Eine ganze Woche für den Allerwertesten

Das kann man so nicht sagen.

Dass Facebook nicht besonders viel von meiner Wortwahl hält, ist nichts Neues. Schon in der Vergangenheit haben mich die digitalen Anstands-Wauwaus aus Kalifornien darauf hingewiesen, gewisse Ausdrücke nicht zu verwenden. Zumindest nicht, wenn ich sie in Werbeanzeigen innerhalb des Political Correctness-Netzwerks Nummer 1 einsetzen möchte. Das Wort „Penis“ fand man im Silicon Valley irgendwie nicht so toll. Und das – in Amerika eigentlich recht beliebte – F-Wort mit dem „ucking“ hinten dran auch nicht. Mit einer abgelehnten Facebook-Werbeanzeige komme ich klar – das sehe ich recht sportlich. Facebook mag etwas an einem meiner Beiträge nicht, meistens ist das nur ein Wort oder in Einzelfällen auch mal ein Bild (in dem man ein Wort erkennen kann). Als Konsequenz kann ich der Facebook AG eben kein Geld geben, damit sie meine Inhalte verbreitet. Und weniger Leute lesen diese Inhalte. Es bleibt mir ja immer noch die Möglichkeit, meinen Content zu entschärfen und dann eine neue Facebook Ad zu schalten. Ohne böse Worte und schlimme Fotos.

Wollt ihr mich veräppeln?

Was vor einigen Tagen allerdings passiert ist, lässt sich selbst mit den übelsten Schimpfwörtern nicht annähernd beschreiben. Die Damen und Herren vom „G’sichtsbuch“ haben nicht nur auf einen Schlag mehrere meiner Facebook Posts aus der Vergangenheit kommentarlos gelöscht. Nein, sie machen es auch unmöglich, meine Website überhaupt in ihrem Netzwerk zu verbreiten. Du kannst das gerne mal ausprobieren: Versuche einfach, www.yogadu.de privat auf Facebook zu teilen. Es wird nicht funktionieren. Ich finde das natürlich nicht so doll – seit drei Jahren stecke ich viel Arbeit und noch mehr Herzblut in dieses Projekt. Und ohne Facebook sind meine Blogbeiträge nahezu unsichtbar. Denn selbst wenn ich keine Werbung schalte, sehen doch viele Leute, wenn ich etwas poste. Und klicken auf einen Link zum Blog.

Ja leckt mich doch.

Obwohl: Im Moment ist es mir auch ein bisschen egal, dass der YOGADUDE keine große Bühne mehr im Social Web hat. Dann lesen eben weniger Menschen, was ich wöchentlich so raushaue. Mir doch Wurscht, das macht mein Leben nicht wirklich schlechter und in meinem eigenen kleinen Reich auf www.yogadu.de kann ich wenigstens alle bösen Worte nutzen, die ich mag. Ohne Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten reicher West Coast-Nerds. Was mich aber ein wenig nervt, ist die absolute Hilflosigkeit, mit der ich dem Problem gegenüberstehe. Es gibt bei Facebook niemanden, den ich anrufen kann. Und der „Support“ per E-Mail ist keine große Hilfe. Da drehe ich mich mit den wechselnden Ansprechpartnern im Kreis und bekomme Auskünfte zu Fragen, die ich nie gestellt habe. Fakt ist: Ich habe keine Ahnung, wann ich mein kleines Blog-Projekt wieder mit meiner Facebook-Community teilen kann. Und ich habe keine Ahnung, wie ich das anstellen soll. Heute habe ich mal die letzten Beiträge, die verbal etwas kritisch sein könnten, deaktiviert. Mal sehen, ob das was bringt. Auf jeden Fall bekomme ich gerade einen netten Vorgeschmack dessen, was die Uploadfilter der EU in Zukunft leisten können. So fühlt sich digitale Zensur also am eigenen Leib an. Aber es ist ja nicht das erste Mal…

Total im A.

