Was Yoga mit dir macht – dein Outfit

Guten Morgen, Sonnenallee.

Vor zwei Jahren, als wir noch in Neukölln gelebt haben, bin ich morgens um 7:00 in meinen quietschgrünen Leggings mit Schlabber-Hoodie und Birkenstocks zum Einkaufen gegangen. Und niemand hat sich dafür interessiert. Ich war – ehrlich gesagt – eine der unauffälligeren Gestalten im Supermarkt. Auffällig war eventuell nur, dass ich Milch aufs Kassenband legte, kein Flaschenbier. Hier in München sieht die Sache etwas anders aus. Flaschenbier ist in der Frei- und Polizeistaatshauptstadt zwar auch zu jeder Uhrzeit in Ordnung, Männer in bunten Leggings hingegen sieht man allerdings eher selten. In Bayern tragen echte Kerle bekannterweise knallenge Ledershorts. Leggings gelten als unmännlich und werden allenfalls als lange Skiunterwäsche toleriert.

Kleider machen Yogis?

Jaja, die alte Leier mit den Leggings, die habe ich hier im Blog jetzt wirklich schon ausreichend gespielt. Aber warum reden wir Yogis eigentlich ständig über Yogaklamotten? Sind die wirklich so wichtig? Eigentlich ja nicht. Denn was ich am Yoga mag, ist, dass man im Prinzip nichts dafür braucht. Höchstens eine Matte. Du kannst sehr gut ein Leben lang in Unterwäsche Yoga üben, zumindest zuhause. Und im Studio wird man selbst in München nicht schief angeguckt, wenn das Outfit aus einer löchrigen Joggingbuxe (Modell: „Couch Potatoe“) und einem alten Band-Shirt (Modell: „World Tour 2007“) besteht. Also, warum der Hype um sexy Yogapants und vegane Muskel-Shirts? Weil wir alle konsumgetriebene Turbokapitalisten sind. Und weil wir ganz gerne mal Shoppen gehen. Und in einer Welt unzerstörbarer Yogamatten sind Klamotten eben das Einzige, was man sich ab und zu mal gönnen kann. Wenn man unbedingt shoppen muss.

Stilvoll auf die Matte

Als international erfahrener Yogi (und mittlerweile Yogalehrer) bekomme ich natürlich eine weite Bandbreite an Yogatextilien zu sehen. Genügend auf jeden Fall, um im Nebenjob als yogischer Stilberater durchgehen zu können. Im Rahmen einer eingehenden Analyse konnte ich tausende (?) Matten-Outfits auf sieben Varianten reduzieren:

Outfit #1: Performance pur.

Hyperatmungsaktive Kompressionsleggings und hautenge Oberteile. Im Normalfall getragen von Erfolgsmenschen, die erst nach den 108 Sonnengrüßen auf Händen zur Toilette gehen.

Outift #2: Guru Guru.

Wallende Leinengewänder und zeltähnliche Schals. Zu sehen meistens an ausgehungerten Esoterik-Yogis, die schon auf der Matte waren, bevor „Yoga zur Industrie verkommen ist“.

Outfit #3: Rock’n’Roll Rebel.

Black is the new black. Das Einzige, was dieses nachtschwarze Outfit aufheitert, ist das kaum lesbare Metal-Bandlogo auf dem T-Shirt. Wer das trägt? Metalheads und Mattenrocker.

Outfit #4: Sexy Hexy.

Glänzende Leggings (gerne mit großzügigem Mesh-Einsatz bzw. gleich die Netzstrumpfhose) und bauchfreie Tops. Bei Männern gerne auch ganz ohne Oberteil („Sooooo heiß hier drin!“ bzw. „In Indien machen das alle so.“). Oft gekauft von Menschen mit einem beneidenswerten Verhältnis zu ihrem Körper und dem (eher nervigen) Bedürfnis, ihn zu zeigen.

Outfit #5: Center of the universe.

Neonfarben sind toll. Für Rettungssanitäter oder Straßenarbeiter wie Müllmänner. Oder für Yogis, die beim Üben ungern in der pastellfarbenen Masse untergehen wollen. Pink mit Neongrün oder Gold kombiniert macht das optimale Hingucker-Outfit in einem Raum voll innerer Ruhe. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Yogastudio von massivem Bodennebel heimgesucht wird, bitte unbedingt um den Träger dieses Outfits sammeln und den Raum geordnet verlassen!

Outfit #6: Let’s talk about money, Honey.

Es gibt Yogamarken, denen man sofort ihren horrenden Preis ansieht. Und das soll natürlich so sein. In Berlin sind diese Klamotten („Irgendwas mit Zitrusfrucht?“) nicht ganz so verbreitet, in der SUV-Hauptstadt München geht es wohl bald nicht mehr ohne. Trend-Szenario: Bald lässt man das Preisschild auch noch dran.

