Erst Jura, dann Yoga – Franziska Weinmann von Prayana Yoga Retreats im Interview

Franziska Weinmann ist Yogalehrerin, studierte Rechtsanwältin und managt ein Yogastudio. Nach einem Ausflug in den Turbokapitalismus zog sie die Notbremse und vereinte ihre Lust zu Reisen mit ihrer Yogaleidenschaft. Heute ist sie Gründerin und Geschäftsführerin von Prayana Yoga Retreats, wo man unter anderem auch Yogareisen mit dem Yogadude buchen kann. Ich habe Franziska auf einen Kaffee getroffen und mir ihre Geschichte ganz genau erzählen lassen.

Der Klassiker zuerst: Wie bist du zum Yoga gekommen?
Das ist bei mir relativ früh geschehen: Weil ich Jura studiert habe. Das war mein erster Step in Richtung Yoga. 

Okay???
Ich habe das Jurastudium aus dem – im Nachhinein recht naiven – Wunsch, Gerechtigkeit in die Welt zu tragen, einen Beitrag eisten für die Gesellschaft. Ich hatte schon immer diesen Gerechtigkeitsdrang, habe als Jugendliche auch philosophische Texte dazu gelesen. „Wir sind alle gleich und haben uns alle lieb“ und so. Und als ich dann Patanjali gelesen habe, hat sich für mich dann ein Kreis geschlossen. Nach Abschluss meines Studiums habe ich aber recht schnell gemerkt, dass Theorie und Praxis relativ weit voneinander entfernt sind in diesem Bereich. Und dass wir in Deutschland ein recht korruptes System haben. Es geht immer ums Geld, vor allem beim Staat. 

Und was hast du aus der Situation dann gemacht?
Mit dem Schwerpunkt Gesellschaftsrecht habe ich zuerst einmal in einer Hardcore-Unternehmens-An- und Verkauf-Bude angefangen. Super viel Arbeit und jede Menge große Egos. 

Warum hast du das gemacht, wenn du doch eigentlich die Welt verbessern wolltest?
Ich dachte, bevor ich etwas ändern kann, muss ich es verstehen. Mir war es wichtig, das Wirtschaftssystem wirklich zu durchdringen. Ich muss aber zugeben, dass ich daran ein bisschen zerbrochen bin.  Ich bin nicht gestärkt aus der Geschichte rausgekommen, um dann etwas anderes zu machen.  Die Arbeit, das System und die Desillusionierung haben mir ordentlich zugesetzt in dieser Zeit. Dann hatte ich eine Art Burnout und eine massive Sinnkrise. Plus Rückenschmerzen wegen Bandscheibenvorfall. Und irgendjemand riet mir dann: Mach doch mal Yoga.

Aha. Endlich!
Ja. Aber ich dachte nur: Was für ein Eso-Scheiß! Aber trotzdem bin ich dann in meine erste Yogastunde. Am Anfang fand ich das irgendwie doof, habe aber gemerkt, dass es meinem Körper ganz gut tut. Also habe ich weiter gemacht und die Schmerzen wurden irgendwann besser. Und dann dachte ich irgendwann: „F..k you all!“, habe meine erste Yogalehrerausbildung gemacht und bin nach Portugal gezogen. 

Einfach so?
Ja, das hat mir nicht so viel ausgemacht, weil ich meine Kindheit damit verbracht habe, ständig umzuziehen. Ich hatte durch meine Hippie-Mutter schon immer eine Affinität zum Reisen und spreche mehrere Fremdsprachen. Nach einiger Zeit bin ich dann aber zurück nach Deutschland gekommen und richtig tief in das Yogading eingestiegen. Habe für das Yogajournal gearbeitet und dadurch superviele Leute aus der Szene kennengelernt, mehrere Ausbildungen gemacht und festgestellt, dass ich ein Talent fürs Unterrichten habe. Aber das Unternehmerische hat mir mit der Zeit dann doch etwas gefehlt.

