Yogastadt München – Namaste, ihr Zipfelklatscher!

„Ich würde nie zum FC Bayern München gehen!“

Die meisten Leute, die in Berlin leben, sehen es wie die Toten Hosen: Wer nach München geht, gibt sich selbst auf. In meinen sechs Jahren als Wahlberliner sah ich das genauso. Bayern – speziell Münchner – werden in den vegan-hippen Soja-Cafés und den Instagram-optimierten Craft Beer-Spelunken Neuköllns und Kreuzbergs fast noch mehr verachtet als die Schwaben, zu denen ich laut Berliner Definition gehöre. (Fürs Protokoll: Ich bin Badener, das ist was gaaanz anderes.) Die Vorurteile gegenüber den Münchnern – nicht nur den Anhängern des FCB – gehen von versnobten Besserwissern über spießige Berufserben bis hin zu erzkatholischen Hobbypolizisten. Auch wenn ich in den letzten Jahren oft (und gerne) in München war: Als cooler (zugezogener) Berlin-Hipster war ich immer schnell dabei, München schlecht zu machen. Schon allein, um die Baden-Württemberger damit quasi aufzuwerten.

Dit is nich Neukölln, wa?

Man muss schon zugegeben: München ist anders als Berlin. Es mangelt an Unrat und Verrückten im Straßenbild und Männer in knappen Lederoutfits sehen in Mingas Biergärten auch irgendwie anders aus als in Berliner Tanzclubs. Was die Leute anhaben (oder auch nicht) ist mir tendenziell egal, aber der Dreck auf der Straße hat mich in Neukölln dann doch genervt. Das war einer der Gründe für unseren Tapetenwechsel: Wer in MUC seine Matratze vor der Haustür entsorgt, wird mindestens verhaftet. Auf der Stelle. Vom Nachbarn. Dafür nerven hier wiederum andere Dinge (Stichwort: konservativ bis ins Genom). Warum wir trotzdem in die Bayerische Freistaatshauptstadt gezogen sind? Hauptsächlich aus privaten Gründen, die Nähe zur Familie spielte da eine wichtige Rolle. Aber auch die Möglichkeit, „ordentlich“ (hier ist ja sowieso alles ordentlich) Yoga zu praktizieren, war nicht unerheblich für unsere Entscheidung pro Bavaria. 

Lotussitz in Lederhosen.

München ist eine verdammt gute Yogastadt. Fast immer, wenn ich vor unserem Umzug hier war (meistens geschäftlich mit meinem gehassgeliebten Rollköfferchen), habe ich auch Yoga praktiziert. Und so eine Stadt kennengelernt, die yogamäßig einiges zu bieten hat und dem schicken Berlin keinen Sonnengruß nachsteht. In der Tram und auf den Radwegen sieht man sehr viele Yogamattenträger, gefühlt übrigens überdurchschnittlich viele Männer. Yoga gehört irgendwie zur „nördlichsten Stadt Italiens“ und es passt ganz gut zwischen die schicken Cafés und die urigen Biergärten. Für Besucher oder Neu-Münchner wie mich gibt es abseits von Oktoberfest und Luxusboutiquen ein wunderbares Yoga-Angebot zu entdecken.

Nicht nur für Yoga-Hipster: Die Studios.

In den ersten Monaten habe ich mir schon ziemlich viele Yogastudios in München angeschaut. Dankenswerterweise hat mich das Münchner Startup My Fitness Card für meine Recherche mit einer Flex-Card ausgestattet, die mir unkompliziertes Flatrate-Yogen ermöglichte. So oft war ich noch nie beim Yoga wie in diesem Monat (Schwabe halt). Und es hat mir gutgetan, mal über meinen Mattenrand hinaus zu schauen, denn es gibt so viele erstklassige Studios in München. Über einige habe ich bereits im Blog geschrieben, Patrick Broome Yoga zum Beispiel oder das 148 Einatmen. Ausatmen. Was ich spannend finde ist, dass es auch Yogaschulen gibt, die bereits mehr als 20 Jahre existieren, nicht nur brandneue Studios, die im aktuellen Yoga-Trend eröffnet haben. Eine Stadt mit Geschichte, auch im Yoga.

Von wegen langweilig: Yoga Shops und Marken.

München ist eine Shopping-City, auch für Yogis. Neben den obligatorischen Sportgeschäften und Marken-Showrooms sowie den Boutiquen in größeren Yogastudios gibt es auch kleinere Läden, die sich auf Yoga-Produkte spezialisiert haben. Yoga Corner München ist beispielsweise einen Besuch wert. Außerdem sind ein paar spannende Labels wie Mira Malas oder Mandala Fashion in München zu Hause.

Nix da Oktoberfest: Erstklassige Yoga Events.

Wer in München lebt, hat den großen Luxus, gleich zwei hervorragende Yogamessen mit dem Radl (=Fahrrad) besuchen zu können. Bei der Yogaworld im Januar konnte ich tolle Workshops und Sessions besuchen und außerdem einen Haufen nette Yogis kennen lernen. Die Yoga Expo hat einen stärkeren Fokus auf Ernährung und fand zuletzt sogar in meiner direkten Nachbarschaft statt. Perfekt! Das nächste Highlight, dass (unter anderem) in München ansteht, ist nächste Woche die Lange Nacht des Yoga. Also immer was los hier…

Herrlicher Ausblick: Outdoor-und Popup-Yoga.

In Berlin habe ich es leider nicht so oft mit der Matte nach draußen auf die Wiese geschafft. München bietet mit seinen großen Parks, dem weitläufigen Isarufer und der Natur im Umland zum Glück noch mehr Möglichkeiten, „Open Air“ zu üben. Und die Seen, die sich perfekt auch mit der S-Bahn erreichen lassen, sind die ausgezeichnete Locations für SUP-Yoga, zum Beispiel am Starnberger See. Zugegeben: Auf der Spree in Berlin hat Yoga auf dem Brett auch Spaß gemacht und die urbane Kulisse hatte auch was. Dafür fällt es auf dem See leichter zu meditieren, weil nicht alle zehn Minuten ein Junggesellenabschied im Grillboot vorbeituckert. Ganz harte Münchner trauen sich im Winter übrigens auch in die nahen Alpen zum „Snoga“ – mein Erlebnis hiermit habe ich  im Blog dokumentiert.

Aber ist das schon Punkrock?

Nichts nervt den Münchener mehr als das ewige Gelaber von der „Lebensqualität“ seiner Heimatstadt, deshalb beschränke ich mich mal auf die Yogaqualität. Und die ist (genau wie einer der Fußballvereine der Stadt) Champions League. Mir gefällt es hier und ich habe die Entscheidung, Berlin zu verlassen noch nicht oft bereut. Ganz besonders freue ich mich auf meine Yogalehrer-Ausbildung, die Ende des Jahres endlich hier in München beginnt. Juhu! Aber selbst in „Mia san Mia“-City ist noch Raum nach oben, zumindest in Sachen Yoga: Ein bisschen cooler dürfte es für meinen Geschmack (Rock’n’Roll) nämlich schon sein. Popup-Yoga im Mercedes Store ist zwar witzig, wegen mir kann dann aber gerne mal der Biergarten oder ein Isar-Floß als Location herhalten. Namaste.

 

Die Fotos sind von der gebürtigen Neuköllnerin und erklärten Dirndl-Liebhaberin Liza Meinhof.

Das alo Yoga Outfit für diesen Artikel hat mir BeeAthletica freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Die Sachen sehen nicht nur schick aus, sondern sind auch sehr bequem und hochwertig verarbeitet. Vielen lieben Dank.