Vollkontakt mit dem Yogalehrer – So erkennst du einen guten Yoga Assist

Die andere Königsdisziplin.

Endspurt in der Yogalehrerausbildung – auf einmal geht alles ganz schnell! Unterrichtsbesuche wurden dokumentiert und erste Probestunden gegeben, dann noch fix die theoretischen Inhalte wiederholen und die praktische Prüfung vorbereiten. Im Praxisteil der Abschlussprüfung wird neben zahlreichen anderen Fähigkeiten auch das Assistieren bewertet, also das Korrigieren der Asanas durch den Lehrer. Für mich sind die Assists noch eine der größeren Baustellen: hier muss ich vor allen Dingen Routine finden. Ehrlich gesagt habe ich auch etwas Respekt davor, ich halte das Assistieren neben der geführten Meditation für eine der größten Herausforderungen. Was mache ich also? Üben, üben, üben. Aber bevor ich jetzt wie wild anfange, an den Gliedmaßen anderer Menschen herumzuziehen, will ich mir noch mal einige Grundregeln fürs Assistieren bewusst machen.

Das macht meiner Meinung nach einen guten Yoga Assist aus:

Der Lehrer hat ein klares Ziel.

Du merkst relativ schnell, ob jemand planlos an dir herumzieht, oder weiß, wo genau er dich in der Asana hinbringen will. Meistens nimmt sich der Lehrer einige Sekunden Zeit, um dich vor seinem (Ein-)greifen in Ruhe anzuschauen und zu entscheiden, welchen Assist du jetzt brauchst.

Die Haltung wird immer von unten nach oben korrigiert.

Die Körperteile, die den Boden berühren, erden deine Haltung, sie tragen dein ganzes Körpergewicht. Deshalb wird ein guter Lehrer immer zuerst hier unten „Ordnung schaffen“, damit die Stabilität für den Rest des Körpers gewährleistet ist.

Ihr atmet im Groove.

Wer beim Assistieren wirklich alles richtig machen will, findet als Lehrer den Atemrhythmus des jeweiligen Schülers. Besonders bei Assist mit viel Körperkontakt kann dieses kleine Detail Wunder wirken, weil Schüler und Lehrer zu einer Einheit verschmelzen können.

Sicher ist sicher.

Bevor der Lehrer dir hilft dich in irgendeine Richtung zu bewegen, hat er genau geprüft, dass alle Gelenke richtig ausgerichtet sind. Nur so ist sichergestellt, dass keine Kräfte wirken, wo sie es nicht sollen und der Schüler sich nicht verletzt.

Du wirst nicht mit Kraft in eine Asana bewegt.

Ganz gleich, ob du perfekt ausgerichtet bist und Schmerzen dir vielleicht Freude bereiten: Kein guter Yogalehrer wird deinen Körper in eine Position bringen, für die er nicht gemacht ist. Lieber gibt er dir den Impuls, die Bewegung aus eigener Kraft auszuführen. Wenn dir die Kraft dazu gerade fehlt, solltest du vielleicht besser in die Kindshaltung kommen und durchatmen.

Ihr schaut euch in die Augen.

Nur so kann der Assistierende einschätzen, wie du dich gerade fühlst und ob er weiter machen soll. Vielleicht fragt er dich auch mal leise, ob du dich gut fühlst, besonders in sehr fordernden Haltungen kann das mal nötig sein.

Der Lehrer gibt (wahrscheinlich) sein Bestes.

Auch wenn sich ein Assist mal nicht ganz so gut anfühlt oder der Lehrer nicht ganz bei der Sache ist: Im Normalfall gibt er vollen Einsatz dafür, dich in deiner Praxis weiter zu bringen. Doch am Ende ist er auch nur ein Mensch, aber das ist ja auch das Schöne daran.

Der Lehrer macht überhaupt nichts.

Auch wenn die Haltung nicht perfekt ist, lässt er in Einzelfällen lieber die Finger von dir. Manchmal kann es sein, dass ein Schüler gerade keine Optimierung seiner Asana braucht. Manchmal will ein Schüler nicht angefasst werden. Und manchmal ist der Lehrer auch unsicher, was er tun kann, um dem Schüler wirklich zu helfen.

Alles kann, nichts muss.

Hände, Füße, Kopf. Gurt, Block, Decke. Assists können so vielseitig und individuell sein, wie die Körper der einzelnen Schüler und Lehrer. Ich übe im Moment meistens noch an „Opfern im häuslichen Umfeld“ und fühle mich nach ersten Berührungsängsten immer sicherer im Assistieren. Aber irgendwie sind die Assists ja so etwas wie die zweite Asana-Praxis für Yogalehrer und ich werde mich auch hier wohl ein Leben lang weiterentwickeln. Und vor diesem Hintergrund bin ich schon jetzt gespannt, was ich denke, wenn ich diesen Beitrag in ein paar Jahren lese. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf jeden Schüler, dem ich bald mit meinen Assists einen Weg weisen darf. Vielleicht ja auch dir? Ich bin auch ganz vorsichtig. Namaste.

Buchtipp zum Thema:

Mark Stephens: Yoga-Haltungen korrigieren – Das Handbuch für den Unterricht – Erschienen: November 2015

 

 

 

Softcover, 352 Seiten
Riva Verlag
ISBN: 978-3-86883-534-2
24,99 (D)

Erhältlich beim riva Verlag oder bei Amazon.

 

Hinweis: Die netten Menschen vom riva Verlag waren so lieb und haben mir ein Exemplar von Yoga-Haltungen korrigieren für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt. Das macht diesen Beitrag nicht nur zu einem Erfahrungsbericht, sondern auch zu Werbung.

Noch ein Hinweis: Jeder weiß, dass der allgemeine Sprachgebrauch mir egal ist und meistens verwende ich im Blog die weibliche und männliche Schreibweise von Bezeichnungen (SchülerIn/LehrerIn). Weil es in diesem Beitrag aber um meine Sicht als Lehrer geht, war ich ausnahmsweise so faul, nur die männlichen Bezeichnungen zu verwenden.

Fotos: Liza Meinhof / riva Verlag

4 Gedanken zu „Vollkontakt mit dem Yogalehrer – So erkennst du einen guten Yoga Assist&8220;

  1. …………..Und manchmal ist der Lehrer auch unsicher, was er tun kann, um dem Schüler wirklich zu helfen……………..

    Aha, na tolle Aussage:-) wenn der Lehrer alles das gemacht hat, was du da aufgezählt hast, sollte er NICHT unsicher sein was er tun kann. Das heisßt nicht, dass er immer alles TUN muss…..

    Und ja, du bist sehr mitteilsam……………zu
    Namasté.

  2. Auch nicht zu unterschätzen: Wie kommt das Eingreifen beim Schüler/ der Schülerin an? Wenn man eine Person schon mehrfach korrigiert hat, dann reicht es irgendwann, auch wenn die Asana nicht ganz perfekt sitzt. Sonst denkt der/ die Übende „Ich kann ja überhaupt nichts.“.

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