Outift #7: I woke up like this.

Ja, ich gebe es zu: Ich habe die 7:30-Klasse schon oft in den Sachen besucht, in denen ich 20 Minuten vorher aufgewacht bin. Und das ist dann kein schicker Pyjama oder etwa ein Yoga-Outfit, sondern irgendwas. Also wirklich irgendwas. Und das Beste daran? Ich bin mit diesem Look nicht alleine, morgens sieht man die authentischsten Yogis, weil einfach keine Zeit (bzw. Energie) da war, um sich zu verstellen oder zu verkleiden. Ich liebe das und freue mich auf die Outfits in meiner eigenen 7:30-Klasse (ab 21.6. bei Santosa Yoga).

Und was ziehst du heute an?

Was ich bei allem Leggings-Quatsch und der eigenen T-Shirt-Kollektion wirklich feststelle ist, dass mein Yoga meinen Kleidungsstil beeinflusst hat. Ich bin morgens immer dieser Papa, der sein Kind in der Schlabberhose oder Shorts zum Kindergarten bringt. Der bei jedem Wetter Birkenstocks oder Flip-Flops trägt. Und der morgens schon sein Yoga-Shirt anhat, weil er nachmittags ja noch in eine Klasse gehen könnte. Und obwohl ich wirklich der Meinung bin, dass man keine spezielle Kleidung braucht, um Yoga zu praktizieren, mag ich meine hübschen Anziehsachen für die Matte. Weil es meine Yogasachen sind, die Sachen, die ich beim Yoga trage. Und wie eine Art Uniform zeigen diese Sachen mir (und anderen), was ich bin oder sein will: Ein Typ, der Yoga macht. Und das zeige ich gerne, auch gerne mit einem lustigen T-Shirt oder sehr bequemen Shorts. Und eigentlich ist es ja weniger eine Uniform als vielmehr ein Fan-Shirt, so etwas wie das Shirt von der World Tour 2007. Und damit sage ich eben auch: Ich bin ein Fan und stehe dazu. Namaste.

PS: Lass mich gerne in einem Kommentar wissen, was du zum Yoga am liebsten anziehst.

Fotos: Liza Meinhof

Hinweis: Das wunderbar alltagstaugliche Yoga-Outfit (Hose und T-Shirt) auf den Bildern wurde mir freundlicherweise von OGNX bereitgestellt. Ich arbeite schon lange mit der Marke zusammen und schätze ihre Klamotten so sehr, dass ich sie auch regelmäßig kaufe. Trotzdem ist dieser Beitrag bzw. die Fotos natürlich bezahlte Werbung.

 

 

 

 

 

 

 

4 Gedanken zu „Was Yoga mit dir macht – dein Outfit&8220;

  1. Ich kann mich noch sehr gut an meine aller erste Yoga-Stunde und die Frage davor erinnern, was ich nur anziehen soll?! Die Beantwortung war nicht leicht und hat sich hingezogen. Irgendwann hatte ich die Nase voll und hab meine bequemste (und älteste) Jogginghose und ein halbwegs passendes T-Shirt dazu aus dem Schrank geholt. Etwas angespannt betrat ich den Übungsraum und siehe da: Max schien selbiges Problem und Lösung gefunden zu haben. Wir haben die Frauen- und Stylequote in dem Kurs gemeinsam rapide gesenkt.

    Später musste ich feststellen, dass der olle Jogger bestens geeignet war. Eine Neuanschaffung erwies sich als Fehlkauf, weil zu unflexibel (die heutigen Dinger sind alle so eng geschnitten). Also muss weiter meistens der treue Begleiter herhalten, bzw. jetzt bei den Temperaturen einfach eine kurze Sporthose.

    Aktuell liegt der Bausinger Katalog bei mir zu Hause (nach Deinem Mattenbericht geordert) und deren Philosophie und Einstellung gefällt mir sehr. Dort werde ich sicherlich Ersatz organisieren, wenn das Beinkleid wieder länger werden muss.

    1. Eine gut eingetragene Jogginghose ist wie ein guter Freund 😂 Und die Bausingers beraten dich sicher auch gerne in Sachen Beinbekleidung. Ganz liebe Menschen 😀

  2. Die Auswahl an Yoga-Bekleidung für Männer ist leider recht begrenzt. Noch zu uninteressant für die Industrie.
    Kurze Sporthose und T-Shirt geht aber immer.
    Bin auch noch auf der Suche nach der optimalen langen Yogahose. Vielleicht schaue ich auch mal bei Bausinger rein.
    Deine T-Shirt Kollektion finde ich übrigens super. Hab mir auch letztens eins bestellt 🙂
    Viele Grüße

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