Mein Leben mit Yoga – als Musiker

Tralalasana!

Letzte Woche habe ich seit gefühlt ewigen Zeiten mal wieder mit meiner alten Band gespielt. Und ich muss sagen: Das hat mir richtig gut getan. Wir wussten, was wir tun und ich war trotz der fehlenden Routine doch ganz schön stimmgewaltig. Puh. Scheinbar verlernt man das zwar nicht, aber wenn man nicht regelmäßig übt, fehlen einfach Kraft und Kondition. Genau wie in der Asana-Praxis – um mal eine geschickte Brücke in Richtung Yoga zu bauen.

Sex and Yoga and Rock’n’Roll.

Yoga hat ja eigentlich fast immer mit Musik zu tun, dazu habe ich ja vor einigen Monaten schon was geschrieben. Und eine Yogaklasse lässt sich sehr gut mit einem Auftritt als Rockmusiker vergleichen: Viel zu enge Hosen, erst mal easy Eingrooven, dann Vollgas geben und am Schluss erschöpft aber glücklich am Boden liegen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass meine Yogapraxis mich auch als Musiker beeinflusst hat.

Mehr Power!

So ein Gig ist eine kraftraubende Sache. Selbst wenn man „nur“ eine halbe Stunde als Support Act spielt, muss man ganz schön Energie aufwenden. Ein normaler Auftritt mit 90 Minuten fordert einem dann schon einiges ab, die Königsdisziplin bleiben aber 4-stündige Marathon-Shows mit Party-Cover-Bands, wo man erst um Mitternacht auf die Bühne geht, 45 Titel singt und sich dreimal umzieht. Diese Art von Musik ist nicht Jedermanns Sache, aber ehrlicherweise aus Musikersicht mit einem Marathonlauf zu vergleichen. Wer regelmäßig Yoga praktiziert, hat auf jeden Fall mehr Kraftreserven, um so einen Auftritt würdevoll zu überstehen. Word.

Spot an.

Klar, ohne ein gewisses Selbstbewusstsein geht erst gar nicht auf eine Bühne, um vor Fremden zu singen. Spielen, Tanzen, Klatschen und das alles unter höchster Konzentration und mit dem Wissen, dass einen gerade ganz schön viele Leute angucken. Dafür braucht man schon ein gesundes Ego. Mir hat mein Yoga dabei geholfen, dieses Selbstvertrauen aus mir selbst zu gewinnen und nicht aus den obligatorischen Jägermeister-Shots zwischen den Songs. Wobei ich nicht weiß, ob ich jetzt selbstbewusster bin als vor meiner Zeit als Yogi, oder ob mir nur viel mehr Dinge scheißegal sind. Om.

Atmen? Amen.

Die größte Parallele zwischen meiner Laufbahn als Sänger und als Yogi ist, dass ich meinen Atem unterschätzt habe. In den ersten Gesangsstunden hatte ich dann ein ähnliches Aha-Erlebnis wie nach den ersten Yogaklassen: Atem ist alles. Beim Yoga hält die richtige Atmung mich energetisch im Fluss, beim Singen ist das eigentlich genau so. Wer professionell singen möchte, muss sich um sein Zwerchfell kümmern. Und wer ambitioniert Yoga praktizieren will, muss bewusst atmen können.

Einfach inspirierend.

Wer spielt und singt und möglicherweise auch noch eigene Songs schreibt, braucht auch eine gute Portion Kreativität. Und auch dabei kann Yoga hilfreich sein, sei es durch die Auszeit für den Kopf, die körperliche Aktivität oder den Perspektivwechsel. Mir kommen viele neue Ideen beim Yoga für meine Musik oder auch für meinem Job in der Werbeagentur.

Gute Laune, Leute.

Ganz ehrlich: Außer Bob Dylan sollte kein Sänger auf der Bühne schlechte Laune verbreiten. Schlechte Laune ist ansteckend und wer will schon vor einem Saal bzw. einer Kneipe voller Griesgrame spielen? Und wie bekommt man gute Laune? Entweder durch die anfangs erwähnten Jäger-Shots oder aber durch regelmäßige Yogapraxis. Zumindest habe ich noch niemanden nach der Yogaklasse gesehen, der nicht mindestens zufrieden gelächelt hat. Und mit einem Lächeln stecken wir nicht nur andere an, sondern sehen außerdem noch viel besser aus. Namaste.

PS: Wenn dich das Thema interessiert, schau dir doch mal meinen Beitrag über Yoga und Rockfestivals an.

 

Bilder von Bilderhelden Fotografie.

Ein Gedanke zu „Mein Leben mit Yoga – als Musiker

  1. Sehr gut geschrieben, dem kann ich zu 100% zustimmen. Ich selbst bin professioneller (klassischer) Musiker (mit Neigung zu Hardrock und Metal) und ohne Yoga wäre ich sicherlich in letzter Zeit an meine Grenzen gestoßen (auch wenn ich mich sportlich als Läufer mit Yoga-Ambitionen bezeichnen würde. Wobei ersteres nicht so gut laufen würde ohne Yoga).

    Mit meinem Orchester haben wir die Elbphilharmonie eröffnet und ich habe in den ersten 5 Wochen dort 36 Konzerte gespielt. Mein Rückzug in ein Hinterzimmer mit Matte unterm Arm hat mir 1. Schmerzen erspart und 2. (wie Du richtig schreibst) ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

    Und das ist entscheidend, wenn man auf der Bühne steht.

    Namaste!

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