Die perfekte Männermatte – fünf Yogamatten im Test.

Dinge, die die Welt nicht braucht.

In der schönen bunten Konsumgesellschaft, in der wir leben, gibt es unendlich viele Dinge, die kein Mensch wirklich braucht. Autofahrerhandschuhe oder Marmeladenglasöffner zum Beispiel. Oder Krawattennadeln. Unsere geliebte Yogapraxis ist aus einem bestimmten Blickwinkel ja auch nur ein Markt wie jeder andere. Mit vielen tollen Produkten, die Begehrlichkeiten schaffen und am Ende – zumindest kurzzeitig – das Belohnunsgzentrum des Gehirns stimulieren. Dabei braucht man ja eigentlich gar nicht viel, um Yoga zu praktizieren: Einen (halbwegs) funktionierenden Körper, einen (nicht unbedingt) funktionierenden Geist und eine Yogamatte. Obwohl: Eigentlich braucht man nicht mal eine Matte. Aber so ganz ohne Unterlage ist es ja ungemütlich, unhygienisch und auch ein bisschen unordentlich.

Wie ein guter Freund.

Natürlich bin auch ich stolzer Besitzer einer eigenen Matte, mittlerweile ist es sogar schon das zweite Exemplar seit ich mit Yoga begonnen habe. Und in den Jahren, die wir jetzt zusammen sind, haben meine blaue Übungsunterlage und ich schon viel erlebt: Hunderte von Yoga-Sessions an wunderbaren Orten, zig Liter Schweiß und Sonnencreme und auch mal den ein oder anderen Pups hat die Matte erduldet ohne auch nur ein einziges Mal zu murren – das ist Liebe. Allerdings ist das gute Stück mittlerweile etwas durchgewetzt und von ihrem anfänglich starken Grip ist leider auch nicht mehr so viel übrig. Und weil wir eine eher lockere Beziehung führen, habe ich beschlossen, mich mal nach einer neuen Partnerin für die Yogapraxis umzusehen. Sorry, Baby.

Marktforschung mit Muskelkraft.

Als Testosteronproduzent im besten Alter kann ich natürlich nicht irgendeine Matte kaufen. Die Neue soll natürlich ein perfekter Match für mich sein, eine echte Männermatte. Aber was unterscheidet eine Matte für Jungs überhaupt von einer für Mädchen? Zu allererst natürlich die Farbe: Blütenweiß oder rosarot geht nicht, eher dunkel soll sie sein ­– nicht unbedingt wegen dem Genderquatsch, sondern damit man(n) sie nicht so oft reinigen muss. Und weil wir Bartträger es nicht so sehr mit der Feinmotorik haben, sollte die Matte auch etwas aushalten können. Last but not least sollte auch bei schweißtreibender Praxis ein guter Grip gegeben sein. Nach langer Recherche landeten dann fünf Matten in meiner engeren Auswahl, die ich – im Rahmen einer jeweils 60 minütigen Spiritual Warrior Klasse – ordentlich auf Herz und Nieren checken wollte.

Bausinger „Kurma“ (6,4 mm)

Die Matte von Bausinger ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Weil sie auf der Schwäbischen Alb produziert wird, hat sie nicht nur das Label „Made in Germany“, nein ich konnte sogar direkt mit dem Geschäftsführer der Firma Bausinger fachsimpeln. Der weiß nicht nur alles über Material und Fertigung der Matten, sondern ist außerdem noch ausgebildeter Yogalehrer. Die getestete „Kurma“-Yogamatte ist eine Klasse für sich: Dick und schwer und – im Gegensatz zu den meisten anderen Matten – nicht aus Kautschuk, sondern aus langlebigerem PVC produziert. Im Test bot die Matte starken Grip schon ab dem ersten Downdog, Hände und Füße fanden jederzeit festen Halt. Weil die „Kurma“ vergleichsweise dick ist, bietet sie eine angenehme Unterlage beim Kopfstand oder auch für empfindliche Knie – trotzdem hatte ich nie das Gefühl, zu „schwimmen“. Als kleines Bonbon wurde meine Bausinger Matte sogar noch mit dem YOGADUDE-Logo für mich bestickt. Ein Service, den es für „normale“ Kunden übrigens auch gibt.

Material: Vinylschaum (PVC) mit inliegendem PES-/Glasgarngewebe
Gewicht: ca. 3,0 kg (60 x 200 cm)
Preis: ab 52,00 Euro (60 x 200 cm)
Superkraft: Robust ist untertrieben – diese Matte scheint unzerstörbar. Deshalb gibt der Hersteller auch ganze zehn Jahre Garantie darauf. Außerdem entspricht die Öko-Zertifizierung (Öko-Tex Standard 100, Produktklasse 1) den Anforderungen, die z.B. an Babyschnuller gerichtet werden und garantiert besonders schadstoffarme Materialien und Herstellung.

