Die ultimativen Yoga- und Spiri-Trends 2019

Dit is nich Neukölln.

Wenn man von Berlin nach München umzieht, muss man einen sehr weiten Weg gehen. Ich bin vom Herzen Neuköllns in so etwas wie die kleine Zehe München-Harlachings gezogen. Wenn ich im Garten zur falschen Seite umkippe, verlasse ich die Stadtgrenze und befalle offiziell das ländliche Bayern. Und ja: Die Unterschiede zwischen den Wohn- und Lebensorten könnten nicht größer sein: Die Fahrer übertrieben großer SUVs tragen in Neukölln Trainings-, in München lieber Designeranzug. Die Straßen Berlins: belebt. Die Straßen Harlachings: gefegt. München trinkt mittags mal ein Bier, Neukölln gleich drei. Ich habe das Leben in der Hauptstadt geliebt, wollte aber näher bei meiner Familie sein und bin so schließlich in München gelandet. Eine Vernunftsentscheidung, die schnell zur Herzensangelegenheit wurde.

Ich habe die Zukunft gesehen.

Trotz meiner Abkehr von den vier Blocks an der Sonnenallee, fahre ich immer wieder gerne in die alte Heimat. Und übernachte dort natürlich in meiner alten Hood. Um alte Freunde zu treffen und die geliebten Restaurants und Kneipen und Yogastudios zu besuchen. Und um die neuesten, hipsten, angesagtesten Megatrends aus nächster Nähe zu erspüren. Denn die werden – und da sind sich alle einig – in Berlin geboren, bevor sie sich nach und nach in alle anderen Städte ausbreiten. Morgens steige ich dann am Hermannplatz (spanische Hipster!) in die U8 und fahre über Mitte (amerikanische Hipster) zur Arbeit in den Wedding (französische Hipster). Und in diesen 20 Minuten U-Bahn-Fahrt sehe ich alles, was in Sachen Mode und Popkultur (und organisiertem Drogenhandel) die nächsten beiden Jahre aktuell sein wird. Leute, der krasse Scheiß kommt immer noch aus Berlin und eins ist klar: Als 41-jähriger Familienvater bist du nicht im entferntesten Teil davon. Bäm!

Evolution Baby!

Na gut, dann bin ich eben kein superhippes Trüffelschwein für Mode und Lifestyle-Themen. Aaaaaber: Wie wahrscheinlich kein Zweiter kenne ich – als selbsternannte feste Größe der Yogalandschaft – alle Eso-, Spiri- und Weltverbessungstrends. Von heute, morgen und übermorgen. Denn auch Yoga passt sich seit Jahrtausenden an den Zeitgeist an. Vor zwanzig Jahren war es (zumindest in Deutschland) eine Art knallbunte Fitnessdisziplin, vor zehn Jahren dann eher so ein Räucherstäbchen-Business. Heute ist Yoga endlich da angekommen, wo es immer hinwollte. Aber nichts ist von Dauer. Und in ein, zwei Jahren wird auch auf unseren Matten wieder alles anders sein. Mit meinem geballten Sachverstand und meinem feinen Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen konnte ich die ultimativen Yoga- und Spiri-Trends 2019 identifizieren.

Die ultimativen Yoga- und Spiri-Trends 2019

Der Mumienlook

Kundalini war das Yoga-Ding 2018 überhaupt. Beseelte Gesichter, weiße Gewänder und perfekt gewickelte Turbane. Diesen Trend hat auch die Yogamodeindustrie aufgegriffen: Bei den Schauen der großen Labels in Paris und Mailand liegen die Models jetzt im Ganzkörperturban auf der Matte. Mit seiner lockeren Wicklung ist dieses Must-Have aus Baumwolle nicht nur mega-bequem, sondern auch in jeder Lebenslage das passende Outfit. Ich freu mich drauf – Mumien auf die Matte!

Secret Social Media

Das Konzept war einfach: Ein Bild in Yogapose und dazu ein achtsames Zitat („irgendwas mit mindfulness, peace oder bliss“). Fertig ist der performante Instagram-Post. Gerne auch mal ohne Foto, dafür in einer schönen Schreibschrift (handgeschrieben in einem aufgeschlagenen Moleskine-Buch) verfasst. Lange Zeit fuhr ich selbst auch sehr gut mit dieser Art von Social Media-Content. Aber irgendwann waren alle guten Sprüche von Buddha, Osho & Co. dann mal rausgehauen. Damn! Was jetzt? Ganz einfach: Der schlaue Blogger zitiert sich selbst, inklusive „Anführungszeichen“ und Quellenangabe. Aber auch dieser Trend hat seine letzte Ausbaustufe noch nicht erreicht. Deshalb kommt 2019 das nächste Level des Eigenzitats: Secret Social Media. Dafür schaltet man seinen Instagram-Account auf privat, so dass man nur noch selbst seine eigenen schlauen Sprüche lesen kann. Selbstfindung total, alles kreist um die innere Mitte. Vorteil: Weniger Hater. Nachteil: Weniger Likes.

