Das Yogawort zum Sonntag – Geborgenheit

Ich bin dann mal raus.

Für das Osterwochenende habe ich mir was ganz Besonderes vorgenommen: Nichts. Also nichts, was sich nicht als „Zeit mit der Familie“ definieren ließe. Schon bevor wir Kinder hatten, war Ostern immer unser Privatfest, an dem wir zu zweit das leere Berlin genossen oder – später dann – Zeit für die Kinder hatten. Und daran hat sich auch dieses Jahr nichts geändert. Es gibt an Ostern keine Arbeit, kein Yogastudio und – mit einer sinnvollen Ausnahme – keine Verwandtschaftsbesuche. Dafür gibt es Radtouren, Spielplätze und Restaurantbesuche. Zuhause geht es dann auch mal auf die Matte, aber selbst das geliebte Yoga spielt an Ostern nur eine Nebenrolle, wenn man von der Meditation am frühen Morgen mal absieht. Ostern unplugged, sozusagen.

Luhja, sog i.

Es mag den einen oder anderen überraschen, aber ich bin ein bisschen katholisch. Das klingt für manche erstmal bizarr, für mich macht es aber total Sinn: Ich hatte das Glück in einem außergewöhnlichen Kirchenumfeld mit tollen Pfarrern (beider Konfessionen) und einer hammermäßigen Jugendarbeit aufzuwachsen. Und das prägt natürlich. Ich gehe zwar so gut wie nie zum Gottesdienst, finde aber vieles, wofür das Christentum steht, nicht weniger sonderbar als die Lehren des Hinduismus, Buddhismus oder des Judentums. Und das ist auch der Grund, warum wir unsere Zweitgeborene nächste Woche taufen lassen. Ja, werden viele sagen, das Kind kann doch gar nicht wissen, ob es Christ sein will. Ich finde, es kann aber auch nicht wissen, dass es das nicht sein will. Darum gibt es (vorsorglich) nächste Woche einen Schluck Wasser über das kleine Köpfchen. Aussteigen kann sie ja immer noch. Amen.

„Ich bin nur wegen des Weins hier.“

Ich will hier gar nicht zu defensiv damit umgehen oder mich dafür entschuldigen, dass ich an einen unsichtbaren Gott glaube und regelmäßig mit ihm spreche. Und niemand braucht eine Kirche oder Gemeinde, um gläubig zu sein. Die Taufe sehe ich in erster Linie als unverbindliche Testmöglichkeit für das Kind. So wie ein Probemonat im Yogastudio. Man löst die Eintrittskarte und kann dann alle Kurse mal besuchen, um herauszufinden, ob Yoga das Richtige ist. Ohne Ticket geht es leider nicht und die Taufe ist ja kein Gesichts-Tattoo, das einen lebenslänglich entstellt. Aber man wird als Baby in eine Gemeinschaft aufgenommen, die für einen da sein kann. Eine Gemeinschaft, die etwas anbietet, der man aber auch etwas zurückgeben kann. In der man Sinn suchen kann, nachdenken, meditieren und Dankbarkeit empfinden kann. Wenn man den Jesus mal vom Kreuz holt und das Amen durch ein Om ersetzt, ist Kirche auch ein bisschen wie Yoga. Gewagte These, oder?

Willkommen in der Familie.

So wie ich mich dieses lange Wochenende in die Geborgenheit meiner Familie fallen lasse, kuscheln sich manche auch in ihre Kirchengemeinde. Oder eben ihre Yoga-Gang. Es ist schön zu wissen, dass jemand für einen da ist. Und manchmal ist dieser Jemand besser kein Verwandter, aber trotzdem jemand, dem wir vertrauen und der uns versteht. Auch wenn es an Ostern nicht primär um Gemeinschaft und Geborgenheit geht (sondern um Opfer und Auferstehung), ist es bei uns zuhause eben dieses Fest geworden. Das ultimative Familienfest im kleinen Kreis, ohne den Konsumstress von Weihnachten oder das dazugehörige üble Dezember-Wetter. Aber ein bisschen freue ich mich auch wieder auf meine Yogafamilie, seien es die KollegInnen aus dem Teacher Training oder (seit neuestem) die SchülerInnen im Studio. Denn die sind, was die Themen Kirche, Glaube oder religiöse Rituale betrifft, vielleicht noch verständnisvoller als meine Blutsverwandten. Und deshalb: Frohe Ostern, Om Shanti und Namaste.

Fotos: Liza Meinhof

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