Jetzt kostenlos – Marketing-Plan für neue Yogastudios

Wir können über alles reden.

Und wie wir das können. Wir Yogis sind ja alles ganz offene Typen, da gibt es keine Geheimniskrämerei oder so. Das würde sich ja nicht unbedingt gut auf den Karmakonto-Dispo auswirken, denn Geheimhaltung ist ja bekannterweise die kleine Schwester der Lüge. Und die ist nicht nur in so gut wie jeder Religion bei Strafe verboten, sondern auch in den heiligen Lehren des Yoga. Dachte ich zumindest, denn eine einfache Google-Suche spricht da eine ganz andere Sprache: Da gibt es unter anderem das “Geheimnis einer annehmenden Seelenverbindung“, die “Geheimnisse der Verjüngung“ (Yoga!), die „erstaunlichen Geheimnisse der Yogis“ und die „Geheimnisse der Yoga-Reinigung“. Außerdem natürlich noch das Geheimnis, warum Yoga so unendlich sexy macht (!) und – einer meiner Favoriten – die sieben Yoga-Geheimnisse des Erfolgs (WTF). Und bei Erfolg fällt mir auch sofort wieder ein, wie viel Zeit und Geld ich in mein eigenes Yogastudio investiert habe und wie verzweifelt ich versuche, den damit zusammenhängenden Erfolgsdruck im Arbeitsalltag weg zu ignorieren. 

Lass doch mal telefonieren.

Vor einigen Tagen nahm eine Frau Kontakt zu mir auf, die gerade in einer ähnlichen Situation steckt: Demnächst eröffnet sie hier in München ein neues Yogastudio (gute Idee!). In dem Zusammenhang  schrieb sie mir eine kurze Nachricht und bat um ein Gespräch, weil sie einiges Fragen in Sachen Marketing hätte. Konkret ging es um ein Angebot einer Marketing-Agentur und sie wollte wissen, was ich dafür ausgegeben habe. Und ich kann sagen: Ein kleines Vermögen. Zwei Jahre Ausbildung als Mediengestalter und anschließend noch vier Jahre Diplom-Studium BWL mit Fachrichtung Marketing-Kommunikation. Von dem ganzen Blut, dem Schweiß und den Tränen in den 13 Jahren Werbeagentur ganz zu schweigen. Also ja: Mein Marketing-Aufwand für SHIVA SHIVA YOGA war – wenn man ihn so berechnet – relativ hoch. Wenn man ihn etwas weniger ganzheitlich kalkuliert, lag er allerdings deutlich unter dem Durchschnitt. Weil ich ja alles selbst gemacht habe (außer den wunderbaren Fotos, die meine Instagram-Ehefrau für mich zaubert). 

Erzähl doch mal.

Um es vorab gleich klarzustellen: Die Dame und ich hatten ein super nettes Gespräch und ich wünsche ihr von Herzen alles Gute für ihr Yogastudio. Allerdings wurde sie für meine Geschmack dann doch etwas zu hellhörig, nachdem ich ihr von meinen Selbstvermarktungs-Skills berichtet hatte. Was genau ich vor der Eröffnung in Sachen Werbung gemacht habe, wie viele Flyer ich gedruckt und wo und wann ich die genau verteilt habe und wie es jetzt im Studio so in Sachen Kursteilnehmern läuft… Und auch wenn ich ganz gerne mal quatsche und kein großer Heimlichtuer bin (siehe Karmakonto), war mir das dann doch etwas suspekt. Schließlich ist jedes andere Yogastudio ja doch am Ende auch Konkurrenz für meinen eigenen Laden, oder? Allerdings bin ich – was Wettbewerbsdenken betrifft – im Moment recht tiefenentspannt (naiv?) Und habe dann doch den einen oder anderen Tipp an die Kollegin weiter gegeben. Dieses exzellente Marketing-Know-how will ich nun auch meinen hochgeschürzten LeserInnen nicht vorenthalten. Deshalb gibt es hier und heute

Das ultimative Marketing-Konzept für dein neues Yogastudio:

Kreiere deine Marke (und lass sie leben).
Entsprechend der belieben Instagram-Bildunterschrift „Be yourself. Everyone else is already taken“ (Oscar Wilde), solltest du wissen, was du darstellen willst und das anschließend auch glaubhaft nach außen transportieren können. Wenn dein Studio so ist wie alle anderen, gibt es keinen Grund, ausgerechnet zu dir zu kommen.

