Das Yogawort zum Sonntag – Kommerz

Die alten Sachen fand ich ja ganz gut.

Jeder hat wahrscheinlich diese eine Band, die er schon kannte, als sie noch ein echter Geheimtipp war. Die vor 20 Fans im Dorfjugendzentrum aufgetreten ist. Und die dann – 1,5 Jahre später – mit Vollgas im Mainstream angekommen ist: Imposante Chart-Platzierungen, dubiose TV-Auftritte, luxuriöse Hotel-Suites und obligatorische Privatjets. Und auf einmal klingt alles, was aus den Goldkehlchen rauskommt, so „kommerziell“. Auf einmal läuft die aktuelle Single im Supermarkt und sogar mein Bankberater hört das neue Album in Dauerschleife (und singt mit!!!). Was ist denn da passiert? Beim Jugendzentrums-Auftritt kotzt sich der Gitarrist noch über die Schuhe und jetzt sitzt der Typ bei Günther Jauch auf der Couch? Sorry Leute, das hat nichts mehr von Kunst oder Rock’n’Roll – hier geht es nur noch um den verdammten Kommerz.

Guter Rat ist teuer (wenn man ihn nicht beachtet).

Der YOGADUDE Blog hatte vor 1,5 Jahren ebenfalls nur ca. 20 Fans. Also auf Facebook, nicht im Jugendzentrum. Irgendwie bin ich (und meine Frau) in das Projekt so reingeschlittert. Als kleine Ausgleichbeschäftigung neben der Arbeit quasi. Nur dass dieser kleine Nebenjob mittlerweile fast schon ein richtiger Job ist. Als wir anfingen, hatte ich vom Bloggen sowas von überhaupt keine Ahnung, also habe ich erfahrene Blogger(innen) um Rat gebeten. Eine Kollegin meinte, ich solle mir von Anfang an überlegen, wie ich damit Geld verdienen will. Und das habe ich natürlich NICHT gemacht – es gab so viele Yogaabenteuer zu erleben, so viele Themen zu entdecken, Beiträge zu schreiben, Fotos zu schießen. Jetzt, wo mein Leben mit dem Blog und der Yogalehrerausbildung sich langsam aber verdammt sicher in eine neue Richtung bewegt, muss in Sachen Finanzierung aber was passieren.

Ich brauche die Kohle.

Schon seit einem knappen Jahr arbeite ich nicht mehr in Vollzeit in meinem „richtigen“ Job, damit ich mehr Zeit für den Blog, für Yoga und für die Familie habe. Also habe ich am Ende des Monats natürlich auch weniger Kohle auf dem Konto. Dazu kommt, dass so ein Blog nicht nur viel Zeit, sondern auch ein wenig Geld kostet: Das fängt beim Hosting und den Facebook-Anzeigen an und endet bei fancy Reisen zu Yoga Festivals, hübschen Anziehsachen für die Foto-Shootings oder ganz profanen Dingen wie einem leistungsfähigen Handy, um auch unterwegs Facebook und Instagram füttern zu können. Eigentlich nix neues: Das Leben ist teuer. Und über Likes und Kommentare freue ich mich zwar wie verrückt – meine Kinder werden davon aber leider nicht satt. Was macht der verantwortungsvolle Familienvater also? Er arbeitet. Für Geld.

Das war mit Anlauf.

Im aktuellen Fall habe ich die Chance bekommen eine Kooperation mit Urban Sports Club einzugehen. Also Werbung für deren Produkt zu machen. Sowas ist generell natürlich ein heißes Eisen, das kann schnell in die falsche Richtung losgehen. Und deshalb habe ich mir auch lange überlegt, ob ich das machen kann und das beworbene Angebot erst mal selbst ausgiebig getestet. Und nun ist es soweit: Ich werbe für den wahrscheinlich erfolgreichsten Anbieter von Sport-und Fitnessangeboten in Deutschland. Und ganz ehrlich – ich bin auch ein bisschen stolz darauf und freue mich, dass ich die Möglichkeit habe, über den Blog etwas Geld zu verdienen. Trotzdem kam auf Facebook natürlich gleich ein eindeutiger Kommentar in Sachen „Yoga und Kommerz“. Der aber erstaunlicherweise in einer sachlichen und äußerst konstruktiven Diskussion endete. Trotzdem, ein gewisses „G’schmäckle“ hat die Sache natürlich: Der lustige Yogadude mit den bunten Leggings macht auf einmal einen auf Verkäufer. Aha…

Für Geld mach ich alles!

Das stimmt natürlich nicht. Und ich mache natürlich auch nicht alles für Geld: Ich leiste mir im Blog bewusst den Luxus, viele „unbezahlte“ Beiträge zu veröffentlichen. Und die Klamotten, die ich auf den Fotos trage, kaufe ich im Normalfall selbst. Dazu gehe ich nach wie vor ganz normal zur Arbeit, um meine Familie zu ernähren, auch wenn es gerade viel Kraft kostet, alles zu vereinen. Aber ich habe etwas gefunden, was ich wirklich, wirklich gerne mache. Und um das machen zu können, muss ich damit auch Geld verdienen. Meinen „richtigen“ Job liebe ich auch, aber niemand würde auf die Idee kommen, mich deshalb nicht dafür zu bezahlen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, war der YOGADUDE schon ultra-kommerziell, als er nur 20 Fans hatte. Denn von Anfang an habe ich mit voller Überzeugung für ein fantastisches Produkt geworben. Ein Produkt, dass mein Leben verändert hat und das jeder Mensch zumindest einmal probiert haben sollte: Das Produkt Yoga. Und so wird es auch immer bleiben – gerne auch ohne Privatjet und Günther Jauch. Namaste.

PS: Ich hatte das große Glück, die Manic Street Preachers im September 92 im Gasthof Lamm Durmersheim live zu erleben – vor etwa 50 Zuschauern und nur wenige Wochen bevor die Band ihre erste Top 10-Platzierung hatte.

Fotos: Liza Meinhof

 

 

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