Dit is Yoga, wa? – Yogastadt Berlin

Take Me Down To The Paradise City.

Berlin ist so verdammt cool. Mit seinen trendy Cafes, seinen coolen Bars, den gefährlichen Clubs und natürlich inklusive den 3,5 Millionen durchgestlyten Einwohner. Wo die Weltstadt mit Herz und Schnauze ist, ist vorne. Sagen zumindest ihre Einwohner. Der Rest der Republik sieht das unter Umständen ein wenig anders. Aber da der Berliner seine Stadt bzw. den S-Bahn-Ring nur verlässt, um nach London, Brooklyn oder Island zu jetten, ist es ihm relativ egal. Ich habe sechs Jahre in der Hauptstadt gelebt und bin erst letzten November nach München gezogen. Seitdem sehe ich den Bärlin-Hype natürlich auch etwas distanzierter. Aber Fakt ist und bleibt: Die ehemalige Hauptstadt der DDR ist die aufregendste Stadt Europas – mit allem, was dazu gehört.

Think About You.

Letzte Woche bin ich – neun Monate nach unserem Wegzug – das erste Mal wieder mit Kind und Kegel ins dicke B gereist. Zum Urlaub machen, zum alte Freunde treffen und um morgens früh gleich mit einem Handtuch bei Mustafa’s Gemüse Kebap meinen Platz in der Warteschlange zu markieren. Und schon bald nach unserer Ankunft wurden wir von akutem Heimweh erfasst: Warum sind wir nochmal hier weggegangen? Erst als wir die halb verbrannten, vollgepieselten Matratzen in unserem alten Kiez wiedersahen, fielen uns einige Gründe wieder ein. Aber davon abgesehen, ist es eine magische Stadt. „Berlin, du bist so wunderbar“. Und nicht zuletzt bist du der Ort, an dem ich zum Yogi wurde.

Welcome To The Jungle.

In meiner Zeit als Wahl-Berliner habe ich viele Dinge gelernt: Biertrinken auf der Straße, Ausgehen nach Mitternacht und Yoga. Als Neuling und später als Blogger habe ich viele der unendlichen Studios der Stadt besucht und auch über einige schon geschrieben. Doch es scheint, als öffne im Monat jede Woche eine neue Yogaschule ihre Pforten und eines haben sie eigentlich alle gemeinsam mit den Straßen Kreuzköllns: Über 40 sind die wenigsten Leute, die sich dort rumtreiben. Dafür findet man relativ viele Eso-Hipster (wie mich) und ziemlich coole Yoga-Locations mit den beliebten Altbaudecken in abgerockten Hinterhofgebäuden. Nirgends ist ein cooles Yoga-Instagram einfacher zu machen. Bei meinem Kurztrip letzte Woche hatte ich zum Glück Zeit, endlich mal wieder meine alte Yoga Home Base zu besuchen: Peace Yoga Berlin. Ein weiteres Studio, das ich gerne empfehle, ist die Yoga Rebellion, bei der man im Freien direkt am Wasser üben kann. Like-Status: Awesome. Aber es ist wohl unmöglich, alle Yogaschulen in der größten Stadt des Landes zu besuchen, deshalb sind auch diese Empfehlungen nur ein minimaler Bruchteil des gesamten Angebots.

Live And Let Die.

Eine Reise in die Spreemetropole ist immer auch ein kulinarisches Ding – eine Currywurst und ein Döner (bzw. die vegetarische/vegane Variante) sind Pflichtprogramm. Da wundert es nicht, dass es in der Stadt auch etliche Yogastudios mit integrierter Bar/Bistro/Restaurant gibt: Neben der Jivamukti Canteen in Mitte (veganer Mittagstisch!) zum Beispiel auch das New Deli Yoga in Kreuzberg oder – noch relativ neu – das Café Wanderlust in Prenzlauer Berg. Ich denke, dass dieser Trend sich fortsetzen wird – man hat ja ohnehin das Gefühl, dass die halbe Stadt vegan lebt und es über kurz oder lang einen gastronomischen Engpass in diese Richtung geben könnte. Mir soll es recht sein: Wenn ich nach der Morgenklasse direkt einen guten Kaffee bekomme (oder abends ein Bier), beginnt/endet der Tag ja noch besser.

One In A Million.

Äußerst beruhigend fand ich bei meinem Besuch in der Stadt mit dem Bären die Tatsache, dass die Hipster noch immer alle gleich aussehen. So kann man sie nicht mit anderen Leuten verwechseln, sehr praktisch. Berlin ist style-mäßig ganz vorne dabei, und das natürlich auch beim Yoga. Aber im Gegensatz zu den High-Tech-Outifts im Wert eines guten Rennrads (München) oder den Trainingsklamotten des lokalen Fußballvereins (Karlsruhe) geht man in der Hauptstadt auch mal mit einem abgerockten Band-Shirt und einer löchrigen Leggings auf die Matte, die langen Haare lässig zum Dutt geformt. Das Geschlecht ist bei diesem Outift übrigens Nebensache, auch in Sachen Emanzipation kann der Rest der Republik sich was von der Großstadt mit den zwei bis drei Flughäfen abschneiden.

You’re Crazy.

Spree-Athen ist eine große Stadt, hier ist alles möglich. Auch in Sachen Yoga: Wohl jede erdenkliche Variante oder Tradition kann man hier in der Gruppe praktizieren. Aber natürlich genügt das dem armen aber sexy Einwohner der Technohauptstadt nicht. Deshalb wird auch Yoga hier ständig neu erfunden, zum Beispiel als Bieryoga (obwohl das ja wirklich ganz gut nach München passt), ein Trend, der es ja mittlerweile um die ganze Welt geschafft hat. Und weil in Berlin alles auch ein bisschen Darkroom ist, gibt es hier wunderbare Dinge wie Bondage Yoga oder – für die ganz Harten – Nude Yoga. Letzteres allerdings leider nur für Männer, so viel Emanzipation muss dann wohl doch nicht sein.

Knocking On Heaven’s Door.

Ich finde ja, dass Yoga super nach Berlin passt. Und zwar am besten möglichst extrem, so wie alles andere auch. Eso-Mamis und Räucherstäbchen, Kokoswasser und vegane Yogamatten. Nur her damit. Aber im Gegensatz zum Rest der Republik geht der durchschnittliche Yogi aus Neukölln oder Kreuzberg am Wochenende ins Berghain und ballert sich 36 Stunden auf der Tanzfläche weg. Um dann zum Runterkommen am Montagabend zwei Stündchen Yin Yoga zu praktizieren. Ich finde, das ist auch eine Form von innerem Gleichgewicht und ein bisschen fehlt mir das hier in München doch. Und deshalb fahren wir bald wieder mal nach Berlin und regen uns über die Matratzen auf. Namaste.

Die Fotos sind von Liza „Natural Born Neuköllnerin“ Meinhof.

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