Kenne deine Kunden.
Das ist gar nicht mal so einfach, denn meistens hat man ja noch keine Kunden, wenn man ein Geschäft eröffnet. Aber du solltest wenigstens versuchen, dich in jemanden hinein zu versetzen, der dein Yogastudio mal besuchen soll. Und ihm das bieten, was er dort erwartet (und ein bisschen mehr). 

Liebe dein Produkt.
Als Werbe-Profi ist es mir eigentlich egal, was ich verticken soll. Ich habe schon mit viel Begeisterung Reklame für Katzenstreu, Gummibärchen oder Heizungsboiler gemacht. Meine einzige Einschränkung: Kein Tabak, keine Waffen. Ansonsten kann ich mich für fast jedes Produkt irgendwie begeistern. Beim Yoga ist das dann aber doch etwas emotionaler und das ist gut so. Weil mir meine eigene Praxis so wichtig ist, bin ich ein kompetenter, engagierter Yoga-Verkäufer. Und das solltest du auch sein.

Bleib dran.
Wenn sich dann ein paar Wochen nach der Eröffnung alles eingependelt hat, läuft das Ding irgendwann von selbst. Könnte man vielleicht denken. Allerdings ist der Studioalltag jetzt immer noch sehr, sehr dynamisch für mich als „Junge für alles“. Jeden Tag ist irgendwas anderes los und ständig muss irgendwas angepasst werden. An Zurücklehnen ist bei mir jedenfalls noch lange nicht zu denken und daran wird sich so bald wohl auch nichts ändern.

Und jetzt: Die aktuellen Geschäftszahlen

Weil ich sowieso schon so munter am Ausplaudern bin, kann ich gleich noch die aktuellen Kennzahlen zur Shiva Shiva Yogadude GmbH (heißt wirklich so) liefern.

1. Einsame Spitze
Anzahl von Monaten seit Eröffnung, bis das erste Mal mehr als zwei TeilnehmerInnen in einer Early-Bird-Klasse waren: 3 

Ja, das stimmt – erst im Januar waren das erste Mal drei Leute um 7:30 da, häufig war ich um diese Zeit auch alleine im Studio.

2. Nachhaltig günstig
Anzahl von Müllsäcken, die wir bisher gekauft und benutzt haben: 0 

Da sind wir vorbildlich: Im Moment nutzen wir noch die Umverpackungen unserer Bolster als Müllsäcke und die werden wohl noch eine Weile halten.

3. Danke für gar nichts
Anzahl von Schülerinnen, die bei uns waren und ihre besuchten Klassen trotz mehrmaliger Nachfrage nicht bezahlt haben: 2

Es waren jetzt schon zwei offensichtliche Betrügerinnen bei uns, die es geschafft haben, den Unterricht zu besuchen ohne dafür zu blechen. 

Noch was zu besprechen?

Wenn du neugierig auf SHIVA SHIVA YOGA geworden bist, solltest du (Achtung, Werbung) am besten selbst vorbeikommen. Auf Wunsch gibt es dann auch noch ein paar weitere Geschichten aus dem Nähkästchen, die über die Basisberatung aus dem BWL-Studium hinausgehen. Mein wahres Erfolgsgeheimnis kann ich aber jetzt doch noch raushauen. Nein, es sind nicht die gelben Wände oder mein Männer-Leggings-überfrachteter Instagram-Kanal. Es sind zufriedene KursteilnehmerInnen. Denn die kommen nicht nur wieder in eine deiner Klassen, sondern erzählen deine Geschichte zehnmal glaubhafter als jeder bunte Flyer und jedes schlaue Facebook-Video. Und deshalb fühle ich gerade weniger einen finanziell bedingten Erfolgsdruck. Dafür mache ich mir aber selbst etwas Pressure, um jede Woche einen guten Yogaunterricht anzubieten. Und zwischen meinen viel erfahreneren KollegInnen bei SHIVA SHVA damit nicht unterzugehen. Namaste. 

Fotos: Liza „dieses Jahr trägst du das Ballerina-Kostüm“ Meinhof