Mein erstes Mal – Yoga mit der Fitnessrolle

Was denn noch?

Der Übungsraum eines Yogastudios ist für mich am schönsten, wenn er ganz leer ist. Manchmal habe ich es schon so früh zur Morgenklasse geschafft, dass ich der Erste im Raum war. Und die leere Fläche mit dem Parkettboden – in meiner Erinnerung frisch gebohnert und von einer Seite leicht sonnenbeschienen – strahlt einfach eine einzigartige Ruhe aus. Dann kommt die Realität: Das schöne Parkett von bunten Matten belegt, überall Decken, Gurte, Blöcke und dazu noch die Taschen und Klamotten der Schüler (und natürlich die Schüler selbst). Brauchen wir wirklich so viel Zubehör für die Yogapraxis? Geht es nicht eigentlich nur um meinen Körper und mich?

Total von der Rolle

Die ganzen Yoga-Props entsprechen zwar nicht unbedingt meinem Sinn für Ästhetik, die meisten davon sind allerdings ganz schön hilfreich. Ich persönlich liebe es, eine Decke zu benutzen, als Unterlage zum Sitzen und als Kuschelhilfe bei Savasana. Zu einem Block sage ich bei bestimmten Asanas auch nicht nein und mit dem Gurt lässt sich ebenfalls gut arbeiten. Etwas freakiger wird es dann schon mit dem Klappstuhl oder anderen Helferlein, wie zum Beispiel dem FeetUp Trainer für Umkehrhaltungen. Aber natürlich bin ich auch ziemlich neugierig darauf Neues auszuprobieren und schon seit einiger Zeit sieht man in vielen Studios diese schwarzen Fitnessrollen rumliegen, mit denen man seine Faszien trainieren kann. Zeit, sich das mal in Ruhe anzuschauen.

Einfach faszienierend

Als mir das erste mal eine Fitness- bzw. Faszienrolle vorgestellt wurde, habe ich wissend genickt und mir eine geistige Notiz gemacht: Schnellstmöglich „Faszien“ googlen. Genau das habe ich jetzt gemacht und weiß: „Als Faszien bezeichnet man die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes, sie durchdringen den kompletten Körper als ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk. Faszien wirken unter anderem wie Stoßdämpfer für die Knochen und haben sogar einen Effekt auf das Immunsystem. Zudem unterstützen sie die Heilung von verletztem Gewebe.“ Aha. Das ist doch schon einiges, dafür, dass ich noch nie von diesen Dingern gehört habe. Danke, Wikipedia. Danke, Faszien.

Das Problem: Wie immer der Mensch.

Leuten wie mir (ohne tieferes anatomisches Wissen) werden Faszien als „das Weiße zwischen Fruchtfleisch und Schale einer Orange“ beschrieben. Also im Prinzip eine Gewebeschutzschicht. Die unsichtbaren Wunderdinger unter unserer Haut neigen leider dazu, durch Stress, mangelnde Bewegung oder Fehlhaltungen zu verhärten, verkürzen oder zu verkleben. Das wiederum nimmt den Muskeln ihre Beweglichkeit (hat irgendwas mit Elastin und Kollagen zu tun und überfordert mich ebenfalls) und dem Körper die Flexibilität. Und manchmal tut das auch ganz schön weh.

Die Lösung: Wie immer Yoga.

Das hier ist ein Yoga-Blog, darum ist Yoga selbstverständlich die Antwort auf alle Fragen. Logisch. Streng genommen könnte man auch „normales“ Faszientraining machen, aber streng genommen könnte man auch in die Muckibude rennen und danach kiffen anstatt Yoga zu praktizieren. Und ganz streng genommen ist die Lösung für intakte Faszien das Dehnen der Faszien durch das Trainieren des Bindegewebes. Und weil Yoga bzw. die Asana-Praxis sehr viel mit Dehnen zu tun hat, liegt es auf der Hand, auf der Matte auch mal speziell an die Faszien zu denken.

Faszien-Yoga. Like a boss.

„Normales“ Yoga (gibt es das?) ist schon mal ein guter Anfang, wenn man seinen Faszien gönnen will. Richtig effizient wird es aber, wenn man ein kleines Helferlein dabei benutzt, und damit wären wir wieder bei der kleinen schwarzen Walze. Die lässt sich bei vielen Asanas ein-, unter- oder zwischenklemmen und wirkt dadurch relativ hart auf das Bindegewebe ein. Unterstützt wird dieser Effekt durch sehr langsames und langes Ausführen der Übungen. Laut Wissenschaft wird so neues Kollagen (s.o.) im Körper gebildet und die Elastizität der Faszien erhöht. 

Und wie war es?

Zu allererst: Was ich mit der Rolle mache, hat mit Yoga nicht wirklich viel zu tun, finde ich. Es ist schon eher eine Mischung aus Workout und Physiotherapie in Eigenregie, allerdings eine überraschend wirksame Mischung. Die ersten paar Male fand ich das Üben mit der Rolle in erster Linie schmerzhaft. Trotzdem kann ich diese Praxis guten Gewissens weiterempfehlen. Vor allem, wenn man an schmerzhaften Verspannungen leidet, ist sie in vielen Fällen eine gute Ergänzung zu Physiotherapie und Co. Doch wie bei allem, was im Körper komisch läuft, würde ich auch beim Rollentraining unbedingt einen Arzt oder mindestens einen erfahrenen Yogalehrer befragen: Sicherlich kann man auf eigene Faust auch einiges verschlimmbessern und der Rücken verzeiht bekanntermaßen nicht so gerne. Bei mir hat sich nach einiger Zeit allerdings ein spürbarer Effekt eingestellt: Meine körperliche Dauerbaustelle ist und bleibt der untere Rücken und mit der Rolle konnte ich hier spürbar die Muskeln entspannen. Und ganz ehrlich: Dafür nehme ich die anfänglichen Schmerzen und ein zusätzliches Zubehörteil im Übungsraum gerne in Kauf. Namaste.

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