Halbzeitcheck – meine guten Vorsätze 2019

Wir müssen über unsere Macken reden.

Ich weiß überhaupt, was genau bei mir nicht stimmt. Seit fünf Monaten versuche ich, wieder regelmäßig laufen zu gehen (so mit Laufschuhen und Kopfhörern und allem). Und ehrlich gesagt tat ich mich damit die ganze Zeit etwas schwer. „Nö, ich mach lieber Yoga.“, „Nö, ich trink noch einen Kaffee.“ Oder „Nö, ich muss dringend meine Leggings-Sammlung bügeln und nach Farben sortieren.“ Irgendwas ist immer, oder? Aaaaber: Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt dann doch wieder meinen Rhythmus gefunden hätte. Seit das Thermometer regelmäßig irgendwas mit einer „3“ vorne anzeigt, zieht es mich magisch in den Wald. Und zwar nicht, um im kühlen Schatten Bäume zu umarmen, sondern um tatsächlich kilometerweise einen Fuß vor den anderen zu setzen. WTF! Hätte mir das nicht bei moderaten 10 Grad einfallen können? Natürlich nicht. Und jetzt schwitze ich schon nach wenigen Metern wie ein Schwamm. Und der Witz dabei ist: Es ist ein Muster zu erkennen. Schon früher, als ich regelmäßig (davon-)gelaufen bin, hat es mich vor allem im harten Badischen Sommer auf die Laufstrecke getrieben, den ersten Marathon habe ich dann logischerweise auch bei 30°C absolviert. Sweat, Baby, sweat.

Da war doch was?

Warum ich überhaupt wieder Schuhe anziehe, wenn ich mich körperlich betätige? Weil ich gemerkt habe, dass Yoga zwar das Beste ist, was ich meinem Körper bisher angetan habe. Aber mir mit der Zeit ohne Ausdauersport die Puste ausgeht. Ich bin zwar nicht wirklich kurzatmig oder so. Aber ein bisschen fitter würde ich mich beim Treppensteigen oder mit dem Fahrradanhänger am Giesinger Berg hier in München (wir wohnen oben) doch gerne fühlen. Also: Rein in die Schuhe, raus in den Wald. Dabei hatte ich es mir nicht mal fürs neue Jahr vorgenommen, wieder im Kreis herumzurennen. Und so kommt der ganze Psychostress (Motivation/Wetter/zurück nach Hause finden) noch zusätzlich zu meinen ohnehin mal wieder mit dem großen Löffel servierten Vorsätzen für 2019. Ach ja, die Vorsätze… Also: Einer meiner größten Alpträume ist es, dass ich im Blog mal irgendwas schreibe und mich eine aufmerksame Leserin darauf hinweist, dass ich später genau das Gegenteil davon mache bzw. schreibe. Und deshalb nehme ich es mit meinen vollmundigen guten Vorsätzen dieses Jahr auch ganz genau und mache nach sechs Monaten eine kleine Halbzeitbilanz:

So steht es nach einem halben Jahr um meine guten Vorsätze:

Ich wollte mehr Fahrradfahren.

Um es vorsichtig auszudrücken: Ich fahre sicherlich nicht weniger mit dem Rad. Und das Wetter spielt mir natürlich in die Karten im ersten Halbjahr. Ob ich aber tatsächlich mehr radle als 2018 ist aber eher fraglich, zu oft nehme ich noch immer aus Bequemlichkeit das Auto.

Fazit: Vorsatz ausbaufähig.

Ich wollte weniger fliegen.
Im ersten Halbjahr 2018 habe ich (ich habe nachgeschaut) exakt KEINE EINZIGE Flugreise gemacht. Vorbildlich, oder? Dieses Jahr sieht es da schon anders aus: Ich war zweimal mit dem Flieger unterwegs, ins Retreat nach Marokko und zu einer Privatreise nach Barcelona. Shame on me, aber immerhin habe ich mir übers Internet einen Ablassschein für die Flugmeilen gekauft.

