7 Dinge, die ich von einer Laufsportgruppe für meine Yogapraxis gelernt habe

Run, Baby, Run!

Als Yogalehrer-Anfänger stürzt man sich auf jede Chance zu unterrichten. Eine gute Möglichkeit dafür sind Vertretungen für andere Lehrer, die krank oder in Urlaub sind. Ich hatte kürzlich das Glück, dass jemand anderes Pech hatte (Sportverletzung) – und so vertrat ich diese Person (es geht ihr wieder besser), vier Wochen lang als Yoga Coach der Adidas Runners München. Es hat aber auch super gepasst für mich: Ich bin selbst früher mal Marathon (davon-) gelaufen und die Adidas Runners kenne ich von meiner Teilnahme am WANDERLUST 108 in München. Vorher habe ich mir natürlich meine Gedanken gemacht: Erwarten mich da „richtige“ Yogis oder sind das einfach ein paar Laufverrückte, die ihre verkürzten Beinrückseiten dehnen wollen? Und egal, was sie von der Klasse erwarten: Passt ihnen mein Stil und am Ende auch meine Visage? Na ja, Letzteres war dann eigentlich auch egal, weil ich für vier Wochen im Voraus gebucht war, hehe. Aber als diese vier Wochen letzten Freitag dann schon wieder vorbei waren, ist doch das eine oder andere aus unseren Yoga-Sessions bei mir hängen geblieben.

Das habe ich von den Adidas Runners München über Yoga gelernt:

1. Teamgeist

Obwohl man als Läufer oft alleine im Wald unterwegs ist (Freaks!), sind Laufsportler echte Gruppenkuschler: Vor und nach der Klasse wurde immer munter gequatscht, gelacht und über das vergangene und nächste Wochenende gesprochen, das man zusammen verbracht hat. In einer „normalen“ Yogaklasse (gibt es das überhaupt?) ist mir das so noch nicht passiert.

2. Cheerleader

Nach der letzten Klasse am Freitag habe ich mitbekommen, dass die Adidas Runners, die nicht am München Marathon teilnehmen, sich zum Anfeuern an der Strecke treffen. Jeder, der sich schon mal so ein Wettrennen angetan hat, weiß wie wichtig die Menschen an der Strecke sind. Aber wer feuert uns eigentlich beim Yoga an? Vielleicht sollte ich als Yogalehrer diese Rolle in Zukunft stärker annehmen.

3. Trainingseifer

Yoga ist keine Competition (ich kann es nicht mehr hören). Aber trotzdem freut sich jeder Yogi über eine komplizierte Asana, die er endlich gemeistert hat oder ein neues Müskelchen, das sich irgendwo unter der Haut zeigt. Nur mit der Disziplin beim Üben haben wir Yogis es manchmal nicht so ganz (ist ja schließlich auch keine Competition), da können wir uns von den Läufern noch was abgucken, finde ich.

4. Humor

Wenn es mit den Adidas Runners irgendwas war, dann lustig. Denn selbst bei wirklich anstrengenden Sequenzen konnten die Laufsportyogis noch mindestens über sich selbst lachen. Das machen wir Yogis auch, aber für meinen Geschmack noch etwas zu leise.

5. Ganzheitlichkeit

Als ich noch aktiv gelaufen bin, habe ich das Stretching nach dem Training gerne ausgelassen und gleich den Kühlschrank geplündert. Dementsprechend bin ich bei meiner Vertretungsklasse davon ausgegangen, dass ich auf massenhaft verkürzte Muskeln, Sehnen und Faszien treffe. War aber gar nicht so, scheinbar achten die yogenden Läufer ganz gut auf sich, während ich als yogender Radler keinerlei Ambitionen auf ein ergänzendes Cardio-Training o.ä. habe.

6. Härte

Ich würde meinen Unterricht als körperlich doch eher fordernd bezeichnen, aber die Laufsportgruppe hat sich da keine Schwächen erlaubt. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass man recht hart im Nehmen sein muss, wenn man 42 Kilometer (oder auch nur 10!) schnell zu Fuß hinter sich bringen will. Und auch wenn ich ein großer Fan von Achtsamkeit beim Yoga bin – ein bisschen Schweiß muss auch auf der Matte fließen. Sorry, Schüler.

7. Gummibärchen

Das Highlight der vier Wochen: Nach jeder Yoga-Session mit den Adidas Runners München gab es Gummibärchen, die ein Schüler mitbrachte. Scheinbar ist das seine eigene kleine Tradition und ich habe jedes Mal gerne zugegriffen, denn irgendwie gibt es fast nichts Besseres nach Savasana als Süßigkeiten. Aber warum gibt es das beim Yoga eigentlich nicht?

Läuft bei uns.

Ich gebe zu, ich hatte die Situation falsch eingeschätzt. Was ich genau erwartet hatte, weiß ich eigentlich gar nicht. Aber was ich bekommen habe, schon: Eine Gruppe von ambitionierten Sportlern, die ihre Yogapraxis ernst nehmen und sich mit dem Herzen darauf einlassen. Ich bin selbst immer gerne gelaufen, aber auf den Leistungsdruck, den ich mir dabei gemacht habe, kann ich gerne verzichten. Bei meinen Vertretungsyogis war davon allerdings nichts zu spüren, die waren alle mega entspannt bei der Sache – manche mit mehr, andere mit weniger Yogaerfahrung. Und ich hoffe natürlich, dass sie etwas aus unseren vier gemeinsamen Wochen mitgenommen haben. Aber unterm Strich konnte ich letztendlich wohl mehr von ihnen lernen als umgekehrt. Vielen Dank. Namaste.

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Fotos: Liza „wir haben uns fast während eines Halbmarathons scheiden lassen“ Meinhof