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VIO YOGA Velvet Rug „Triangle“ (3 mm)

Bei VIO YOGA habe ich eine Matte gefunden, die wie für mich gemacht scheint: Die „Velvet Rug“ bietet eine absolut rutschfeste Unterseite aus natürlichem Kautschuk, eine super weiche Oberfläche aus Mikrofaser und ist damit quasi ein Hybrid aus Yogamatte und Handtuch. Perfekt für schweißtreibende Yogaklassen, denn die Oberfläche, die an Samt oder ein Mikrofaser-Handtuch erinnert, saugt den Schweiß auf und wird im feuchten Zustand noch griffiger. Bei weniger Transpiration empfiehlt der Hersteller, die Matte etwas mit Wasser einzusprühen – ich konnte aber auch im trockenen Zustand sicher darauf stehen. Die „Velvet Rug“ macht einen robusten, hochwertigen Eindruck, hat abgerundete Ecken und ist mit ca. 2,5 kg nicht all zu schwer. Wer viel schwitzt, sollte sie unbedingt ausprobieren, eine echte Alternative zur Kombination aus Matte und Handtuch.

Material: Naturkautschuk mit Mikrofaseroberfläche, 100% biologisch abbaubar, maschinenwaschbar
Gewicht: ca. 2,5 kg (61 x 183 cm)
Preis: 79,95 Euro
Superkraft: Die Matte ist in wirklich schönen Designs erhältlich und aufgrund der Mikrofaser-Oberfläche eine Geheimwaffe bei Bikram, Vinyasa und Co. Besonders angenehm empfand ich sie bei fließenden Bewegungen wie dem Übergang (z.B. Umrollen der Zehen) vom Updog auf den Downdog.

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#DoYourYoga „Rubin“ (4 mm)

Eine Matte, die schon beim Auspacken „MANN“ schreit. Das liegt wohl unter anderem daran, dass der Hersteller #DoYourSports sich mit dem Label #DoYourYoga zwar auf Yoga spezialisiert hat, aber außerdem ein riesiges Sortiment für Fitness, Schwimmen und Outdoor Sports anbietet. Meine „Rubin“ kommt klassisch schwarz (es gibt auch andere Farben) und wirkt äußerst strapazierfähig. Beim ersten Test hat sie in Sachen Rutschfestigkeit eine solide Leistung hingelegt, sie verhielt sich alles in allem so kompromiss- und schnörkellos wie sie aussieht. Eine ehrliche Yogamatte, die ich mir auch für andere Anwendungen im Fitness-Umfeld gut vorstellen kann. Von allen getesteten Matten im Test war die „Rubin“ übrigens die günstigste.

Material: Naturkautschuk, hautfreundlich, schadstofffrei und waschbar
Gewicht: ca. 2,0 kg (61 x 183 cm)
Preis: 47,99 Euro
Superkraft: Was ich an der Matte besonders mochte, waren der minimalistische Look und die starken Profilrillen. Eine Matte wie ein Rallyereifen.

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Piasana Chakra-Yogamatte (4,5 mm)

Piasana ist ein (noch) kleines Label (einer PhysioFlowYoga-Lehrerin und ihrem Mann), das bisher eine einzige Matte anbietet: Die Chakra-Matte. Zuerst fällt natürlich das Design auf, das die sieben Chakren zusammen mit zwei Energiestrahlen zeigt. Eine schöne Erinnerung daran, dass es beim Yoga nicht nur um die körperliche Praxis geht. Außerdem kann das (auf Wasserbasis) aufgedruckte Motiv dabei helfen, auf der Matte die Orientierung zu behalten. Genau wie die Matte von VIO YOGA ist auf der Oberseite der „Chakra-Matte“ eine Mikrofaserschicht aufgebracht, die ebenfalls einer schweißintensiven Praxis entgegenkommt: Je feuchter die Oberfläche wird, desto griffiger wird sie. Ich fand die Matte beim Testen vor allen Dingen sehr gemütlich, habe mich richtig wohl auf ihr gefühlt. Vielleicht liegt das auch an den aufgedruckten Chakren? Vom Grip her war das Teil äußerst zuverlässig, Material und Verarbeitung konnten ebenfalls überzeugen.

Material: Naturkautschuk mit Mikrofaseroberfläche, maschinenwaschbar
Gewicht: ca. 2,5 kg (61 x 183 cm)
Preis: 79,99 Euro
Superkraft: Das Chakra-Design ist auf jeden Fall ein Hingucker, allerdings ist es natürlich nicht ganz so „männlich“ wie ein Foto vom FC Bayern München beim Grillen. Die Matte liegt flach auf, ohne sich zu wellen und kommt als einzige im Test mit einer praktischen Umhängetasche.

