Der Yogadude übt Yoga mit Leidenschaft.

Mehr Leidenschaft, bitte – Yoga mit Herzblut

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.

Wenn man frisch verliebt ist, fühlt sich alles 1.000 Mal intensiver an als sonst. Worte, Augenkontakt, Berührungen – jede noch so winzige Kleinigkeit löst eine kleine Lawine in uns aus. Und das ist nicht nur mit der Partnerin oder dem Partner so. In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass einen auch die eigenen Kinder durch ihre bloße Existenz emotional Achterbahn fahren lassen: Als meine Frau mir vor vier Jahren das erste Ultraschallbild unseres Sohnes aufs Handy schickte, stand ich mit dem Fahrrad gerade an einer roten Ampel in Berlin-Friedrichshain – und bin sofort in Freudentränen ausgebrochen, mitten auf der Warschauer Straße. Junge Liebe ist Freude, Glück, Geborgenheit und Schmerz. Junge Liebe ist Leidenschaft.

Einmal Yoga mit allem, bitte.

Als Yogi war ich – wie viele andere auch – ebenfalls gleich schwer verliebt. Nach meiner ersten Klasse habe ich mich buchstäblich Hals über Kopf in die Praxis geworfen. Ich wusste gleich: Nie mehr will ich ohne Yoga sein. Obwohl wir uns noch gar nicht richtig kannten und auf den ersten Blick nicht wirklich viel gemeinsam hatten. Aber wir fanden schnell zueinander. Relativ überstürzt ist Yoga bei mir eingezogen und nach und nach haben wir uns kennen gelernt. Ich genoss es, mich für Yoga anzustrengen oder auch einfach nur ruhig dazusitzen und seine Anwesenheit zu genießen. Alles war neu und unverbraucht, jede Asana und jeder neue Lehrer ein echtes Erlebnis. Ich konnte einfach nicht genug vom Yoga bekommen, wurde ein geübter Yogi, später dann sogar Yogablogger und bald auch noch -lehrer. Ja, es ist Liebe, keine Frage.

Der Yoga-Alltag holt uns alle ein.

Egal wie unendlich groß eine Leidenschaft ist, irgendwann lässt sie auch mal nach: Das niedliche kleine Baby vom Ultraschallbild verliert nach der dritten Nacht ohne Schlaf rapide von seiner gefühlen Putzigkeit und nach 25 Jahren Ehe will man vielleicht auch mal alleine aufs Klo gehen. Das ist normal und wahrscheinlich auch gut so. Sonst würde ich jeden Tag krankmachen, um ihn mit meiner Frau zu verbringen und hätte wegen meiner Kinder keine Tränendrüsen mehr. Die Yoga-Leidenschaft macht da keine Ausnahme: Ich weiß noch, wie aufgeregt ich vor meinen ersten Klassen war und wie heillos begeistert, als ich im Kopfstand nicht mehr ständig umfiel. Jetzt, da auf der Matte eine gewisse Routine eingekehrt ist, fühlt sich Yoga immer noch jedes Mal phantastisch an, aber manchmal eben ein bisschen weniger phantastisch. Unsere Liebe ist eben auch erwachsen geworden und mit ihr hat das Feuer der Leidenschaft etwas nachgelassen.

Ehe für alle.

Auch ohne Trauschein führen Yoga und ich eine regelrechte Ehe, so viel Zeit wie wir mittlerweile zusammen verbringen. Und wenn uns die gemeinsame Zeit etwas fad wird, investieren wir – wie ein echtes Ehepaar – in unsere Beziehung, um sie mit neuem Elan zu erfüllen:

1. Beziehungspause

Okay, ich habe eigentlich noch nie freiwillig auf Yoga verzichtet. Aber wenn ich krank bin (was aufgrund der hohen Konzentration von Kindergarten-Bakterien in meinem Umfeld regelmäßig passiert), muss ich natürlich pausieren. Und diese Pause tut mir gut, schon nach wenigen Tagen verzehre ich mich regelrecht nach meiner Yogapraxis und freue mich darauf, endlich wieder damit anzufangen.

2. Liebesurlaub

Urlaub wirkt Wunder. Immer. Dieses Jahr habe ich das erste Mal eine kleine Yogareise gemacht und – Boah! – war das geil. Zuhause und im Stammstudio kehrt so schnell Yoga-Alltag ein, eine Reise lässt einen regelrecht ausbrechen.

3. Shoppen gehen

Als Werbeprofi weiß ich: Einkaufen aktiviert irgendein Belohnungszentrum im Gehirn und macht dadurch gefühlt glücklich, zumindest kurzfristig. Und ich finde es okay, für Yoga auch mal was Nettes anzuschaffen und sich darüber zu freuen. Ein neues Outfit zum Beispiel oder alle paar Jahre mal eine neue Yogamatte. Die Freude darüber (oder zumindest der Zwang, die Ausgabe zu rechtfertigen) bringen auch etwas neuen Drive in die Yogabeziehung.

4. Neue Stellungen

Zwar gibt es noch immer keine Yogaversion von „50 Shades of Grey“, trotzdem lädt die Yogamatte zum Experimentieren ein. Ich probiere immer wieder gerne neue Asanas aus und baue sie in meine tägliche Yogasession ein. Je nachdem kann das dann auch ohne Peitsche schmerzhaft werden – durch Muskelkater.

5. Partnertausch

Egal, wie gut ich eine/n Yogalehrer/in finde: Von Zeit zu Zeit gehe ich auch mal zu jemand anderem in die Klasse. Der frische Input gibt meiner Praxis neue Impulse und mir die Möglichkeit, Yoga ein bisschen neu zu entdecken. Um davon profitiert dann meine Home Practice auch wieder.

Yoga ist ein Ausdauersport.

Natürlich ist Yoga überhaupt kein Sport, aber wenn es einer wäre, wäre es wohl ein lebenslänglicher Ultra-Marathon. Und dafür braucht es schon eine gewisse Leidenschaft. Man kann natürlich sein Leben lang glücklich damit sein, drei Mal pro Woche dieselbe Klasse zu besuchen. Aber das geht den Wenigsten so. Alle anderen wollen mehr als etwas Gymnastik und fünf Minuten Savasana. Und dafür müssen sie sich reinhängen, müssen jede einzelne Haltung mit Hingabe ausführen, sich auf jede Meditation voll und ganz einlassen. Das Feuer schüren, die Beziehung hegen und pflegen, damit die Liebe nie auf Grenzen trifft. Wenn du dein Yoga leidenschaftlich genug liebst, liebt Yoga dich auch leidenschaftlich zurück. Und wenn es mal Tage gibt, an denen du die Leidenschaft für deine Praxis nicht spürst, kannst du immerhin daran arbeiten. Oder auch mal gar nichts machen und dich am nächsten Tag wieder darum kümmern. Denn in diesem Punkt unterscheidet sich Yoga von deiner Familie doch sehr. Namaste.

 

Fotos: Liza „Ich fotografiere leidenschaftlich gerne“ Meinhof