Yogadude on the Road – Copenhagen Yoga Festival 2017

Welcome to Copenhell!

Es wird in der Geschichte der Menschheit kein Wochenende mehr geben, an dem es für mich mehr Sinn machen wird, in Kopenhagen zu sein. Mit D-A-D am Freitag und Volbeat am Samstag hatten gleich meine beiden dänischen Lieblingsbands „Heimspiele“ in der Stadt – und die Nordmänner (und –frauen) verstehen etwas von Rockmusik. Tatsächlich führte mich das Schicksal an diesem denkwürdigen Wochenende auch nach CPH Rock City. Doch statt in Ketten und Leder war ich drei Tage lang in Yogahosen und Handtuch im spirituellen Ausnahmezustand. Beim Copenhagen Yoga Festival. Was war denn da wieder los?

Was stimmt nicht mit dir?

Um es in Rockstar-PR-Worten auszudrücken: Es waren „familiäre Gründe“, die mich diesen Sommer von einem mehrtägigen Rockfestival abhielten. Im Juni kam unsere Tochter zur Welt und mit ihren knapp drei Monaten ist sie für ihr erstes Live-Konzert wirklich noch etwas zu klein (letztes Jahr war die damals ganze Familie beim Sweden Rock Festival). Damit ich trotzdem überall erzählen kann, dass ich auf einem Festival war, habe ich mich dann entschieden, das Copenhagen Yoga Festival (CYF) zu besuchen. Das war psychologisch klug: Es liegt auf dem Weg nach Schweden, findet im Freien statt und ich verstehe die meisten Leute dort nicht. Und zwar musste ich auf überteuertes Bier verzichten, dafür gab es – genau wie bei Sweden Rock – reichlich alte Männer in Leggings (ich liiiiieeebe Aerosmith).

Größtes Yogafestival Europas.

Wenn ich auf ein Rockfestival fahre, ist alles generalstabsmäßig organisiert: Campingausrüstung, Verpflegung, Anreise, Tickets inklusive Ohrenstöpsel und Mundspülung. Wenn ich auf ein Yogafestival fahre, ist alles mega-chaotisch organisiert: Flug gebucht, Yogasachen eingepackt und los. Also wusste ich vorher auch nicht, dass das CYF das größte Yogafestival Europas ist und dass es dem Namen „Festival“ ausnahmslos gerecht wird. An einer wunderschönen Location in Strandnähe haben die Veranstalter aus Zelten ein echtes Festivalareal geschaffen. Und dabei Liebe zum Detail bewiesen: Die Dixiklos sind aus dem Fundus des Roskilde-Festivals und haben sicher schon Schlimmeres erlebt als pieselnde Yogis. Es gibt (yogischerweise) keinen Zaun ums Gelände, jeder und alles ist willkommen, sich das anzuschauen. Lediglich zur Teilnahme an einer Veranstaltung wird das Festivalbändchen benötigt und (halbherzig) kontrolliert. Neben den großen Zelten mit den „Bühnen“ für die Klassen und Workshops gab es einen Ring aus Pavillons mit Merchandising (Klamotten) und Catering (Verpflegung). Also bis auf den Typen mit dem Bierfassrucksack alles da, dann konnte das auch losgehen.

Kick-Off: Freitag

11:00 – Yin Yoga for your Ahimsa / Kristine Marie Rost
Mit Yin Yoga hatte ich bisher wenig bis gar keine Erfahrungen und ein Festival ist die optimale Möglichkeit, seinen yogischen Horizont zu erweitern. Kristines Klasse war der perfekte Start ins Yogawochenende, sie hat alle super abgeholt und – im Gegensatz zu meinen Erwartungen – waren die Asanas ganz schön fordernd. Gute Entscheidung also.

15:00 – Vinyasa: Explore to Expand / Hrönn Kold Sigurdadottir
Hrönn hat die Crowd mit ihrer außergewöhnlichen Präsenz durch eine wirklich anstrengende Klasse geführt. Sie hätte es locker geschafft, uns perfekt Stage Diving und Crowdsurfing praktizieren zu lassen. Vinyasa at its best, mit echten Rockstar-Qualitäten.

19:00 – Hard Rock Yoga / Hendrik Thorndal Machon
Leider habe ich erst spät entdeckt, dass die Klasse auf Dänisch gehalten wurde und sie mir deshalb (zusammen mit meinen Kräften) gespart. Nur Anfänger verausgaben sich am ersten Abend eines Festivals.

Highlight des Tages
Meine Birkenstocks vor dem Zelt wieder zu finden – die Marke muss 75% Ihres Umsatzes in Dänemark machen.

