Was Yoga mit dir macht – Teil 1: Dein Körper

Karmapunkte sind die neuen Bonusmeilen

Als ich anfing Yoga zu praktizieren, wollte ich primär meinem Körper etwas Gutes tun. Ich war ein typischer Schreibtischtäter, mit Rollkoffer, immer unterwegs und den ganzen Tag im Büro über den Laptop gebückt. Ich konnte förmlich dabei zuschauen, wie die Mischung aus körperlicher Fehlhaltung und massivem Stress mich zu etwas werden ließ, was anatomisch so niemals von der Natur vorgesehen war: Ein verdammter Roboter, der innerhalb weniger Jahre die umgekehrte Form eines Büromöbels annehmen würde.

Eine Freundin von mir, die ebenfalls ein MacBook und einen Rollkoffer besaß, hatte auf Geschäftsreisen immer ihre Yogamatte dabei, und während ich mir das dritte Feierabendbier gönnte (mein Körper anatomisch an ein Barmöbel angepasst), war sie schon glücklich in Shavasana. Diese Freundin bewegt sich im allgemeinen äußerst grazil und leichtfüßig, was im grauen, menschenfeindlichen Bürokontext einen ganz besonderen Effekt hat. Ich ging bald davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen ihrer vorbildlichen Haltung und ihrer Yogapraxis geben musste. Dadurch inspiriert, legte ich mir eine eigene Matte zu und besuchte – Tadaaaa! – meine erste Yogaklasse. Dafür ist mir mein Körper noch heute dankbar.

I’ve got the Power. Nicht.

Jeder (Mann), der zum ersten Mal Yoga übt, ist überrascht, wie viel Kraft es erfordert, die Asanas richtig auszuführen. Wir Typen halten uns immer für superstark, sehen aber, wenn wir alle drei Krieger nacheinander durchhaben und uns in den stehenden Spagat strecken, anfangs eher wacklig aus. Es erfordert eben einiges an Muskelkraft, um die verkürzten Sehnen der Beine zu dehnen. Obwohl ich regelmäßig Krafttraining gemacht habe, hat es Monate gedauert, bis mein Körper mit der ganzheitlichen Belastung durch Yoga halbwegs klar kam. Heute fühle ich mich dank Yoga einfach stark. Nicht aufgepumpt oder kräftig, sondern aus meinem Inneren heraus stark.

Immer flexibel bleiben

Jeder Yogi erinnert sich an seine erste stehende Vorwärtsbeuge (Uttanasana). Die Beine sind gestreckt, du beugst dich nach vorne um den Boden mit deinen Händen zu berühren und dieser verdammte Boden ist gefühlt einen halben Meter von deinen Fingerspitzen entfernt. Aber jeder (brave) Yogi weiß auch, dass schon nach einigen Wochen regelmäßiger Praxis die Bänder und Muskeln flexibel werden. Und schon bald lassen sich Asanas, die anfangs menschenunmöglich? erscheinen, mit einem selbstbewussten Lächeln auf dem Gesicht ausführen. Und nicht nur beim Yoga ist diese Flexibilität von Vorteil, auch im Alltag und bei der Arbeit profitiert unser Körper von der erhöhten Beweglichkeit. Beim Sex übrigens auch, selbst wenn man das Kamasutra – nicht durcharbeitet.

YogadudeStrand

Ganz schön in Form

Wenn du jetzt gerade im Büro sitzt, schau dich mal kurz zu deinen Kollegen um. Wenn einer von ihnen mit aufgerichteter Wirbelsäule am Schreibtisch sitzt, statt über den Monitor gebeugt an seinem Schreibtisch zu kauern, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er Yogi ist. Die gerade Haltung ist die sichtbarste Veränderung, die Yoga an deinem Körper vornimmt und Yogis haben dadurch eher selten „Rücken“. Eine weiterer Effekt des Yogaübens sind dezente, feste Muskeln am ganzen Körper. Und die mögen wir alle.

Die äußere Balance

Am Anfang meines Lebens als Yogi habe ich mich extrem schwer getan mit allen Asanas, bei denen man auf einem Bein steht. Das hat verschiedene Gründe, der Hauptgrund ist natürlich fehlendes Training. Denn Feinmotorik und Balance hängen primär von der Muskulatur ab und die will erst einmal trainiert sein. Außerhalb der Yogaklasse habe ich persönlich recht wenig praktische Anwendung dafür, meistens kann ich auf zwei Beinen stehen. Ich freue mich aber über diese neue „Superkraft“ und erwische mich manchmal dabei, wie ich (eigentlich wie ein Hund) ein Bein hebe (dabei aber nicht mein Revier markiere).

Langfristig fit

Wer vernünftig Yoga praktiziert, tut seinem Körper mit Sicherheit einen Gefallen. Wie bei jeder körperlichen Betätigung gilt natürlich: Höre auf deinen Körper und frag im Zweifel einen Arzt. Wichtig ist auch, alle Asanas korrekt auszuführen. Schon mit relativ kleinen „Fehlern“ lassen sich doch immense Schäden anrichten. Das gilt auch für alle, die mit sehr viel Ehrgeiz auf die Matte gehen (primär sind das natürlich Männer) und sich dabei übernehmen, weil „es muss“. Wenn man diese Punkte aber beachtet und regelmäßig dabei bleibt, kann man sich nicht nur über Kraft, Haltung und Feinmotorik freuen, sondern laut einigen Studien langfristig auch über stärkere Knochen, ein gesundes Körpergewicht und ein verringertes Risiko von Herzerkrankungen.

Im nächsten Teil dieser kleinen Reihe erfährst du, was Yoga sonst noch mir dir Macht. Zum Beispiel mit deinem Kopf. Bis dahin immer schön weiter üben und Namaste!