Was Yoga mit dir macht – Teil 3: Dein Freundeskreis

Zu meinem Yoga-Blog bin ich ja ungefähr so gekommen, wie diese angebliche Jungfrau zu ihrem Kinde. Irgendwas ist passiert und auf einmal war er da. Und noch während ich versuche, dieses kleine Wunder zu verstehen und es vorsichtig hege und (mit Artikeln wie diesem) pflege, rutsche ich auch schon in eine schöne neue Welt hinein. Ich lerne auf einmal tolle Blogger (deren Arbeit ich schon länger voller Ehrfurcht verfolge) persönlich kennen, besuche mit prüfendem (dritten) Auge neue Yogastudios und habe regen Kontakt zu vielen, vielen anderen Yogadudes und -girls, die unglaublicherweise oftmals auch noch meinen Blog lesen. Wow.

Alles Yoga oder was?

Doch schon bevor ich den Yogadude-Blog hatte, war mir aufgefallen, dass Yoga einen hohen Stellenwert in meinem sozialen Leben einnimmt. Die Yogalehrer/innen wurden genauestens beobachtet und zum Gesprächsthema zwischen mir, anderen Schülern und meiner Frau. Aus den Gesichtern in der Yogaklasse wurden irgendwann Vornamen und manchmal sogar Facebook-Kontakte. Bei der Arbeit ging ich am liebsten mit anderen Yogis in die Mittagspause. Irgendwann war klar: Yoga verändert nicht nur meine Gedanken und meinen Körper, sondern es krempelt mein ganzes Leben um – auch meinen Freundes- und Bekanntenkreis.

Die Partnerin

Ich muss es jetzt mal sagen: Meine Frau ist der verständnisvollste Mensch der Welt. Also das muss sie sein, sonst würde sie meine Yoga-Obsession unter Umständen als Trennungsgrund sehen. Tut sie aber nicht, stattdessen wird sie auch diesen Artikel wieder kritisch korrekturlesen und mich mit einem Foto von meiner besten Seite ablichten (was weniger an meiner Fotogenität, als an ihrer Geduld und ihrem „gutem Auge“ liegt). Ich habe wirklich Glück und will mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ihr das alles auf die Nerven ginge.

Die Yogalehrer

Ich fühle mich meinen Yogalehrer/innen gegenüber vollständig ausgeliefert: Sie berühren in der Klasse meinen verschwitzten Körper an allen erdenklichen Stellen (Okay, das klingt etwas zu sehr nach Teenager-Phantasien, aber ihr versteht schon), beugen sich direkt über mich, während ich die Augen geschlossen habe und kommen mir dabei nicht nur körperlich wirklich nahe. Da muss man schon ein gewisses Grundvertrauen füreinander aufbringen. Und nicht nur deshalb sind Yogalehrer Menschen, die in meinem Leben einen wichtigen Platz ein- und mich ab und zu sogar mit in die Kneipe nehmen.

#namaste #berlin – Schönes Wochenende und seid lieb zu euren YogalehrerInnen. 🙃

A post shared by Yogadude (@yogadu.de) on

Die Mitschüler

Obwohl man während der Yogaklasse nicht miteinander spricht, kommt man den anderen Schülern doch sehr nahe. Also nicht nur körperlich, wenn die Klasse ausgebucht ist und der eigene Schweiß quasi auf der nächsten Matte landet. Man generiert in der Asana-Praxis eine starke energetische Dynamik und teilt das spirituelle Erlebnis. Und wenn man davor oder danach noch Zeit für etwas Smalltalk hat, erfährt man, was die anderen Yogis so Spannendes machen. Da ist dann auch wirklich alles dabei, und das ist etwas, was ich am Yoga wirklich sehr mag: Die menschliche Vielfalt, vereint in Lycra, Schweiß und Sanskrit-Gesängen.

Die Arbeitskollegen

Kollegen, die selbst Yoga praktizieren, verstehen mich, wenn ich ihnen von der 8 Uhr-Klasse vorschwärme, in der ich gerade war (und wegen der ich das 9 Uhr-Meeting verpasst habe). Sie verstehen, dass es eigentlich kein besseres Thema für ein gepflegtes Tischgespräch gibt als Yoga. Und die letzten beiden Geburtstagsgeschenke von den Arbeitskollegen waren dementsprechend auch eine Yogamatte und eine Privat-Session Bier-Yoga. Ich beginne nächste Woche einen neuen Job und freue mich schon jetzt auf die anderen Yogis im Businessoutfit.

Die Blogger

Wenn man selbst nichts mit Bloggen am Hut hat, wird man wahrscheinlich auch eher weniger Blogger durchs Yoga kennen lernen. Ich hatte aber das Glück, schon einige wirklich gute Blogbetreiber kennen zu lernen. Und ich bin freudig überrascht, wie harmonisch diese Szene ist. Denn obwohl es thematisch durchaus Überschneidungen gibt, habe ich nicht das Gefühl, dass ein großes Konkurrenzdenken herrscht und dann laden einen die Kollegen auch noch ein, bei ihnen Artikel zu veröffentlichen. Also an dieser Stelle noch mal an alle Blogger-Kollegen, die mir in den vergangenen Monaten geholfen haben: Danke!

Verabredung mit einem Nicht-Yogi (1980)
Verabredung mit einem Nicht-Yogi (1980)

Hauptsache Yoga

Auch wenn sich dein Freundeskreis nicht komplett verändert, nur weil du Yoga praktizierst, wird sich deine Praxis langfristig doch auf dein Sozialverhalten auswirken. Du willst bald verstärkt indisch essen gehen. Beim Feiern trinkst du nicht so viel und verabschiedest dich als Erster, weil du gelernt hast auf deinen Körper zu hören und ihn zu achten und außerdem am nächsten Morgen zum Yoga möchtest. Und du lernst – ob du möchtest oder nicht – ganz viele neue Leute kennen. Vielleicht ist sogar die Liebe deines Lebens dabei, vielleicht sind es auch „nur“ wirklich nette Menschen, die du irgendwann Freunde nennst. Und falls deine Nicht-Yogi-Freunde sich irgendwann bei dir beschweren, dass deine Gedanken nur noch um die Matte kreisen, denk daran: Eine gemeinsame Yogaklasse ist auch eine Verabredung. Namaste.

 

Titel-Foto von der verständnisvollen Liza-Anneth Meinhof.

Ein Gedanke zu „Was Yoga mit dir macht – Teil 3: Dein Freundeskreis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *