Yoga & Inspiration – die göttliche Verbindung

Ist das noch Yoga?

Ich gebe zu: In letzter Zeit schweife ich manchmal ein wenig vom Thema Yoga ab. Das kann ich aber erklären und es hat in erster Linie mit zwei Dingen zu tun: Zum einen denke ich, dass es schon genügend andere Leute gibt, die im Internet zeigen, welche Asana wie genau funktioniert. Zum anderen verändert sich mein Leben gerade mal wieder sehr stark. Weil die Kinder jetzt keine Babys mehr sind (denken sie!), habe ich wieder etwas mehr Zeit und Energie für andere Dinge. Meine Frau, zum Beispiel. (Wir sind kürzlich das erste Mal seit fünf Jahren ohne Kinder für eine Nacht verreist). Und dann fühle ich mich endlich wieder in der Lage, halbwegs ernsthaft Musik zu machen. Das hatte sich durch die Geburt des ersten Kindes und den Umzug von Berlin nach München leider etwas schwierig gestaltet. Aber jetzt ist es soweit – ich bin nicht mehr zu müde und ausgelaugt  um abends zu proben und habe endlich auch wieder ein paar neue Ideen, die ich mit meiner superneuen Superbandin Songs umwandeln kann. Tschüss, kreatives Wachkoma. Hallo, Inspiration.

Feed my Frankenstein.

Über Inspiration zu schreiben, ist für mich nichts Neues – schon von Anfang an ging es hier im Blog regelmäßig um dieses Thema. Und auch in meinen Workshops oder den Interviews mit Rockstar-Yogis schwingt dieser Vibe ständig mit. Eine gewisse Portion Inspiration braucht es auch, um überhaupt so ein Wahnsinnsprojekt wie diesen Blog mittlerweile fast drei Jahre am Leben zu halten. Doch was genau ist das eigentlich, Inspiration? Der brave Lateinschüler weiß (ich hab’s gegoogelt), dass sich das Wort von „spiritus“ also Leben, Seele bzw. Geist ableitet und damit als „Beseelung“ übersetzt werden kann. Ganz schön schwere Kost für jemanden wie mich, der sich mit seinen literarischen Ergüssen gerne eher auf Sichthöhe bewegt. Beseelung. Das klingt nach einem gemütlichen Abend mit Freunden und ca. 20 Flaschen Wein. Oder nach irgendwas, bei dem gesegnetes Wasser versprüht wird und es nach Weihrauch riecht. Vielleicht auch noch nach dem verzweifelten Versuch eines durchgeknallten Wissenschaftlers, einem Staubsauger-Roboter so etwas wie Empathie einzuprogrammieren. Aber Inspiration?

Die innere Göttin.

Die meisten Menschen denken bei Inspiration an einen guten Einfall oder eine geniales Kunstwerk. Aber es ist eigentlich etwas mehr bzw. etwas anderes. Denn Inspiration ist eher die Grundlage für Kreativität, so etwas wie der innere Antrieb oder die Motivation. Und die kommt – da sind sich viele schlaue Köpfe einig – eben nicht nur aus uns heraus, sondern vom Einfluss dessen, was größer ist als wir. Auch der Über-Yogi Swami Sivananda schreibt: „Inspiration ist ein erhebender, erbaulicher göttlicher Einfluss. Inspiration ist der übersinnliche göttliche Einfluss, auf heilige Lehrer und Dichter durch den Geist Gottes ausgeübt, durch den sie göttlicher Autorität zu ihren Schriften erhalten.“ (Quelle: Yoga Vidya) So viel Göttliches – inklusive offizielles Yoga-Zitat – geben dem Thema dann doch eine gewisse Daseinsberechtigung hier im Yogablog, finde ich. Vielleicht schweife ich doch gar nicht so sehr ab. Aber woher kommt sie jetzt eigentlich, die Inspiration? Direkt von … (du kannst hier den/die Gottheit/en deiner Wahl einfügen)?

Mach die Augen auf. Alle drei.

Ganz gleich, ob du Blogger bist, für deine Band ein paar neue Songs aufnehmen willst oder einfach nur jemandem eine nette WhatsApp-Nachricht zum Geburtstag tippen möchtest: Du solltest dich dazu irgendwie inspiriert fühlen. Also im kreativen Sinne angetrieben. Ich gebe zu, dass dieser Zustand bei mir nicht immer gegeben ist. Für den Blog schreibe ich zum Beispiel eher in Ruhe am Abend, wenn ich den Tag über schon einige Gedanken zu Ende gedacht habe. Andere Dinge fallen mir leichter, wenn ich mich dabei bewege und am besten draußen bin. Als Künstler hingegen war Herzschmerz immer ein probates Mittel für inspiriertes Schaffen. Auf den kann ich mittlerweile aber gerne verzichten! Fakt ist: Inspiration findet irgendwo abseits des Normalzustandes statt, sie braucht eine Veränderung der Umstände. Und da kommt die Yogapraxis ins Spiel! Yoga ist ein tolles Werkzeug, um Inspiration zu finden. Weil es dir erlaubt, deinen Alltagstrott für eine Zeit lang zu verlassen und so Raum zu schaffen für Inspiration. Und weil es den Geist beruhigt und den Körper aktiviert, weil es dich lehrt, fokussiert zu denken und gezielt abzulenken von dem, was deine Gedanken lähmt. Eine Runde Sonnengrüße macht noch keine gute Idee. Aber eine solide Praxis mit viel Achtsamkeit und Meditation kann dir helfen, Inspiration zu entdecken und zu kultivieren.

Zeit für mich.

Natürlich ist es am Ende alles wieder nicht so einfach. Manchmal wünschen wir uns Inspiration, aber sie lässt ewig auf sich warten. Und manchmal ist sie plötzlich da und wir haben einfach Zeit oder Energie, ihr nachzugehen. Dieser unbedingte Drang, jetzt sofort etwas zu kreieren! Und du musst noch sieben Stunden arbeiten oder hast seit einer Woche nicht mehr vernünftig geschlafen. Auch damit muss man leben können. Und auch das lässt mich Yoga besser ertragen. Ich freue mich dann immerhin über das Wissen, dass es die Inspiration noch gibt und dass sie mir ein halbwegs inspiriertes Leben möglich macht. Trotzdem will ich mich ihr nach der fünfjährigen „Babypause“ jetzt wieder etwas mehr hingeben. Denn außer diesem Blog hatte ich seit März 2014 relativ wenig kreativen Output. Für mein Comeback habe ich aber zum Glück die besten Rahmenbedingungen: Nächste Woche geht es in mein Yoga- & Inspirations-Retreat nach Marokko. Dort lebe ich dann nicht nur die gewünschte Veränderung durch den spontanen Ortswechsel, sondern habe auch noch ganz viel Zeit für jede Menge Yoga. Ich freue mich schon auf eine Woche und bin gespannt, wozu meine Mitreisenden und ich uns am Ende inspiriert fühlen. In meinem Fall wird es auf jeden Fall ein Bericht hier im Blog sein. Namaste.

Fotos: Liza „Ich mach jetzt auch Schwarzweißbilder“ Meinhof

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