Das Yogawort zum Sonntag – Schmerzen

Negative vibrations?

Ab und zu kommt die Frage auf, warum ich eigentlich fast nie etwas Negatives im Blog schreibe. Ein richtiger Verriss von einem Studio-Check zum Beispiel. Oder eine Buchkritik, die ihrem Namen mal gerecht wird. Es kann doch nicht sein, dass immer alles Friede-Freude-Eierkuchen ist beim Yogadude. Und das stimmt natürlich. Sogar ich finde nicht alles gut. Ich finde sogar ziemlich viele Dinge ziemlich schlecht, auch wenn ich versuche den meisten von ihnen etwas Positives abzugewinnen. Aber der Yogadude-Blog ist mein persönliches Glücks-Projekt, etwas das mir (und anderen) Freude bereiten soll. Und wenn ich mal über ein negatives Thema stolpere, schreibe ich manchmal auch darüber. Allerdings nicht, wenn es Produkte sind, die ich persönlich nicht gut finde. Ich will ja Dinge empfehlen, die ich selbst ausprobiert habe. Und nicht von denen abraten, die bei mir durchfallen, andere möglicherweise aber etwas Gutes abgewinnen können.

Einmal richtig sch…e sein.

Diese Woche ist geradezu prädestiniert dafür, seitenlange Hasstiraden auf alles und jeden zu verfassen. Sie begann für mich am Montagmorgen (schon das ist ja jede Woche eine Zumutung) mit einer spontanen Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Ich rede nicht gerne über meine Gesundheit, aber dieses eine Mal muss es sein. Der Schmerz im Oberkiefer begann am Samstag mit dem Aufwachen, beim Zubettgehen war schon Level 10 von 10 für mich erreicht. Allerdings wollte ich auf keinen Fall zum Notdienst, weil am Sonntag unsere Tochter getauft wurde und die ganze Familie zu Besuch war. Und was macht der gute Yogi gegen die Zahnschmerzen? Meditieren und ruhig weiter atmen. Das bringt leider in dem Fall überhaupt nichts, muss ich zugeben, deshalb gab es stattdessen die Maximaldosis (und ein bisschen mehr) Ibuprofen. Dank dieser wunderbaren Errungenschaft der Biochemie konnte ich mich halbwegs schmerzfrei durch einen sehr langen Gottesdienst, ein leckeres Mittagessen, einen gemütlichen Spaziergang sowie Kaffee und Kuchen hangeln. Und anschließend am Montag besagten Arztbesuch wahrnehmen. Schön war’s. Danke, liebe Pharmaindustrie.

Voll auf Pille oder was?

Auch wenn ich die generelle Dämonisierung von Betäubungsmitteln hier in Bayern nicht ganz nachvollziehen kann (Kiffer in den Knast!), bin ich kein großer Fan von Schmerztabletten und Co. Das hat auch damit zu tun, dass ich einige Menschen kennen gelernt habe, die unter deren Einfluss ihren Körper mehr oder weniger ruiniert haben. Sogar erfahrene Yogalehrer erzählen gerne mal, wie sie „damals“ trotz Erschöpfung und Schmerzen mehrere Stunden täglich Asanas geübt haben. Mit ein paar Tabletten kein Problem. Ungefähr dieselbe Geschichte gibt es von Fußballern, Laufsportlern, Radfahrern und Kampfsportlern in meinem Umfeld. Aber ehrlich gesagt finde ich, dass es beim Yoga am allerwenigsten Sinn macht, den körperlichen Schmerz zu betäuben. Wenn mir selbst beim Üben etwas wehtut, lasse ich es eben sein und gehe zum Doc, wenn das Problem sich nicht von selbst löst. Der Körper heilt sich am besten selbst, wenn man ihn lässt. Man muss ihn aber auch mal lassen.

Auf die Dosierung kommt es an.

Okay, ich habe mit meinem Dentalproblem auch geschummelt. Anstatt mir Pillen einzuwerfen, hätte ich zum Notdienst gehen und mir das „Esszimmer“ richten lassen können. Wollte ich aber nicht, weil ich Angst hatte das Familienfest zu verpassen. Ein Notfall also, wenn auch ein kleiner. Aber dafür – und für chronische, unbehandelbare Schmerzen – sind Schmerzmittel eben da. Denn diese kleinen Tabletten sind gar nicht mal so ohne: Zum einen belasten sie unsere Organe: Leber, Nieren und Co. sind durch die Einnahme im Dauerstress. Aber viel schlimmer ist, dass wir den Schmerz nicht mehr spüren, der uns eigentlich warnen will. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Körper, hör‘ auf zu machen, was du gerade machst und schau besser mal nach. Wie diese nervigen Warnlämpchen im Auto. Wenn wir die ignorieren, macht eventuell der Motor schlapp. Wenn wir auf unsere Schmerzen nicht mehr hören, ist es eben unser Körper. Und je länger wir das tun, desto intensiver wird der Werkstattaufenthalt hinterher. Wurzelbehandlung my ass!

Achtsamkeit statt Drogenrausch

Ich freue mich immer, wie toll achtsam ich jetzt lebe. Und habe zwei Wochen lang einen leichten Schmerz im Gesicht (!) ignoriert bzw. nicht mit meinen Beißerchen in Verbindung gebracht. Es lag vielleicht auch nicht sehr nahe, dass eine entzündete Zahnwurzel sich direkt unter dem Jochbein bemerkbar macht, aber jetzt bin ich schlauer. Und gewarnt. In Zukunft will ich noch mehr auf die Signale hören und, sobald ein Lämpchen angeht, rechts ranfahren und gründlich unter die Haube schauen. Und wenn das bedeutet, dass ich auf meine geliebten Asanas verzichten muss, dann ist das eben so. Denn nur, wenn ich mich auch um mich selbst sorge, kann ich anfangen, mich um das Wohl der anderen zu kümmern. Die Signale rechtzeitig erkennen und den Schaden beheben, noch bevor er richtig entstanden ist. Denn dann bleiben mir die Schmerzmittel vielleicht irgendwann komplett erspart. Namaste.

 

Fotos: Liza Meinhof

3 Gedanken zu „Das Yogawort zum Sonntag – Schmerzen&8220;

  1. Hi Yogadude,
    Ich lese deinen Blog sehr gerne, bist super sympathisch, vor allem sind Blogs von Männern mal was Neues! Danke dafür.

    Hatte auch letztes Wochenende voll Zahnweh, rechts oben, hinten. Voll arg. Genau dasselbe, Wurzelbehandlung anschließend, leider noch Schmerzen dannach. Mach gerne täglich Yoga, aber nun definitiv nicht, da es sonst so pocht ;-(

    Also ich fühle mit dir, freu mich, wenn ich wieder Yoga machen kann, gönn mir aber die Ruhe, ist ja für was gut.
    Alles Gute dir und weiter so mit deinem tollen Bog!

    Namaste, Marionella

  2. Ein thema, an das viele immer wieder erinnert werden muessen – sehr guter artikel! Gluecklicherweise war das eindruecklichste, das ich als als yoga-anfaengerin lernte, die ansage „geh an deine grenzen, aber geh nicht darueber hinaus“. Daran erinnere ich mich im „normalen leben“ auch immer wieder. In diesem sinne: Schoenen sonntag 🙂

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