Das Yogawort zum Sonntag – Lachen

We are Family.

Yoga ist Familiensache. Wir Yogis sehen uns ja häufig gerne als Familie (oder auf Instagram als „Tribe“) und in manchen Fällen sind wir untereinander tatsächlich blutsverwandt. Ich entstamme leider keiner echten Yoga-/Eso- oder Spiri-Familie. Das höchste der Gefühle bei uns zuhause war – spirituell betrachtet – meine heilige Erstkommunion und in Sachen alternativer Medizin der Gang meiner Mutter zur Heilpraktikerin. Ehrlich gesagt bin ich manchmal ja ein bisschen neidisch auf die „second-generation“ Yogis in meinem Umfeld, deren Mütter schon zuhause im Kinderzimmer Räucherstäbchen abgebrannt haben und die im zarten Alter von vier Jahren bereits routiniert meditieren konnten. Aber erstens kann ich nichts daran ändern und zweitens habe ich dafür ganz andere tolle Dinge zuhause gelernt. Außerdem, manchmal ist es vielleicht auch ein bisschen peinlich, wenn man als Teenager so richtige Hippie-Öko-Eltern hat. Ich bin meinen Kindern ganz bestimmt in ein paar Jahren mega-peinlich (und freue mich schon tierisch darauf).

Einmal Mutter-Kind-Yoga bitte.

Nachdem ich meine engsten Verwandten davon überzeugen konnte, NICHT Teil einer Sekte zu sein (okay, ich bin immer noch in der katholischen Kirche), haben sie nacheinander auch schon mindestens eine Yogaklasse besucht. Mein jüngerer Bruder war am mutigsten und hat das mit mir zusammen gemacht (im Anschluss gab es Bier), mein älterer Bruder und meine Mutter durfte ich bei DAS FEST in Karlsruhe sogar selbst unterrichten (danach gab es ebenfalls Bier). Jetzt fehlt eigentlich nur noch mein Vater, aber ob ich das noch erleben werde, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vielleicht kann dieser Blogbeitrag ja einen gewissen sozialen Druck erzeugen, wer weiß? Und schließlich habe ich auch eine regelmäßige Schülerin, die ab und zu ihre Mutter (80+!) mit zum Yoga bringt. Und sogar eine weitere Schülerin hat diese Woche ihre Tochter mit in meine Klasse gebracht. Ich weiß nicht, womit sie das Mädchen begeistert (bestochen/bedroht?) hat, aber irgendwie ist es ihr gelungen, das ca. 12-jährige Mädchen mit zum Yogakurs zu nehmen.

Like a warrior.

Wie bereits erwähnt: Ich finde es super, wenn Menschen schon früh die Chance haben, mit Yoga in Berührung zu kommen. Bei mir gab es da einfach zu viele Hürden und Umwege, bis ich es das erste Mal auf die Matte geschafft habe. Und die mitgebrachte Tochter war nicht nur zum ersten Mal überhaupt beim Yoga, sie war auch meine erste minderjährige Schülerin überhaupt. Ich erklärte ihr vorher kurz die Basics („wenn gar nichts geht: Kindshaltung“) und anschließend ging es los. 90 Minuten Vinyasa, mittleres Level inklusive Tempo, Schwitzen und Peak Pose. Und? Sie hat sich super geschlagen, hat jede Asana zumindest ausprobiert, ab und zu mal nach rechts zu ihrer Mutter geschaut und jeden Assist dankbar (wahrscheinlich) angenommen. Ob es ihr Spaß gemacht hat und ob sie wiederkommen wird, kann ich nicht zu 100% sagen, aber sie hat es durchgezogen und ist damit in ihrem jungen Yogini-Leben deutlich weiter als ich es in ihrem Alter war.

Nur ein einziger kleiner Makel.

Eigentlich kann ich schon behaupten, dass es der jungen Dame in meiner Yogaklasse gefallen hat. Zumindest an einer Stelle hat sie sich nämlich ganz besonders gefreut: Als wir nach der Meditation am Anfang dreimal „Om“ gechantet haben, musste sie spontan ein bisschen lachen. Also eher kichern, aber als ich meine Augen öffnete, saß sie da und grinste eindeutig. Und wenn man versucht, ein bisschen Abstand zu nehmen, um die Szenerie zu erfassen, kann man es auch gut verstehen: 15 Frauen zwischen 30 und 50 sitzen mit geschlossenen Augen im Schneidersitz auf dem Boden und machen „Ooooooommm“. Das kann beim ersten Mal schon seltsam wirken und noch mehr Klischee geht ja fast nicht. Beim dritten „Om“ hatte sie sich aber wieder im Griff und den Rest der Klasse hat sie ja dann so hart gearbeitet, dass sie beim Abschluss-„Om“ keine Miene mehr verzog. Ich habe sie nach der Klasse nicht auf ihren Lacher angesprochen, schließlich geht es mich überhaupt nichts an, was sie beim Yoga denkt. Aber ich muss zugeben, dass ich während des Unterrichts noch einige Male daran denken und dabei selbst schmunzeln musste.

Die wenigsten Asanas funktionieren mit einem Stock im Hintern.

Als ich selbst das erste Mal beim Yoga war, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Und inmitten einer Gruppe von Frauen zwischen 30 und 50 saß ich mit geschlossenen Augen im Schneidersitz auf dem Boden uns sollte auf einmal „Ooooooommm“ machen. Und was machte ich stattdessen? Ich musste lachen. Wegen der Situation, wegen des Klischees. Und natürlich wegen meiner Unwissenheit. Und Jahre später bin ich Yogalehrer, Yogablogger und Yogajunkie und chante aus vollem Halse meine „Oms“ und „Shantis“ und „Haris“. Und ganz egal, ob das Mädchen nie wieder eine Yogamatte betritt oder eine verdammte Guru-Queen wird – mir ist es 1.000 Mal lieber, wenn sie in meiner Stunde lachen muss, als wenn sie denkt, dass Yoga eine Mischung aus Gottesdienst und Sportwettkampf ist. Denn wenn dem Yoga noch immer etwas fehlt, dann ist es ab und zu mal noch ein deutlich hörbarer Lacher. Nicht weil Yoga irgendwie lächerlich oder lustig ist, oder zu klischeehaft (ist es!). Sondern weil es einfach Freude bereitet und das darf man ruhig auch hören. Namaste.

Fotos: Liza „lacht am lautesten über sich selbst“ Meinhof

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