Kein Dogma. Nur Yoga. – mein neues Mantra

Ein echter Meinhof.

Obwohl ich mich allgemein für recht lebensentspannt halte, habe ich doch einige radikale Ansichten: Ich denke, Zigaretten sollten verboten werden. Meiner Meinung nach sollten bestimmte Straftaten härter bestraft werden. Und wenn es nach mir ginge, würden sämtliche Lobbyisten mit einem Kontaktverbot zu Politikern und deren Mitarbeitern belegt. Und das ist nur der Anfang. Manchmal kann ich mich so richtig schön in Rage denken, wenn es um die Ungerechtigkeit auf der Welt geht. Trotz meiner regelmäßigen Yogapraxis. Aber ganz ehrlich, in Zeiten, in denen die gewählte Regierung eines der wohlhabendsten Länder der Welt seine Bürger mit einem Klimaschutzpaket (das seinen Namen nicht verdient) verarschen will – in diesen Zeiten sind radikale Ansichten vielleicht der einzige Weg, etwas zu erreichen. Schülerdemonstrationen haben bisher jedenfalls noch nicht viel bewirkt. Sorry, Greta.

Atmen, Thomas. Atmen!

Zum Glück ist dies kein Politik-Blog, auch wenn es hier an manchen Tagen recht politisch zugeht. Aber ich habe ja schon mehrfach geschrieben und gesagt, dass Yoga für mich immer auch eine politische Komponente hat (Kommentare dazu gerne unter diesem Beitrag). Unter anderem wegen der Basis aus Liebe und Gewaltverzicht, auf der wir unsere Yogapraxis aufbauen. Da wundert es mich also auch nicht, dass besonders viele Yogis letzten Freitag der kleinen Schwedin bei ihrem Kampf gegen die Windmühlen des Turbokapitalismus zur Seite standen. Sagt der Yogi. Der Radikale sagt, dass Rumstehen und mit Schildern winken „die da oben“ relativ wenig interessiert. Aber wie gesagt: Das hier ist ja ein Yogablog und so kann ich jede Woche Geschichten aus der verzauberten Märchenwelt mit elefantenköpfigen und sechsarmigen Superhelden zum Besten geben. Und eine davon geht so:

Einmal um den heißen Brei, bitte.

Ich hatte diese Woche Kontakt zu einer Yogalehrerin, die gerne bei SHIVA SHIVA YOGA unterrichten möchte. Im Normalfall lade ich interessierte LehrerInnen auf die Baustelle in der Goethestraße ein. Damit wir uns persönlich kennenlernen und sie sich ein Bild vom Studio (oder dem, was man davon schon erkennen kann) machen können. Diese eine Lehrerin meinte, sie könne am Samstag vorbeischauen, weil sie da sowieso in er Nähe sei und auf „ein Fest“ ginge. Dazu muss man wissen, dass das Yogastudio zu Fuß nur fünf Minuten von einem relativ großen Fest entfernt ist: Dem Oktoberfest. Sie hat dann am Telefon ein bisschen rumgedruckst und ich hatte das Gefühl, es sei ihr irgendwie unangenehm, dass sie auf die Wiesn geht. So als Yogalehrerin. Also habe ich ihr mitgeteilt, dass ich am Samstag nicht könne, weil ich selbst auf der Theresienwiese sei und dort nicht unbedingt unser erstes Treffen stattfinden sollte. Wegen Kontext und Zustand und so. Sie hat dann erleichtert gelacht und wir haben uns für die nächste Woche verabredet. Ohne Wiesn.

Kein Dogma.

Ich bin also nicht nur radikal, ich trinke auch noch Alkohol (und trage dabei Lederhosen). Dass das weder etwas Neues, noch etwas Schlimmes ist, ist bekannt. Und es ist gut so, denn beim Yoga hat radikales Denken meiner Meinung nach nichts verloren. Daher lautet der Claim meines kleinen Yogastudios auch „Kein Dogma. Nur Yoga.“ Wir wollen Yoga ohne Scheuklappen und erhobene Zeigefinger anbieten. Stilübergreifend und offen für alle und alles. Das bedeutet nicht, dass es mir egal ist, was wir da machen. Es gibt ein paar Kriterien, die erfüllt sein müssen: Die Qualität des Unterrichts natürlich und die Chemie zwischen dem/der Lehrer/in und dem Rest der Crew. SHIVA SHIVA soll ein Ort sein, an dem jeder die Chance hat, auf seiner spirituellen Reise ein Stück weiter zu kommen, wenn er das möchte. Wenn er nur zu uns kommt, um zu schwitzen oder nette Leute zu treffe, ist er genau so willkommen. Mit etwas Glück findet er dann ja doch noch seinen Weg und wenn nicht, bekommt er für sein Geld eben nur ein paar neue Muckis.

Nur Yoga.

SHIVA SHIVA YOGA will also ohne Dogma leben, deshalb werden neben Vinyasa und Jivamukti auch Yin Yoga und Kundalini (und andere) im Stundenplan stehen (der übrigens diese Woche veröffentlicht wird).  Außerdem gibt es den Freitagabend, an dem wir die „Open Stage“ haben. Dort werden wir neue Ideen ausprobieren oder neuen LehrerInnen eine Chance geben, zu unterrichten. Und egal, wer bei uns unterrichtet, er kann im Prinzip schon tun und lassen, was er will. So lange er dabei eben nicht zu dogmatisch wird und beginnt, zu predigen. Ich freue mich auf dieses Konzept und habe schon richtig viel gutes Feedback dazu bekommen. Allerdings wird es sicherlich nicht ganz so einfach, danach auch zu leben. Denn sehr schnell übertreibt man es mit dem Undogmatsichsein und schafft sich damit ein neues Dogma, an dem sich alles messen muss. Das ist der große Nachteil am Radikalen – es funktioniert im Alltag nicht wirklich ohne Weiteres. Ich freue mich schon jetzt auf Dikussionen und Konflikte mit meinem Studio-Mantra. Und natürlich auf jeden einzelnen in unserer SHIVA SHIVA Super-Crew und den Weg, den wir in zwei Wochen zusammen einschlagen. Und von mir aus führt dieser Weg nächstes Jahr dann auch gemeinsam rüber auf die Theresienwiese. Ohne Dogma. Mit Bier und Lederhosen. Namaste.

Fotos: Liza „Ich brauch schon wieder Urlaub“ Meinhof

 

 

Ein Gedanke zu „Kein Dogma. Nur Yoga. – mein neues Mantra

Kommentare sind geschlossen.