Der Yogadude im Urlaub

Das Yogawort zum Sonntag – Urlaub

Urlaub ist überschätzt.

Echte Vollperformer machen keinen Urlaub. Bei denen heißt das „Home Office“. Wer Urlaub braucht, ist einfach nicht motiviert genug und mit Handy und Laptop lässt es sich ja auch prima vom Strand aus arbeiten – in der Hand den Cocktail, im Auge die badenden Kinder. Als Selbständiger ist die Bereitschaft, zu verreisen und NICHTS zu tun, noch geringer: Urlaubstage sind immer auch Tage ohne Einkommen. Aber auch Angestellten ist dringend von einer Auszeit abzuraten: Die Konkurrenz schläft nicht und ruckzuck liegt das schöne Projekt nach ein paar Wochen bezahlter Freizeit bei einem Kollegen auf dem Tisch. Das ist natürlich totaler Schwachsinn und an Armseligkeit fast nicht zu überbieten. Aber mir ist wirklich schon passiert, dass ich es gewagt habe, am Ende des Vorstellungsgesprächs (für ein Praktikum!) nach der Anzahl der Urlaubstage zu fragen. Antwort der Personalerin: „Wollen Sie bei uns ein Praktikum machen oder Urlaub?“. Vielen Dank noch mal, Michelin Deutschland, bei euch habe ich viel gelernt. Und sorry für die ganzen Krankmeldungen.

Hinsetzen, Durchatmen.

Im Normalfall habe ich ja schon einiges an Programm zu bewältigen: Frau und Kinder stehen an erster Stelle, dazu arbeite ich freiberuflich und betreibe diesen Blog. Und natürlich will ich trotzdem nicht auf meine Yogapraxis und die Musik verzichten. Da merke ich nach ziemlich genau sechs Monaten auch, dass ich mal eine Pause brauche und der letzte richtige Urlaub ist bei mir jetzt schon neun Monate her. Und die hatten es in sich: Ich habe ein weiteres Jahrzehnt mit Lebensjahren restbefüllt, mich (wieder) selbständig gemacht und (tadaaa!) das zweite Kind bekommen. Das schlaucht – ganz gleich wie viel Yoga du machst. Und weil im November endlich die Ausbildung zum Yogalehrer beginnt, muss ich jetzt dringend meine Akkus noch mal vollmachen. Also ab in den Urlaub!

Immer am Anschlag.

Yoga ist Urlaub und Urlaub ist Yoga. Und zwar nicht nur, wenn man sich den Luxus eines schönen Retreats gönnt, sondern immer. Man kann natürlich auch Yoga praktizieren wie ein hochperformanter Michelin Marketingmitarbeiter: Immer Vollgas, keine Schwächen zeigen und während die Verlierer in Savasana rumliegen, noch ein paar Sonnengrüße machen. Aber beim Yoga geht es eigentlich genau darum, sich im richtigen Moment zurückzulehnen und loszulassen. Wer sich 80 Minuten lang wie ein Irrer durch die Asanas hetzt und dann auf Savasana verzichtet, kann auch 80 Minuten lang seinen Kopf gegen die Wand hauen. Beides ist kein Yoga. Der wichtigste Aspekt meiner persönlichen Yogapraxis ist es, Ruhe und Frieden zu finden und meine Gedanken zu ordnen. Und das hat leider nur sehr wenig mit professionellem Kunstturnen zu tun, dafür sehr viel mehr mit einer Tasse Kaffee zum Sonnenaufgang. Oder einem Mittagsschläfchen mit den Kindern. Jeder braucht eine Auszeit: Die kleine Pause nach der Asanapraxis und den großen Break nach Monaten harter Arbeit.

Ich bin dann mal weg.

Vernehmen Sie hiermit bitte meine offizielle Abwesenheitsnotiz: Letztes Wochenende war ich mit meinen besten Freunden (die ich fast mein ganzes Leben schon kenne) in Amsterdam. Männer-Wellness und einfach mal in Ruhe quatschen. Danach ging es direkt mit der kompletten Familie für vier Wochen nach Portugal. Klarer Vorteil: Während hier langsam Schmuddelwetter einkehrt, kann ich dort noch Shorts und Sandalen tragen. Und mit Meerblick Yoga üben. Natürlich gibt es aus dem Urlaub auch schöne Bildchen und ein paar Zeilen hier im Blog. Und natürlich werde ich mich (zumindest mental) auf das Teacher Training mit Patrick Broome vorbereiten. Ansonsten werde ich aber versuchen, so wenig Stress wie möglich zu verursachen und freue mich auf einen Monat am Strand. Meine persönlichen vier Wochen Savasana. Namaste.

PS: Das schöne T-Shirt gibt es jetzt auch ganz neu in meinem kleinen Online-Shop.

Fotos: Liza Meinhof

 

3 Gedanken zu „Das Yogawort zum Sonntag – Urlaub&8220;

  1. Hallo Dude,
    ich lese deinen Blog regelmäßig und sehr gerne. Deine Mischung aus Selbstironie und verschiedenen Sichtweisen ist klasse. Sehr oft erkenne ich mich selbst wieder oder nicke zustimmend.
    Ich wünsche ich dir bzw euch tolle Tage und gute Erholung.
    Namaste, Jörg

    1. Namaste Jörg! Ich freue mich sehr, dass dir der Blog gefällt – jedes persönliche Feedback geht da runter wie Öl. Dir auch eine gute Zeit und ganz viel Spaß beim Yoga, Thomas

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