Yogadude on the Road – DAS FEST 2019

Kennst du schon Rainer?

Wer schon einmal versucht hat, während des FESTs in Karlsruhe auf die vorderen Parkreihen vor der Europahalle zu gelangen, kennt Rainer höchstwahrscheinlich. Rainer ist schätzungsweise Mitte 50, ein eher sportlicher Typ und wirkt wie einer, der bewusst keinen Alkohol trinkt und auch ohne Yoga stets die Ruhe behält. Rainer ist bei DAS FEST (immerhin mit 260.000 Besuchern eine der größten Open Air-Veranstaltungen Deutschlands) verantwortlich für die Mitarbeiterparkplätze. Und Rainer ist der Typ, der dir beherrscht aber bestimmt in seinem angenehm hessisch gefärbten Deutsch sagt, wo genau du hinfahren kannst, wenn du ohne Durchfahrtsgenehmigung auf seinen Checkpoint zurollst. So wie ich bei meinem ersten FEST als Yogalehrer 2018 getan habe. Und letzte Woche wieder, bei meinem zweiten Yoga-FEST. Rainer ist dabei nicht etwa unhöflich oder verärgert, sondern er macht einfach nur seinen Job. Und den macht er – finde ich zumindest – richtig gut. Ich will mir nicht vorstellen, was Rainer sich den ganzen Tag für einen Schwachsinn anhören muss, von Beleidigungen und Drohungen ganz zu schweigen.

Hello Again.

Warum ich dem guten Rainer (der meines Wissens nichts mit Yoga am Hut hat) einen ganzen Absatz widme? Weil Rainer die erste Person ist, die ich treffe, wenn ich mit meinem mobilen Yogazirkus aufs FEST fahre. Und weil Rainer mich letzte Woche Donnerstag nach einem Jahr genauso wiedererkannt hat. Und ich ihn auch.  Genau das spiegelt für mich den Grundton und Spirit meines zweiten Yogalehrergastspiels bei DAS FEST bzw. dem FEST CUP in Karlsruhe wider. Dort durfte ich nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr  wieder drei Tage lang Yoga unterrichten. Kostenlos und für alle – in meiner eigenen kleine Ruhe-Oase am Rande des Festivalgeländes. Ich wusste im Vorfeld nicht genau, was ich erwarten sollte von diesem zweiten FEST. Wird es genau so gut wie im ersten Jahr? Was ich am Ende bekommen habe, waren nicht nur drei wunderbare Tage mit Yoga, Musik und guter Laune, sondern vor allem ein FEST des Wiedersehens. Nicht nur das Wiedersehen mit Rainer (den ich beim FEST wirklich oft getroffen habe und der mir sogar Grüße ausrichten ließ), sondern natürlich auch das Wiedersehen mit vielen alten Freunden aus meiner Geburtsstadt Karlsruhe und mit zahlreichen bekannten Gesichtern, die mich schon beim FEST 2018 als Yogis beehrt hatten. Ein echtes FEST fürs Herz war das 2019.

Im Zentrum meines Universums.

Im Vergleich zum ersten Yoga-FEST konnte ich dieses Jahr noch einiges an den Rahmenbedingungen verbessern: Die Uhrzeiten der Klassen wurden noch besser an den Spielplan auf der Hauptbühne angepasst, ich habe größere Teekannen mitgenommen (vielen Dank fürs Ausleihen und den ganzen Gratis-Tee, Pukka Herbs Deutschland) und einen richtig tollen Live Act organisiert, der uns am Samstagmorgen bei der Asana-Praxis begleitet hat. Was gleich blieb, war der Ort, an dem wir üben konnten: Dieser kleine verzauberte Hügel mit seinen Bäumen, „malerisch“ umgeben von der Rückseite der Großsporthalle, der Riesenrutsche des Hallenbads und mit Blick in Richtung FEST-Hauptbühne (bzw. Mount Grape). Und von diesem Hügel aus hatte ich auch stets einige der wichtigsten Stationen eines bisherigen Lebens im Blick: Das Krankenhaus, in dem ich geboren wurde ist nur wenige hundert Meter entfernt, in der angrenzenden Europahalle habe ich meine Berufsausbildung gemacht und im zugehörigen Restaurant meine Hochzeit gefeiert. Und ich habe – weil Karlsruhe eben auch nur ein Dorf ist – lange Jahre in Laufentfernung zum FEST gewohnt und unseren Sohn quasi um die Ecke taufen lassen. Dieser klitzekleine namenlose Yoga-Hügel ist also wirklich so etwas wie das Zentrum meines persönlichen Universums. Ein perfekter Kraftort – optimal für unsere Praxis und meinen Unterricht. Und so war es dann am Ende:

Yoga bei DAS FEST 2019 in Zahlen:

  1. Angebotene öffentliche Yogaklassen: 8 (Vorjahr: 8)
  2. Wegen Unwetter abgebrochene/abgesagte Yogaklassen: 0 (Vorjahr: 3)
  3. TeilnehmerInnen insgesamt: 210 (Vorjahr: 170)
  4. Musiker, die uns live beim Yoga begleitet haben: 1 (Vorjahr: 0)
  5. Geschenkte Sektflaschen von dankbarer Teilnehmerin: 1 (Vorjahr: 0)
  6. Kinder des Yogalehrers, die während Savasana die Yogafläche stürmten: 2 (Vorjahr: 1)
  7. Witze, die vom Lehrer unverändert in mehreren Yogaklassen gemacht wurden: 4 (Vorjahr: 1)
  8. Yogalehrer, die sich noch Tage später über die gelungene Aktion freuen: Mindestens 1!

Der FEST-Spirit lebt weiter.

Damals, als ich noch jung war (selten fange interessante Geschichten mit diesen Worten an). Aber damals, als ich wirklich noch jung war, brauchte man für DAS FEST noch keine Eintrittskarte und es spielten hauptsächlich lokale Bands und Musiker. Und der Legende nach fing das FEST ungefähr genauso an wie Yoga bei DAS FEST im letzten Jahr. Jemand hatte das Gefühl, dass es eine gute Idee wäre und hat es dann einfach gemacht. Und einen Volltreffer gelandet. Ich will mich natürlich nicht selbst loben, aber dieses Jahr hatte ich wirklich das Gefühl, dass wir mit dem Festival-Yoga in Karlsruhe etwas Wunderbares ins Leben gerufen haben. Wir alle zusammen – alle Yogi(ni)s, meine fleißigen Helferlein, die Unterstützer vom FEST CUP und Pukka – haben unser eigenes kleines Fest im FEST geschaffen: Kostenlos und ungezwungen und dieses Jahr sogar mit einem lokalen Live Act. Wo das Ganze mal hinführen wird, weiß ich nicht. Der Platz ist ja – wie beim „richtigen“ FEST – begrenzt, also kann es nicht unendlich wachsen (ist ja auch gut so). Aber ich hoffe, dass ich mit dem FEST-Yoga irgendwann auch mal stolz auf eine kleine Tradition zurückblicken kann. Mit vielen supertollen Yogis, mit vielen alten Freunden und mit ein paar unverzichtbaren Festival-Veteranen wie meinem neuen Freund Parkplatz-Rainer. Danke! Danke! Danke! Wir sehen uns 2020 auf dem FEST. Namaste.

Fotos: Hendrik “nicht Liza” Meinhof