Vollgas: Samstag

09:00 – Jivamukti Yoga – Come Together! / Tanja Ottesen
Statt des klassischen Festival-Frühstücks, bestehend aus Dosenravioli und –bier, gab es am Samstag einen zweistündigen Jivamukti-Exzess. Jivamukti ist ja meine Lieblingspraxis und ich kann sagen, dass Tanja von Sangha Yoga in Kopenhagen eine der besseren Lehrerinnen dieser Tradition ist. Yeah!

12:45 – Complete Unity Yoga: Five Koshas / Malene Vedel
Der Festival-Klassiker: Ich habe die Klasse verpasst, weil ich mich mal wieder endlos verquatscht habe.

15:00 – Vinyasa: The Shape of your Being / Marina Calado
Marina wurde mir von einer Freundin empfohlen, sie unterrichtet unter anderem viele Outdoorklassen in Lissabon. Ihre Vinyasa-Klasse hat davon profitiert, sie hatte etwas von Improvisation und ganz viel Spaß an der Praxis. Jam Rock, genau das Richtige für den Festival-Nachmittag.

17:30 – Kundalini Meditation / Madhavi Guemoes
Krönender Abschluss des Yogatages war die einstündige Kundalini Meditation mit Madhavi von kaerlighed.de, die ja leider eher selten live on Stage ist. Kundalini ist nicht unbedingt meine Tasse Yogitee, aber die Mediation hatte es in sich: Eine Stunde Schütteln, Tanzen, Sitzen und (zum Glück) Liegen – alles mit geschlossenen Augen – haben mich ganz gut durchgechillt. Öfter mal was Neues, danke dafür.

Highlight des Tages
Chanten mit Tanja Ottesen: „Heal The World“ von Michael Jackson zu Beginn, “One Love” von Bob Marley am Ende der Jivamukti-Klasse. Bam!

Chill-Out: Sonntag

09:00 – Regen
Verdammt, der dänische Sommer machte seinem Namen nun doch noch alle Ehre. Egal – Jacke an, Kaffee geholt und los.

11:00 – Jivamukti: Living Wild and Free / Tanja Ottesen
Nachdem Tanja mich schon am Samstag in ihrem Fanclub hatte, war ich bei ihrer zweiten Klasse sogar in der ersten Reihe. (Zum Glück) ging es diesmal nur 90 Minuten, denn – wie der Fokus der Klasse schon versprach – ging es wild zu auf der Matte. Hammer, ein echter Top Act schon zum Frühstück. Und die Sonne kam auch noch raus.

Highlight des Tages – Abhängen
Obwohl es bei Yogafestivals keinen Kater (außer vielleicht etwas Muskelkater) gibt, den es zu pflegen gilt, habe ich den Rest des Tages nicht mehr viel unternommen. Eigentlich habe ich sogar nur die Sonne und die tolle Festival-Atmosphäre genossen und mich bei diversen Bechern Kaffee mit netten Yogis unterhalten. Ein hyggeliger Tag.

Geschüttelt und gechillt: Madhavi Guemoes und der Yogadude.

Farvel København.

Erst am Abend ging es für mich dann auch mal zurück nach Deutschland. Und wie nach jedem guten Festival hatte ich erst mal Probleme, wieder ins richtige Leben zu kommen. Damit ging es mir am Flugplatz übrigens nicht anders als den zahlreichen Metalheads, die am Samstag bei der Stadion-Show von Volbeat in Kopengagen waren. Aber wohl aus anderen Gründen. Das Copenhagen Yoga Festival war auf jeden Fall die Reise wert, neben dem erstklassigen Programm hat mich vor allem die einzigartige Stimmung richtig berührt: Ich weiß nicht, wie viele schöne Gespräche ich hatte und wie viele strahlende Post-Yoga-Lächeln ich zurückbekommen habe. Was bleibt, ist mehr als ein paar schöne Erinnerungen. Ein Teil von mir ist auch nach ein paar Tagen immer noch in Kopenhagen, mit der Yogamatte und einem frischen Kaffee auf dieser schönen Wiese. Und eins steht schon jetzt fest: Nächstes Jahr will ich unbedingt wieder hin, diesmal mit Sack und Pack und Frau und Kindern. Rock’n’Roll und Namaste.

See you next year!

PS: Vielen lieben Dank an meine Familie, die mir diese wunderbaren Tage geschenkt hat. Und an Madhavi von kaerlighed.de, die mir das Festival empfohlen und mich obendrein mit einem Ticket ausgestattet hat.

Das nächste Copenhagen Yoga Festival findet vom 24. bis 26. August 2018 statt.