hervorragende Alternativen, ich selbst nutze das auch ab und zu. Alle anderen bezahlen eventuell sogar gerne den „hohen“ Preis für eine Online-Klasse. Weil sie wissen, dass es beschissene Zeiten für viele Kleinselbständige wie Yogalehrer*Innen sind. Weil sie wissen, dass unsere Leherer*Innen letzten Sommer zum Teil auf Hartz IV angewiesen waren. Und weil sie wissen, dass wir keine Crowdfunding-Kampagne (im Endeffekt ja nichts anderes als öffentliches Betteln) starten würden, wenn es keine Gründe dafür gäbe. Und wir wissen das zu schätzen – die Hilfe, den Support, den wir gerade erfahren. Es ist unglaublich gut zu wissen, dass ihr uns nach Corona wieder im Studio persönlich treffen wollt. Und dafür jetzt ein paar Euros extra bezahlt Dann sind wir für euch da, weil ihr heute für uns da seid. Vielen Dank dafür. Namaste. 

Fotos: Liza “Ich bekomm keinen Cent dafür” Meinhof

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5 Kommentare

  1. Dinah Kaufmann 19. Februar 2021

    So toll geschrieben lieber Thomas!!
    Ich habe bis zum Ende für das Happy Belly unterrichtet und genau aus deinen genannten Gründen ging Andrea, der Studiobesitzerin, das Geld aus und musste schließen. Ich hoffe sehr dass das Shiva Shiva überlebt und wir uns eventuell dann live in deinem Studio sehen. Alles Glück, ✌️
    Dinah

  2. Sabine Willmann 19. Februar 2021

    Wie immer wahre und weise Worte! Auf den ersten Blick mag 12/14/16 Euro viel sein, wenn man das kostenlose Youtube Angebot genauso nutzen kann. Aber…. gäbe es die Pandemie und die Lockdown Maßnahmen nicht, würden viele Yogastudios das auch nicht anbieten, sondern weiter im Studio vor Ort gemeinsam auf die Matte gehen. Der Einsatz der Yogalehrer ist aktuell unbezahlbar! Die ToGo Bowl kostet ja auch nicht weniger, nur weil man den schön gedeckten Tisch nicht nutzen kann….

  3. Evi 19. Februar 2021

    Toll geschrieben – vielen Dank für den Beitrag!
    Hoffentlich überleben möglichst viele Studios, um Yoga für die in die Welt zu tragen, die es “brauchen” 😉

  4. Mona Madhavi 19. Februar 2021

    Schöner Beitrag. Ich hab selbst ein kleines feines Studio und musste sogar mit dem Preis beim Online Yoga höher gehen, damit ich das finanziell packe. Deine Beiträge auf IG sind sehr wertvoll. Viele verstehen es halt erstmal nicht und gut dass einfach mal darüber gesprochen wird. Namaste aus Tirol ❤️🙏

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