Also zurück in die Kanzlei?
Nein viel besser: Dadurch, dass Yoga und fremde Kulturen bzw. Reisen immer eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hatten, wollte ich diese Dinge kombinieren. Auch, weil mich die Yogareisen und Retreats, die ich selbst besucht habe, unglaublich weitergebracht hatten. Besonders im Hinblick auf Toleranz – Intoleranz, Gewalt und Ausgrenzung entstehen aus Angst vor dem Fremden. Und als Yogi kommst du nicht umhin, dich mit Themen wie Toleranz und Nächstenliebe auseinander zu setzen. Und ich finde, dass Retreats unglaublich viel Potenzial haben, solche Dinge aufzubrechen. 

Also endlich die ersehnte Gerechtigkeit?
Ja, auch. Und eben das unternehmerische Arbeiten, das mir ein bisschen gefehlt hat. Und der intellektuelle Anreiz, etwas zu lernen, Dinge zu verstehen und Zusammenhänge zu sehen. Allerdings hat mich das im ersten Jahr auch stark gefordert: Ich muss auf einmal meine Angestellten und die Yogalehrer bezahlen und trotzdem alles so machen, dass es für alle irgendwie passt. Und das ist – ehrlich gesagt – ein intellektueller Anreiz, den mir meine Praxis und mein Unterricht nicht geben. 

Wie genau bist du bei der Gründung von Prayana Yoga vorgegangen?
Mir war von Anfang an klar, dass da einiges anders laufen muss als in meinem Juristenjob. Und auch wenn es etwas abgedroschen klingt: Ich will mein Unternehmertum nachhaltig gestalten. Mit meinem Wissen aus dem Studium. Mit dem Geld von Investoren. Und mit meinen Kontakten aus dem alten Job. Im Yoga heißt es ja auch immer, man soll das sein, was man im momentanen Leben ist. Und das so gut wie möglich, so nützlich und effektiv für die Welt wie möglich. Und das versuche ich jetzt, mit meinem individuellen Hintergrund, in diesem Unternehmen. Und hoffe, dass ich unseren Kunden die Erfahrungen bieten kann, die ich selbst auf meinen Reisen und Workshops gemacht habe. 

Du hast Prayana aber nicht alleine gegründet.
Nein, zum Glück hatte ich die bestmögliche Unterstützung dabei. Meinen Mitgründer Armin kannte ich aus der Zeit, in der ich für das Yogajournal gearbeitet habe und Stefan – einer der Chefs von Puresurfcamps – kam dann mit der Idee, gezielt Yogareisen anzubieten. Und nach und nach – insgesamt hat das ca. ein Jahr gedauert – entwickelten wir dann Prayanayoga.

Was war das Schönste, was dir bisher als Yogaunternehmerin passiert ist?
Es sind schon jetzt ein paar wirklich schöne Dinge geschehen. Im allerersten Retreat überhaupt war zum Beispiel eine junge Frau, die in ihrem Leben bisher nur zwei, drei Sorten Gemüse gegessen hatte. Und aufgrund der veganen Küche im Retreat zwangsmäßig ihren Speiseplan erweitert hat und so ihre Magenschmerzen in den Griff bekommen hat. Solche Geschichten waren es dann auch, die mich bei all den Rückschlägen, die man als Startup am Anfang hat, letztlich motiviert haben. Am Ende durchzieht sich, bei allem was ich mache, dann doch die Sinnfrage. Und mit dem ganzen Feedback oder auch den Mails, die ich von TeilnehmerInnen bekomme, habe ich dann doch das Gefühl, dass es Sinn macht, was ich tue. Es gibt mir einen Sinn. Und ich kann von dem, was ich gelernt und gemacht habe, ein bisschen was zurückgeben.

Das klingt erfüllend.
Aber es ist auch Stress. Gerade das erste Jahr war ein echter Kampf. Ich war noch nie so massiv an meinen Grenzen wie in dieser Zeit. Es ist ein zweischneidiges Schwert, aber ich will es nicht mehr missen. Das ist es, was das Unternehmertum für mich ausmacht. 

