Das Yogawort zum Sonntag – A….löcher

Hol mich mal runter.

Hilfe, ich fliege! Irgendwie schwebe ich seit einigen Wochen mal mehr, mal weniger über den Dingen. Das Yoga Teacher Training macht Hoffnung auf ein neues Leben und obwohl ich mir gerade viel Zeit für Familie und Yoga nehme, nage ich (noch?) nicht am Hungertuch. Der Blog läuft ebenfalls immer besser. Ich schreibe jetzt über „richtige“ Themen wie den Tod und die ewige Liebe und bekomme dafür in den Kommentarzeilen sogar manchmal meinen schlauen Literatenkopf gestreichelt. Und dann gab es da noch diesen Besuch in der alten Heimat Berlin im Dezember, der überraschenderweise in die Kategorie „emotional wertvoll“ fiel. Zum Glück musste (?) ich diese Woche gleich nochmal ins dicke B – und wieder gab es zwischen Arbeit und (Peace) Yoga Licht und Liebe ohne Ende für mich in der sonst so grummeligen Hauptstadt, die mich vor wenigen Jahren noch fertigmachen wollte. Leute, es kann nur schlechter werden, oder?

Die Blase wird platzen.

So viel Liebe, so viel Sonnenschein – fehlt gerade noch, dass es Blumen regnet. Irgendwas kann da nicht stimmen. Sind auf einmal alle Menschen total gut drauf und verschenken Umarmungen auf offener Straße? Macht uns die Regierung was ins Trinkwasser? Oder ernte ich einfach nur, was ich sähe: Ein Lächeln für ein Lächeln, ein Like für ein Like? Damit hat es bestimmt was zu tun, Lächeln ist ansteckend (alte Autoverkäuferweisheit). Es hat in meinem Fall aber sicher auch damit zu tun, dass ich mich mittlerweile in einer Gutmenschenblase bewege: Gute Freunde, liebe Wahlkollegen und Yogis, Yogis, Yogis. Schlechte Menschen kann ich meinem Alltag weitestgehend meiden, was ein Glück. Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb. Leider ist das erstens realitätsfremd und fliegt mir zweites irgendwann um die Ohren, fürchte ich.

Statistik nach Lemmy.

Ein weiser Mann hat einmal gesagt, dass neun von zehn Leuten A….löcher sind. Philosophie nach Lemmy Kilmister, Friede seiner (nach Jack Daniel’s duftenden) Asche. Die „Neun-von-zehn“-Rechnung halte ich nicht unbedingt für wissenschaftlich belegbar, aber es ist auch nicht so, dass 10 von 10 Menschen nur das Beste für andere wollen. Irgendwo da draußen gibt es sie, die A….löcher und über kurz oder lang bekommen wir auch in unserer kleinen Yogi-Blase ihre negative Energie ab. Wenn sie uns auf der Straße anrempeln, mit ihren Autos zu schnell am Kindergarten vorbeifahren oder sich beim Bäcker vordrängeln. Wenn sie Waffen an Massenmörder verkaufen, Kinder missbrauchen oder aus Geldgier den Planeten zerstören. Irgendjemand macht diese Dinge und wahrscheinlich lächeln diese Menschen dabei sogar ein bisschen. Nur nicht ganz so ansteckend, oder?

Man kann nicht alles wegatmen.

Leben und leben lassen ist ein schöner Gedanke. Aber so richtig richtig ist er eigentlich nicht, denn das Konzept funktioniert nur, wenn alle dabei mitmachen. Sobald einer anfängt, die kollektive Toleranz auszunutzen, hat er leichtes Spiel unter uns braven Lämmern. Ich blubbere wirklich gerne in meiner Blase vor mich hin, aber ich weiß auch, dass ich nicht alles hinnehmen darf, was außerhalb davon so vor sich geht. Und um daran was zu ändern, muss ich diese schöne, fluffige, warme Kugel ab und zu mal verlassen und mich wie ein Schlechtmensch verhalten („Entschuldigung, ich Ihnen da mal was sagen…“). Um den anderen Schlechtmenschen Paroli zu bieten, wenn ich mit Atmen und Lächeln nicht mehr weiterkomme. Bitte verzeiht es mir, ich kann nicht anders. Aber wenn ich damit fertig bin, verkrieche ich mich wieder in meiner Kugel und schwebe einfach davon. Namaste.

Fotos: Liza Meinhof

3 Gedanken zu „Das Yogawort zum Sonntag – A….löcher&8220;

  1. Hey was sind das denn für Ängste;)… nee, es laufen zieeeeemlich viele gute tolle Menschen da draussen rum. man muss dem nicht misstrauen. Mal Tschick gelesen? ich mag diese Stelle sehr, als der youngster sich irgendwie wundert, wieviele coole und nette und hilfbereite Menschen in der Welt sind und im garnicht so viel Gegenwind entgegenkommt wie er immer erwartet hat/ wovor er immer gewarnt wurde im grossen B…hab das Buch leider nicht zur Hand, sonst würde ich zitieren.. Also: zurück dahin, wo man nicht erwartet, dass 9 von 10 A… löcher sind..
    Es ist unfassbar, wie gut, grosszügig, offen, gastfreundlich und lustig die meisten Menschen auf der Welt sind; und das hab ich gesehen lange bevor ich Yogi wurde.. also: halt die Augen auf;)

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