Studiocheck Berlin: Yoga Rebellion

Die Rebellion beginnt im Wedding

Historisch gesehen ist der Wedding so etwas wie die revolutionäre Keimzelle der Republik: Bereits im 19. Jahrhundert entstand aus den Arbeiterbewegungen das, was heute die (zugegebenermaßen etwas weichgespülten) Sozialdemokraten sind. Und bei der verdammten Reichstagswahl 1933 kamen die wenigsten Stimmen aller Berliner Bezirke aus dem Wedding, die kommunistische KPD konnte hier überragend siegen. Der Wedding lebt noch heute von diesem Erbe und viele Neu- und Bestandsberliner zieht es in den letzten Jahren raus aus dem gentrifizierten Kreuzberg und Neukölln in den Nordwesten der Stadt. Wo, wenn nicht hier, lässt sich eine Rebellion starten?

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Nah am Wasser gebaut

Genau diesen Gedanken hatten Laura Gerber und Carsten Fleck als sie nach einem Standort für ihre Yogaschule suchten. Fündig wurden sie auf der kleinen Halbinsel, wo die Seestraße auf den Westhafen trifft. Als zentrale Lage lässt sich das nicht mal von gewieften Immobilienmaklern bezeichnen, doch die Vorteile liegen auf der Hand: Die Schule liegt auf einem weitläufigen ehemaligen Industrieareal geradezu konspirativ im Abseits. Und als wahrscheinlich einziges Yogastudio Berlins direkt am Wasser. Wer möchte, kann tatsächlich direkt am Bootssteg festmachen und eine Yogaklasse besuchen, bei gutem Wetter finden die Klassen sogar direkt auf dem Steg statt. Und weil das nicht genug ist, gibt es hinter dem Studio eine Rasenfläche, auf der ebenfalls Yoga praktiziert werden kann. Revolutionär? Auf jeden Fall.

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Tänzerin trifft Fotografen

Die Anführer der Yoga Rebellion sind erfahrene Yogis, bei denen der Flow sogar Teil des Lebenslaufs ist. Laura wuchs in der Schweiz auf, wo sie schon früh Ballett tanzte, bevor sie über die Kampfkunst Kendo und Indischen Tanz hin zu Mudra Yoga und der so genannten Martha Graham Technik (eine Verbindung von Yoga und Tanz) gelangte. In New York vertiefte sie fünf Jahre lang ihre Tanzausbildung und studierte anschließend noch Fashion Design. Wow.

Carstens Vita liest sich vielleicht noch imposanter (er ist allerdings auch der Ältere der beiden): Nach der Schule hat er erst mal solide eine Banklehre hingelegt, um dann mit der Marine über den Atlantik zu segeln. In dieser Zeit hat er dann zum ersten Mal in New York festgemacht, wo er später 17 Jahre lang als Fotograf arbeiten sollte. In New York besuchte er auch seine ersten Yogaklassen, unter anderem bei Pattabhi Jois, dem Gründer des Ashtanga Yoga. Ahoi. Seit 2013 ist Carsten zurück in Deutschland und unterrichtet seitdem in verschiedenen Schulen in Berlin.

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Keine Systemkritik ohne System

Basierend auf klassischem Ashtanga Yoga haben die beiden Betreiber von Yoga Rebellion ein „integratives Baukastensystem“ entwickelt, bei dem die einzelnen Klassen aufeinander aufbauen. Basis sind die „Align“-Klassen, bei denen es (wie der Name schon verrät) um die richtige Ausrichtung der Asanas geht. Basierend darauf gibt es für erfahrene Yogis die „Stretch“-, „Flow“- und „Strength“-Klassen (auch hier sprechen die Namen für sich) in verschiedenen Längen von bis zu 120 Minuten. Ich habe mir zum Testen eine 60-minütige „Flow“-Klasse gegönnt und war am Ende glücklich und verschwitzt. Zwei Stunden in dieser Intensität hätten mich sicher mehr flüssig als fest werden lassen. Ergänzend zu den körperlich ansprechenden Yogaklassen bieten Laura und Carsten auch noch geführte Meditationen an. Das mache ich dann beim nächsten Besuch besser mal.

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Yoga kann die Welt retten

Laura und Carsten arbeiten aktiv an der Rebellion durch Yoga. Ihrer Meinung nach ist Yoga mittlerweile zu sehr domestiziert, es fehlt ihnen an Spannung. Dabei ist Yoga mehr als Rückengymnastik und Auf-dem-Boden-Rumsitzen. Yoga lässt uns Grenzen überwinden, körperlich und im Kopf. Die Rebellion beginnt, wenn wir Dinge tun, von denen wir niemals dachten, dass wir sie können. Besonders Männer haben hier immer wieder Aha-Erlebnisse. Zum einen erfahren sie, dass Ashtanga Yoga ein körperlich hartes Workout ist. Und zum anderen lässt es sie Erfolgserlebnisse haben (den ersten Kopfstand zum Beispiel, den Laura gerne mal in der ersten Klasse machen lässt). Überhaupt lernen vor allem Männer beim Yoga viel über sich selbst, wenn sie sich nur darauf einlassen. Demut. Schwäche. Identität. Und in dieser brutalen, männerdominierten Welt hat Yoga laut Laura und Carsten durchaus das Potenzial, die Welt zu retten. Der erste Schritt dahin ist ihrer Meinung nach der Schritt auf die Matte: Die Leute müssen „erst mal machen“, dann entdecken sie Yoga von selbst und verändern sich. Ein schöner Gedanke.

Die Yoga Rebellion findet jeden Tag statt, den aktuellen Stundenplan gibt es auf der Website.

Yoga Rebellion
Seestraße 131
13353 Berlin
Tel.: +49-157-759-85230
E-Mail: info@yogarebellion.com

Fotos von Carsten Fleck / Yoga Rebellion

8 Gedanken zu „Studiocheck Berlin: Yoga Rebellion&8220;

  1. Chapeau !! Super Beitrag und Gratulation! Ich wünsche Euch viel Erfolg und bleibt bei der Einzigartigkeit Eures Konzeptes.
    Alles Gute und die besten Wünsche
    Angelika vom Tegernsee

  2. „Yoga Ruins Your Life“! Das war der Titel einer Videodokumentation über Ashtanga Yoga … als ich eine Form des Yogas suchte, die „noch irgendwie männlich“ war. Wenn schon Yoga, dann die anspruchsvollste Art. Männer-Ego halt 😉
    Die Klassen in der YogaRebellion können sehr fordernd und im positiven Sinne „ego-zerstörend“ sein … Was für eine Bereicherung! „Yoga Ruins Your Life“ … Geht hin und spürt es am eigenen Leib … #bestesyogastudioberlins 😉

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