Fazit: Vorsatz verfehlt.

Ich wollte nachhaltiger einkaufen
Puh, endlich kann ich punkten: Mein Shoppingverhalten hat sich in diesem Jahr wirklich verbessert. Weniger Schrott, noch weniger Klamotten und mehr Gemüse statt Fleisch und am besten alles in Bioqualität (daran arbeite ich noch). Was mich definitiv motiviert hat, noch bewusster Lebensmittel einzukaufen war ein langes Wochenende auf dem Biobauernhof kürzlich. Wenn man vor Ort gesehen hat, wie vernünftiges Lebensmittel entstehen, kauft nichts mehr beim Discounter.

Vorsatz: Erfüllt (YES!).

Ich wollte kein Arschloch sein.
Das fällt mir schwer zu beurteilen. Wer hält sich denn auch schon selbst für ein Arschloch? Ich habe in den vergangenen Monaten einige klare Entscheidungen getroffen, die bei anderen vielleicht nicht immer gut ankamen. Aber alles in allem finde ich mich doch ziemlich nett (Haha!).

Vorsatz: Wahrscheinlich erfüllt.

Ich wollte mehr meditieren
Meine große Baustelle ist und bleibt das Meditieren. Hier muss ich in den Quartalen drei und vier noch ganz schön Gas geben. Aber es wird, manchmal schaffe ich es sogar morgens, bevor die Kinder wach werden. Das ist dann tatsächlich der beste Start in den Tag. Also: Dranbleiben.

Fazit: Vorsatz ausbaufähig.

Da geht noch was.

Diese Woche bin ich sowieso ausnahmsweise mal etwas ernsthafter drauf, da passt so ein bisschen gelebte Selbstkritik ganz gut. Aber vielleicht sind diese Vorsätze ja auch etwas, das sich dynamisch ans Leben anpassen lässt? Dann würde ich das mit dem Fliegen einfach gegen die neue Laufwut (s.o.) tauschen und jeden Tag eine Sekundenmeditation hinlegen. Nein, im Ernst: Ich fühle mich nicht schlecht, wenn ich nicht alle Punkte wirklich für mich erreichen kann. Wichtig ist – wie bei allem – der Versuch zählt und das Bewusstsein, etwas ändern zu wollen. Am Ende sind wir keine schlechteren Menschen, weil uns beim Mülltrennen was durchrutscht oder die Morgenmeditation gegen 15 Minuten länger Schlafen getauscht wird. Was mich aber brennend interessiert ist, wie das mit den Vorsätzen bei dir so hinhaut. Hast du erreicht, was du dir vorgenommen hast? Oder einen bzw. mehrere Vorsätze angepasst oder gar aufgegeben? Ich freue mich über deine Geschichte als Kommentar. Namaste.

Fotos: Liza „mehr Süßigkeiten“ Meinhof

2 Gedanken zu „Halbzeitcheck – meine guten Vorsätze 2019&8220;

  1. Ich habe mir 2017 und 2018 am Anfang des Jahres jeweils eine Liste mit Zielen für das kommende Jahr geschrieben (das war immer ne ganze DIN A5-Seite voll) und in die Wohnung gehängt. Kann man wahrscheinlich als Vorsätze zählen. Bis zum Dezember habe ich nie alles geschafft. Meistens ist mir im Laufe des Jahres eh aufgefallen, dass ich auf manches gar nicht wirklich Lust habe und das da nur drauf stand, weil ich dachte, das wäre jetzt mal ganz gut und endlich sollte ich doch mal und überhaupt. Ende vom Lied: Es hat nur gestresst. Jetzt fasse ich keine Vorsätze mehr. Was sich richtig anfühlt, setze ich um, weil ich Bock drauf hab und es mich interessiert. Und was mich zu viel Kraft kostet, soll wahrscheinlich eh nicht sein. Vielleicht dafür aber später mal oder vielleicht auch nie 🙂

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