Als wäre das Ganze nicht alles doof genug, hatte ich diese Woche eine weitere tiefdunkle Premiere: Meine erste Darmspiegelung. Jawoll, mit allem Drum und Dran. Für die Laien kurz zusammengefasst: Man darf 24 Stunden vorher nichts essen und gleichzeitig ein effektives Abführmittel benutzen. Und direkt vor der Untersuchung mit der Kamera fühlt man sich… leer. Leer und durstig (Getränke sind zwei Stunden vorher auch Tabu) und hungrig und auch ein bisschen nervös. Denn ich habe das Prozedere auf mich genommen, weil ich – genetisch bedingt – ein erhöhtes Darmkrebsrisiko habe. Also gehört der Gang zum „Höhlenforscher“ für mich ab sofort zum regelmäßigen medizinischen Programm. Läuft… Für alle, die (wie ich) wirklich keine Lust auf diese außergewöhnliche Erfahrung haben: Es. Ist. Nicht. Schlimm. Man bekommt ein nettes Schlafmittel und schlummert während des eigentlichen Vorgangs friedlich. Und nach dem Aufwachen fühlt man sich weder entweiht oder vergewaltigt, sondern einfach nur etwas gaga von der Sedierung. Wie an einem typischen Sonntagmorgen vor zehn Jahren oder so. Eine Darmspiegelung ist unterm Strich also wesentlich angenehmer als eine Tumorerkrankung.

Schau besser ganz genau hin.

Es kann kein Zufall sein, dass ich in dieser Popowoche erst von Facebook ausgesperrt werde und mir dann von einem Fremden tief in meinen Allerwertesten schauen lasse. Die Sozialnetzwerker haben irgendwas an meinem Blog auszusetzen, teilen mir aber leider nicht mit, was das ist. Da fühle ich mich doch zwangsweise verschaukelt, oder? Zumal bei mir immer noch das Gefühl bleibt, dass das alles ein Missverständnis ist. Vielleicht sollte Facebook sich mal mit meinem Gastroenterologen unterhalten. Der hat in meinem Innenleben wirklich alles genauestens unter die Lupe genommen und sich dabei sprichwörtlich durch die ganze Scheiße gewühlt. Also bitte, liebes Facebook: Guckt euch den Yogadude und seine Artikel über Genitalyoga nochmal in Ruhe an und gebt mir meinen Account wieder komplett zurück. Dann halte ich gerne weiterhin das Hinterstübchen hin und gebe euch auch mein ganzes Geld. Namaste. 

PS: Mehr über dein Darmkrebsrisiko und Vorsorge erfährst du auch bei der Felix Burda Stiftung.

Fotos: Liza Meinhof

3 Gedanken zu „Eine ganze Woche für den Allerwertesten&8220;

  1. Was für eine verf*ickete K*acksch*eiße!
    Diese Erfahrung mit dem Gesichtsbuch zu machen ist ja das Eine, der damit verbundenen Hilflosigkeit die Hand reichen zu müssen ist das Andere. Ich bin schon länger “stiller Leser” deines Bloggs und wollte an dieser Stelle einfach mal zurückmelden: Ich sehe dich, auch ohne Facebook. 🙂 Hab vielen Dank für all die ungefilterten, unzensierten Worte, für so viel Inspiration, für “tmi” und “yolo” Beiträge. Bitte lass dir durch diesen Vorfall nicht den Mund mit Uploadfilter-Seife auswaschen, es wäre ein massiver Verlust für die Blogg- und Yogawelt.

    P.S. Wäre doch eine wunderbare Möglichkeit socialmedia zu nutzen: Facebook den Allerwertesten zeigen. Hashtag? 😛

    1. Oh no, ich habe gerade erst deinen Kommentar gesehen!!! Vielen Dank für die lieben Worte – ich überlege tatsächlich gerade in diese Richtung. Peace’n’love, Thomas

Kommentare sind geschlossen.