Dann also nochmal: Deine Kunden profitieren von dir als Yogi-Unternehmerin. Aber wie ist es mit deinen Angestellten und Geschäftspartnern? Bist du ethisch-moralisch eine andere Unternehmerin?
Da habe ich in meinem alten Job viel gelernt. Was ich nie mochte, waren die starren Arbeitszeiten, deshalb kann bei uns jeder Mitarbeiter arbeiten, wann er möchte. Oder aus dem Home Office arbeiten, wenn er das will. Klar, manchmal gibt es was zu besprechen und in einem kleinen Team wie unserem ist das kein Problem. Ich weiß allerdings noch nicht, wie das ist, wenn die Firma wächst. Ich würde diese Firmenpolitik der Freiheit gerne aufrecht erhalten, weil ich glaube, dass Menschen effektiver arbeiten,  wenn sie sich frei einteilen können. 

Und was genau macht für deine Kunden den Unterschied? Warum sollten sie ein Retreat unbedingt bei euch buchen?
Wir achten bei unseren Reisen ganz besonders auf die Themen Ernährung, Müll und Nachhaltigkeit insgesamt. Beim Essen setzen wir auf lokale Produkte und legen Wert darauf, dass nicht alles in Plastik verpackt angeliefert wird. Wir bitten die Teilnehmer, ihre eigene Teeflasche mitzubringen und so auf Plastikflaschen zu verzichten und unsere beiden Retreat Center in Portugal kommen sogar ganz ohne Plastik aus und haben ihre eigenen Gärten vor Ort. Das Center in Quinta hat einen neuen Naturpool, der ist selbstreinigend und kommt ganz ohne Chlor aus. Und bei einem Retreat haben wir auch schon mal eine Beach Cleaning Session gemacht, das kam sehr gut an. 

Bleibt nur noch das Problem der umweltgerechten Anreise…
An der Stelle scheitern wir im Moment noch ein bisschen, weil wir viele Ziele anbieten, die man nur mit dem Flugzeug gut erreichen kann. Allerdings arbeiten wir auch daran: Wir wollen je eine Immobilie in München und in Österreich aufbauen, zu denen man mit der Bahn anreisen kann. Es gibt schon ein anderes Retreat Center in Österreich und die Nachfrage ist da – deshalb wollen wir das Ganze jetzt noch in der DACH Region ausbauen. Wer aber fremde Kulturen kennenlernen will, muss wohl oder übel etwas weiter reisen und dafür eben in ein Flugzeug steigen. 

Letzte Frage: Was war das Außergewöhnlichste, was bisher in einem eurer Retreats passiert ist? 
Am schlimmsten war wahrscheinlich das erste Marokko-Retreat: Wir hatten 22 Anmeldungen und unsere Geschäftspartner vor Ort haben vergessen, für diese Gäste auch Unterkünfte zu buchen. Und am schönsten? Wir hatten in einem Retreat eine Teilnehmerin, die mit 27 noch nie im Meer gewesen war, weil sie Angst vor dem Meer hatte. Und als alle sich bei einem Ausflug im Meer abkühlten, saß sie nur im Schatten und sah zu. Irgendwann meinte dann jemand zu ihr, sie solle doch wenigstens ihre Beine abkühlen und sie hat sich nach und nach vorgetastet. Füße, Beine, Hüfte und dann hat sie einfach angefangen zu lachen, weil sie ihre persönliche Angst überwunden hatte. Das war wirklich schön.

Finde ich auch. Ich danke dir für das nette Gespräch.
Dankeschön.

Mehr über Prayana Yoga Retreats erfährst du hier, im Oktober 2020 und März 2021 gibt es dort auch wieder zwei Retreats mit mir in Portugal.

Fotos: Franziska Weinmann

Hinweis: Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Prayana Yoga Retreats entstanden und damit Werbung.