Ausziehen, bitte – warum wir alle nackt zum Yoga gehen sollten

Wie Gott uns schuf.

Bist du auch so gerne nackt? Ich schon. Zuhause, in der Sauna, oder – zumindest früher – auch gerne mal am Badesee. Ich find’s super und habe relativ wenige Probleme mit meiner Nacktheit und der Nacktheit anderer. Es ist einfach die totale körperliche Freiheit. Bei mir allerdings, ohne daraus einen Kult zu machen. FKK-Urlaub? Fehlanzeige. Das ist mir dann doch etwas zu erzwungen textilfrei. Aber ich wollte aus Neugier mal in Berlin zum Nacktyoga für Männer gehen. Da geht es allerdings wohl nicht nur um das natürliche Gefühl, ohne Klamotten zu turnen, sondern noch um ganz andere Gefühle. Also untenrum, wo dann endlich auch mal Licht hinkommt. Also habe ich das erstmal von meiner To-Do-Liste gestrichen, ich finde Yoga schon anstrengend genug, wenn ich keinen Sex dabei habe. Wahrscheinlich bin ich da auch ein bisschen zu naiv: Wenn ich nackte Menschen sehe, denke ich nicht zwangsweise zuerst daran, mich mit ihnen fortzupflanzen (bzw. so zu tun als ob).

Nur mal nicht so prüde.

In unseren fortschrittlichen Zeiten von Bier-, Alpaca- und Heavy Metal-Yoga wird natürlich auch schon lange Nackt-Yoga angeboten (auch ohne Schweinkram dabei zu machen). Und das wundert nicht, auch im „normalen“ Yoga geht es ja zunehmend freizügiger zu. In meinem Haus- und Hof-Studio in Berlin gab es immer einen Typen, der in wirklich knappen Hot Pants und ohne Oberteil Yoga geübt hat. Und von den ganzen „luderhaften“ Mesh-Leggings will ich gar nicht anfangen. Da regen sich sowieso schon genügend andere drüber auf. Mir geht das Ganze mal wieder an meinem (nackten) Allerwertesten vorbei. So lange niemand seine Genitalien an meiner Matte (oder mir!) reibt, soll er (oder sie) so viel oder wenig Haut bedecken, wie er (oder sie) will. Prüderie und Kleingeistigkeit haben im Yoga meiner Meinung nach keinen Platz. Und außerdem hätte es jede Menge Vorteile, nackt Yoga zu praktizieren.

 Darum sollten wir eigentlich alle nackt zum Yoga gehen:

1. Wir werden nackt geboren.
Die nackte Wahrheit ist: Wir kommen ohne schicke Performance-Leggings oder Abendgarderobe zur Welt. Deine Eltern haben dich schon nackt gesehen, bevor du nur in die Nähe eines akzeptablen Kleidungsstücks gekommen bist. Und Kinder verlieren sehr lange nicht die Begeisterung dafür, sich nackt auszuziehen, wenn die Witterungsverhältnisse es zulassen. Manche Kinder, wenn sie in die Schule kommen, andere vielleicht nie (siehe Fotos in diesem Beitrag).

2. Es fühlt sich richtig an.
Jetzt mal ehrlich: Klamotten können richtig gut aussehen. Aber kein Kleidungsstück ist so bequem wie deine Haut. Nackt fühlt sich alles intensiver und besser an und deine Haut kann außerdem ein Vielfaches mehr an Sonnenlicht aufnehmen.

3. Stichwort: Bewegungsfreiheit.
Weniger ist mehr: Ein Grund, warum ich beim Yogaüben gerne Leggings trage ist, dass ich mich darin besser bewegen kann als in schlabberigen, vollgeschwitzten Jogginghosen. Aber selbst das dünnste Höschen schränkt mich in meiner ohnehin schon begrenzten Beweglichkeit noch ein. Also raus aus der Buxe und rein ins Vergnügen! Also beim Yoga, meine ich.

4. Weniger Hitze!
Verdammt heiß: Wenn du nackig auf der Matte rumturnst, kommst du weniger ins Schwitzen und deine Kleidung saugt sich nicht mit Schweiß voll. Äußerst angenehm.

 5. Du tust was für die Umwelt.
Greta wäre stolz auf dich: Weil du weniger Klamotten verschmutzt (s.o.), musst du auch weniger oft die Waschmaschine anwerfen. Bei 18 Yogi(ni)s in einer voll besetzten Klasse bei SHIVA SHIVA YOGA kommt da ein ganz schön großer Wäscheberg zusammen.

6. Endlich spontan sein.
Ich hab doch nichts anzuziehen: Die klassische Ausrede, um mit deinen Kumpels nach der Arbeit NICHT zum Yoga zu gehen. Wer unbekleidet Yoga übt, kann immer und zu jeder Zeit eine Yogaklasse besuchen und macht sich damit viele Freunde.

7. Zeig, was du hast!
Also unter der Haut: Beim Nackt-Yoga kannst du allen deine Tattoo-Sammlung zeigen, inklusive des Bonusmaterials, das eigentlich nur für deine Ex-Freundin gedacht war. Mach dich selbst zum Kunstwerk und lass keinen Spielraum für Spekulationen.

8. Sei ein Demokrat.
Sozialer geht’s nicht: Wenn du (wie ich) keine Kohle für diese schnieken Lemon-Lulu-Klamotten hast, ist Nacktyoga eine Möglichkeit davon abzulenken, dass du das Studio ansonsten in deinem Schlafanzug besuchst.

9. Transparenter Schwanzvergleich.
Handstand, Kopfstand, Chaturanga: Es gibt Yogis (und Yoginis), die in der Yogaklasse gerne mal zeigen, was sie draufhaben. Aber es gibt nur einen Weg, herauszufinden, ob sich ob sich hinter der Akrobatik auch ein „richtiger Kerl“ befindet, hehe.

10. Schönheit ist relativ.
Kleine Achtsamkeitsübung: Mach ein hochaufgelöstes, ultrascharfes Foto von deinem Bauchfett. Es wird höchstwahrscheinlich nicht so aussehen, wie die ganzen Instagram-Sixpacks, die du sonst bewunderst. Die Realität sieht aber anders aus: Fast jeder Körper hat hier ein bisschen zu viel, dafür da ein bisschen zu wenig. Nacktes Yoga würde einen weitaus besseren Überblick geben als Photoshop-optimierte Social Media-Profile.

Hosen runter.

Bevor du bei deinem nächsten Besuch im Yogastudio blankziehst, denk bitte an die Rechtslage in deinem Heimatland. Und an die Gefühle deiner Mit-Yogis. Wahrscheinlich wird sich nacktes Yoga auch bei mir im Studio nicht durchsetzen. Aber zum Glück gibt es dafür (wie für alles andere) Spezialangebote. Wenn dir danach ist – ich freue mich über Erfahrungsberichte. Denn ein bisschen mehr Hautzeigen könnte uns allen eigentlich wirklich nicht schaden. Was das betrifft, können wir alle noch von den Kindern lernen. Nackt sind die ja immer noch am glücklichsten. Hier in München wird das ja sowieso nicht so eng gesehen mit den „Nackerten“. Die tummeln sich im Sommer an der Isar und im Englischen Garten und wahrscheinlich noch an vielen anderen Orten. Ende Oktober habe ich allerdings noch keine von denen getroffen. Zumindest nicht in einer Yogaklasse. Mal schauen, ob das irgendwann mal passiert – ich fänd’s lustig. Na(ackt)maste.

Fotos: Liza „Das kannst du doch nicht machen!“ Meinhof