Pantomimecast

Weniger ist mehr, Minimalismus ist zum Lifestyle geworden. Das merken wir auch an der Art, wie wir Medien konsumieren. Das klassische Online-Video hat ausgedient, es geht ja ohnehin nur um das, was gesagt wird. Kein Wunder hat der Podcast alles plattgemacht, was vorher noch aufwändig im Sonnenuntergang am Strand gefilmt wurde. Audio killed the Video Star! Doch auf den guten Podcast kommen harte Zeiten zu: 2019 werden wir noch mehr Ballast abwerfen und Minimalismus quasi neu erfinden. Mit dem Pantomimecast. Das ist quasi ein Podcast, ohne Ton dafür mit Zeichensprache. Die Fokussierung auf die Gebärden des Vorträgers sind anfangs sicher gewöhnungsbedürftig, aber das hat auch eine meditative Komponente. Und wer weiß, was nach dem Pantomimecast noch kommt… Vielleicht das geschriebene Wort?

Das Yoga-Piercing

Bye Bye Yoga-Tattoo. Dieser Trend wird vielen nicht gefallen. Aber Fakt ist: Das Yoga-Tattoo ist sowas von out. Autsch! So viele Yogi(ni)s haben lange gespart, noch länger überlegt und dann auch noch mehr oder weniger lang die Schmerzen beim Tätowierer überstanden. Und jetzt das! Die gute Nachricht: Man muss sich nicht gleich seine bunten Ganeshas und Oms, Hamsas und Lotusblüten weglasern lassen. Der neue Trend heißt Yoga-Piercing und das lässt sich super mit Tattoos kombinieren. Konservative Piercing-Fans beginnen mit einem Nasenring, während Fortgeschrittene sich die Haut am Dritten Auge, entlang der Chakren oder auch an den Fußsohlen („Energiepunkte!“) durchbohren lassen. Gerne auch mit LEDs im Piercing für noch mehr Erleuchtung.

Der Yanga

Auf diesen Trend bin ich ein bisschen stolz, denn ich sehe mich ja als absoluten Vorreiter für die Verbreitung der Männer-Leggings. Mittlerweile ist es total normal, als Mann mit figurbetontem Beinkleid Yoga praktizieren. Und damit ist der Weg geebnet für den nächsten Schritt: Mit dem Yanga (=Yoga-Tanga) kann mann im nächsten Jahr noch mehr zeigen, was er (drauf-)hat. Der Yanga kommt klassisch in Schwarz, schrill in Pink oder gerne auch glänzend in Gold. Hauptsache, er ist so knapp geschnitten, dass er an der Grenze zur Jugendfreiheit vorbeischrammt. Für maximale Bewegungsfreiheit und optimale Körpertemperatur.

Ätherische Solarzellen

Es ist nicht nur mir ein Rätsel, wie wir so lange ohne ätherische Öle überhaupt leben konnten! Zum Glück sind sie jetzt überall verfügbar, sicher hat auch dein Yogalehrer immer ein Fläschchen in der Tasche. Öle helfen für und gegen alles – wahrscheinlich gibt es sogar bald ein Power-Öl, das die Asanapraxis für uns übernimmt. Und genau da liegt das Problem: Weil wir Menschen von etwas so Gutem nie genug bekommen, beuten wir den Planeten mal wieder gnadenlos aus. Und sorgen so in absehbarer Zeit für eine Ölkrise. Damit das nicht passiert, haben die führenden Aromaölbohrer jetzt eine saubere Alternative entwickelt: 2019 wird die erste Ätherische Solarzelle vorgestellt, die ab Mitte des Jahres in Serie hergestellt und exklusiv über Yogalehrer vertrieben wird. Rettet den Planeten und riecht dabei noch gut.

Und jetzt?

Ich bin froh, dass 2019 mich nicht schocken kann und freue mich auf alles, was da kommen wird. Vielleicht sind mir ein paar Trends bei der Recherche sogar durch die Lappen gegangen? Ich freue mich über jeden Kommentar und jede Mail (gerne was Nettes). Und auch wenn es am Ende nicht ganz so kommen wird, wie ich es prophezeit habe –  eine Sache kommt garantiert niemals aus der Mode: Die Fähigkeit, auch mal über sich selbst zu lachen. Namaste.

Fotos: Liza „Neukölln Ghetto Queen“ Meinhof

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