Studio-Check – Yoga Hive Karlsruhe

Dann geh doch nach Berlin!

Die meisten (Yoga-)blogs finden in der großen weiten (Yoga-)Welt statt: München oder Berlin, New York oder Tel Aviv. Der Yogadude ist da keine Ausnahme. Mein Leben ist eine Aneinanderreihung von Reisen zu den krassesten Orten des Planeten, wo ich den spannendsten Persönlichkeiten unserer Zeit begegne. Na ja, fast. Eigentlich lebe ich erst seit ein paar Monaten in München und nach Berlin hatte es mich erst Jahre nach dem Studium verschlagen. Was auch daran liegt, dass ich aus Karlsruhe stamme, einer Stadt, die alles (außer erstklassigen Fußball) hat: Unverschämt gutes Wetter, spannende Lage zwischen Schwarzwald und Elsass, eine äußerst hohe Gastronomiedichte und den besten Badesee der Welt!

Gibt’s in dem Kaff auch Yoga?

Karlsruhe hat so viele Einwohner (und mindestens so unverständliche Dialekte) wie Berlin-Neukölln und dort gibt es mittlerweile doch relativ viele gute Yogaschulen. Und natürlich ist man in meiner neuen „Metropole“ (München ist ja irgendwie auch ein Kaff) mit Studios verwöhnt, aber Yoga passt meiner Meinung nach perfekt nach Karlsruhe. Die Mischung aus Lebensgenießern und Schönwettermenschen hat einen Sinn fürs Entspannen und gönnt sich gerne mal (z.B. Wein zum Mittagessen). Außerdem ist alles mit Bewegung dauerhaft angesagt – man kann im Badischen zum Beispiel sehr gut alle Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen – und das schwüle Wetter verbreitet im Sommer indisches Flair. Also gibt es hier logischerweise auch Yoga. Und obwohl ich seit fast sieben Jahren nicht mehr in der Fächerstadt (man sagt aus irgend einem Grund nicht Pyramidenstadt, s.u.) lebe, stelle ich fest, dass die Yogagemeinde vor Ort regen Zuwachs hat. Meine  Ausflüge in die alte Heimat nutze ich , um immer wieder mal ein Yogastudio zu besuchen. So auch letzte Woche.

Im Zeichen des Pyramidenfächers.

Die beiden miteinander konkurrierenden Wahrzeichen Karlsruhes sind der Fächer (ursprünglicher Grundriss der Stadt) und die Pyramide (gräfliches Grabmal auf dem Marktplatz). Da wundert es nicht, dass jede Karlsruher Firma, die etwas auf sich hält, eines dieser Symbole in ihr Logo mit aufgenommen hat. Die Stadt Karlsruhe geht da mit gutem Beispiel voran und hat zu beiden Ikonen noch die Badischen Farben mit in ihr Emblem aufgenommen. Overdose! Aber zu meiner vollsten Verwunderung gibt es in Kallsruh’ Rock City (noch) kein einziges Yogastudio, dass sich zu einem „Om“ in der Pyramide oder einem „Mantrafächer“ als Logo hat hinreißen lassen. Auch der Yoga Hive nicht, ein Studio, über das ich letzten Sommer auf Facebook gestolpert bin und es damals schon kurz nach seiner Eröffnung besucht habe.

Was ist das für 1 Hive?

Weil ich es leider nicht mal fürs Studium in eine internationale Weltstadt geschafft habe (Sorry, Pforzheim), ist mein Englisch noch auf (mittelmäßigem) Abi-Niveau und ich musste erst mal googlen, wer oder was ein Hive ist. Nun weiß ich: Es handelt sich um einen Bienenkorb. Und der Name Yoga Hive ist gut gewählt: Vor fast genau einem Jahr haben Sisa und Silke das Studio eröffnet. Als einen Ort, an dem man „Yoga praktizieren und entspannen, aber auch Gleichgesinnte treffen, sich austauschen und Neues ausprobieren“ kann. Die beiden Gründerinnen haben in ihren Lebensläufen einige Parallelen zu meiner Vita: Agenturkarriere, Schnauze voll, Yoga entdeckt. Da wundert es nicht, dass Sisa und Silke ihren SchülerInnen einen Raum anbieten möchten, wo man es sich gut gehen lassen und sich weiter entwickeln kann. Angebot angenommen.

Kreuzberg ist in Baden(-Württemberg).

Okay, eigentlich ist ja halb Baden-Württemberg mittlerweile in Kreuzberg („so günschdig“). Aber wer zum Yoga Hive geht, bekommt schon ein gutes Stück Karlsruher Hinterhof-Romantik vorgesetzt. Das Studio ist in einem kleinen Backsteingebäude in zweiter Reihe untergebracht, man blickt aus den Fenstern auf verschachtelte Backsteinfassaden und zugewachsene Balkons der Vorderhäuser. Ich liebe die Südweststadt, einen eher ruhigen Stadtteil mit Nähe zu Zentrum, Hauptbahnhof und Natur. Hier bin ich geboren, hier haben meine Großeltern 50 Jahre gelebt und meine letzte Adresse in Karlsruhe war nur 100 Meter vom Yoga Hive entfernt. Hach, da bekommt man richtig Heimweh. Der Yoga Hive ist nicht besonders groß, aber sehr charmant, nicht nur aufgrund seiner versteckten Lage. Es gibt zwar keine Umkleide, aber immerhin eine Toilette und geübt wird auf uralten Dielen, die schon viel gesehen haben und bei jedem Sonnengruß solidarisch mitknarren. Profi-Tipp für Yogis: Nicht mit dem Auto zum Yoga Hive fahren, Parkplätze sind in der Südweststadt Mangelware. Und in Karlsruhe fährt man ja sowieso mit dem Rad oder der „Strombüchs“ (Tram).

Schaffe, Spare, Yogastudio.

Seit meinem ersten Besuch im Hive hatte ich mit den Gründerinnen immer wieder Kontakt. Was ich am Schönsten finde ist, dass sie ihr Studio nicht lange geplant, sondern es „einfach gemacht“ haben. Statt ewig an irgendwelchen Businessplänen und Marketingstrategien zu arbeiten, haben sie einen Raum gemietet, eine Website gebaut und Yogastunden angeboten. Zack-zack, Baden-Württtemberg-Style. Und genau so einfach sollte es ein. Mittlerweile werden an vier Tagen pro Woche Klassen angeboten, regelmäßig gibt es Workshops und Events – mit steigender Tendenz. Anlässlich des ersten Geburtstags des Yoga Hive war ich letzte Woche zu einer Outdoor-Klasse und anschließender Studioparty eingeladen. Ganz Badisch natürlich mit Prosecco und herrlich ungesundem Essen. Mir hat es unheimlich Spaß gemacht, ich freue mich sehr über jede Verbindung, die ich zu meiner Geburtsstadt halten kann. Und weil Karlsruhe eben doch ein Kaff ist, habe ich beim Hive-Geburtstag zufällig gleich zwei alte Freunde getroffen. Krass. An Tagen wie diesem frage ich mich dann, warum ich die Südweststadt eigentlich verlassen habe. Und so wirklich weiß ich es heute auch nicht mehr. Ich komme bald wieder, zumindest in den Yoga Hive. Namaschde.

Yoga Hive
Klauprechtstraße 5
Im Hinterhof
76137 Karlsruhe

​hello@yogahive.de
www.yogahive.de

Fotos: Yoga Hive / Maria Kress