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Manduka Black Mat PRO (6 mm)

Die Manduka Black Mat PRO ist ein echter Klassiker und ganz bestimmt war sie in deiner letzten Yogaklasse mit dir im Studio. Laut Hersteller hat die Black Mat PRO die dichteste Struktur, die es auf dem Markt gibt und bietet dadurch eine überlegene Elastizität für optimalen Komfort und Unterstützung. Ihre wabenähnliche Oberfläche bietet sicheren Halt, die 6 mm Dicke dämpfen jeden Stoß ab und machen auch den Kopfstand zu einer recht angenehmen Sache. Die teuerste (und schwerste) Matte im Test hat ohne Abstriche gehalten, was sie versprach. Außerdem ist sie – genau wie die Bausinger Matte – aus PVC und nach Öko-Text Standard 100, Produktklasse 1 zertifiziert. Qualität hat ihren Preis und die Manduka ist diesbezüglich nicht unbedingt die „Volksmatte“. Wenn man die Kohle aber gerade übrig hat, lohnt sich die Anschaffung, die Matte wirkt unkaputtbar.

Material: Recyceltes PVC (100% frei von Latex)
Gewicht: ca. 3,4 kg (66 x 180 cm)
Preis: ab 94,00 Euro (66 x 180 cm)
Superkraft: Eine richtig gute Yogamatte, auch für die eher athletische Praxis. Als einziger Hersteller bietet Manduka auf die Black Mat PRO eine LEBENSLANGE GARANTIE.

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Bye-bye Baby.

Fünf Stunden Yoga, das war anstrengend. Und nicht weniger anstrengend ist es, eine Entscheidung zu treffen. Zu allererst mal tut es mir für meine alte Yogamatte leid: Ich werde mich wohl wirklich von ihr trennen müssen, die getesteten Modelle sehen nicht nur besser aus, sondern geben mir einfach mehr Halt. Von wegen Männer und Bindungsängste. Allerdings fällt es mir schwer, mich endgültig für eine Matte zu entscheiden. Von den getesteten Exemplaren hat jede ihre eigenen Stärken und Schwächen. Dazu kommt, dass man – für einen repräsentativen Test – etwas länger mit den Matten arbeiten und natürlich auch noch andere Modelle ausprobieren müsste. Aus diesen Gründen wäre es auch nicht richtig, eine klare Kaufempfehlung zu geben, ich hoffe aber, dass der Beitrag einen guten ersten Überblick gib. Mein Tipp: Mach dir vor dem Kauf am besten selbst einen Eindruck. Mit der Yogamatte eines Freundes oder im Studio. Oder auch auf einer Yogamesse. Denn ihr werdet eine lange und intensive Beziehung mit viel körperlicher Nähe führen. Namaste.

PS: Auf der YOGADUDE Facebook Seite verlose ich in den nächsten Wochen einige der getesteten Yogamatten!

 

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Disclaimer: Für diesen Artikel wurden mir von den Herstellern kostenlos Yogamatten zur Verfügung gestellt. Es handelt sich bei dem Beitrag also ganz eindeutig um bezahlte Werbung.

Fotos: Liza Meinhof, Bausinger, VIO YOGA, #DoYourSports, Piasana, Manduka Yoga.

5 Gedanken zu „Die perfekte Männermatte – fünf Yogamatten im Test.&8220;

  1. Hi Thomas,
    wie würdest Du auf einer Skala von 1 bis 10 oder in Schulnoten die Rutschfestigkeit bei schwitzigen Händen im Vergleich zwischen Manduka und den Matten mit Mikrofaseroberfläche bewerten?
    Danke & viele Grüße
    Erik

    1. Namaste, (Dr.) Erik, das ist eine interessante Frage, das muss ich unbedingt testen. Gib mir aber bitte noch ein paar Tage, ich bin noch bis Sonntag bei dir im schönen Kallsruh‘ (leider ohne Yoga Hive-Besuch diesmal).

    2. Aaaaalso, ich hab das noch mal verglichen: Bei den Mikrofasermatten brauchst du schon wirklich nasse Hände, um den Effekt voll zu erleben. Wenn du die hast, bekommst du damit locker eine Note 2 hin. Die Manduka schafft das dann nicht mehr, ist bei Nässe eher eine 3. Allerdings ist die Manduka eine sichere Sache bei trockenen Händen, locker eine 2. Die Mikrofasermatten sind dann noch etwas unsicher.

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