Yogadude im Interview – Jürgen Laske, Bausinger Yogamanufaktur

Letztes Jahr habe ich für meinen Männer-Yogamattentest intensive Recherchen betrieben und viele Anbieter von Yogamatten angeschrieben. Von allen Kontakten ist mir einer ganz besonders in Erinnerung geblieben: Jürgen Laske, einer der beiden Geschäftsführer der Bausinger Yogamanufaktur. Er war der Einzige, der mich im Rahmen der Zusammenarbeit einfach zurückrief und mir mit Leidenschaft und Sachverstand von Yogamatten, Materialien und – zwischen den Zeilen – der Suche nach dem Sinn des Lebens vorgeschwärmt hat. Wir haben uns damals lange unterhalten und ich fand, dass er eine schöne Geschichte zu erzählen hat. Also beschloss ich, ihn irgendwann in seiner Firma zu besuchen. So wie man solche Dinge eben spontan beschließt (und niemals wahr werden lässt). Nur, dass ich mich einige Monate später einfach ins Auto gesetzt und auf den Weg in einen der entlegensten (und idyllischsten) Winkel Baden-Württembergs gemacht habe, um unser Gespräch tatsächlich fortzuführen.

Was würdest du tun, wenn du keine Angst hast?

Dieser Spruch fiel gleich zu Beginn unseres Gesprächs und er hat es wirklich in sich. Wenn Jürgen dann von seinem bisherigen Leben berichtet, war Angst aber offensichtlich nie wirklich sein Problem. Er ist Mitinhaber und -Geschäftsführer einer der wenigen echten Yoga-Traditionsmarken in Deutschland und sieht sich selbst aber eher als Yogalehrer, der eben auch bei Bausinger arbeitet. Nach dem Studium der Informatik sah bei ihm erstmal alles nach einer Konzern-Karriere aus. Dann ist er aber mit seiner Frau nach Asien gezogen, hat sich dort um Haushalt und Kinder gekümmert und ist erst nach 20 Jahren Nomadentum durch Indonesien, China und Bangladesch wieder zurück nach Deutschland gekommen. Nicht nach Berlin, München oder Stuttgart, sondern auf die Schwäbische Alb, wo man auch Anfang April noch vereinzelt Schnee am Straßenrand findet. Hier gab es Filterkaffee, eine gemütliche Couch und ein langes, nettes Gespräch zwischen zwei Yogis und Familienvätern:

Jürgen, bisher dachte ich, dass ich in einer Nomaden-Familie lebe. Aber gegen deine Wohnortwechsel sind unsere Umzüge innerhalb Deutschlands geradezu Wochenend-Trips. Wie ging das bei euch los?

Meiner Frau und mir war eigentlich immer klar: Wir wollen mal unter Palmen arbeiten, weil uns Deutschland auch zu eng war. Alle meine Kollegen haben hier nur rumgemeckert: über ihre Beziehung, das Wetter, das Finanzamt und die Politik. Alles war schlecht, ich habe das dann nicht mehr ertragen. Über den Job meiner Frau hat sich dann die Möglichkeit ergeben ins Ausland zu gehen. Sie ist voraus und ich – ohne Job – hinterher. Es gehen ja immer neue Türen auf, wenn man alte schließt. Und wenn es nicht klappt, geht man halt zurück. Wir haben dann in Indonesien angefangen, meine Frau hat dort fünf Jahre gearbeitet. Das erste Jahr davon war ich noch in Deutschland und wir hatten eine Fernbeziehung ohne Skype und E-Mail. Als ich die ersten Briefe geschrieben habe, habe ich zwei Monate lang keine Antwort bekommen. Die Post wurde dort einfach nicht zugestellt, Telefon ging nur bis in den Monsun, dann konnte nicht weitervermittelt werden. Das war natürlich eine ganz andere Zeit damals in den 90ern. Wir haben in Indonesien auch geheiratet und unser erstes Kind bekommen. Völlig unbedarft. Nach fünf Jahren wollten wir dann aber zurück nach Deutschland, ich hatte ein Jobangebot in Ingolstadt, alles war eigentlich geklärt. Und Freitagabends ruft der Chef meiner Frau an und fragt, ob sie sich vorstellen könnte, nach China zu gehen. Sie hätte bis Montagmorgen Zeit, sich zu entscheiden. Da haben wir uns kurz angeguckt und es war klar: Wir gehen nach Shanghai.

Und dort bist du zum Yoga gekommen, oder?

An unserem dritten Tag in Shanghai habe ich einen anderen Deutschen kennengelernt, den Joe. Ein Bär von einem Mann, tätowiert, ein richtiger Rocker mit einem freundlichen Lächeln. Und der hat mich gefragt, ob ich nicht mit ihm Yoga machen wollte. Das war der Anfang. Er war damals gerade in seiner Kundalini-Ausbildung und das hat mich gleich angesprochen: Die Ganzheitlichkeit, das Körperliche, das Chanten. Ich habe da meine Stimme entdeckt, die hatte ich vorher gar nicht, das war mir fremd. Also habe ich mit dem Joe ein Jahr lang Yoga praktiziert, als Ex-Pats konnten wir unsere Kinder mittags ans Kindermädchen abgeben und 1,5 Stunden in unserer Wohnanlage üben. Wir haben das dann gemeinsam aus unseren Büchern vorbereitet und begonnen, uns gegenseitig zu unterrichten.

Aber du warst ja eigentlich noch kein Lehrer.

Ja, aber ich hatte irgendwann die Möglichkeit, bei Joes Lehrerin die Yogalehrerausbildung zu machen. Und eigentlich wollte ich nie unterrichten, aber die Lehrerin meinte zu uns, wir sollten einfach mal losgehen und das machen. Denn wenn du nicht mehr nur übst und empfängst, sondern anfängst zu unterrichten und zu geben, entwickelt sich der Yoga für dich nochmal neu. Da war ich dann neugierig. Und es ist ja so: Man bereitet sich deutlich besser vor, als wenn man einfach nur zuhört. Du liest, du recherchierst, du übst es und dann, im Prozess des Unterrichtens, des Gebens, hast du diese Vorsicht: Mache ich was falsch? Bin ich richtig? Und diese Achtsamkeit, die du dem Yoga dann widmest, kommt wieder auf dich zurück.

Hast du heute noch Zeit zu unterrichten?

Ja, klar. Ich unterrichte regelmäßig auf Yoga-Festivals und Messen und habe hier in Straßberg eine kleine Männer-Yogagruppe, die ich in Kundalini unterrichten darf. Dafür nutze ich einen freien Raum in der ehemaligen Wohnung über der Firma, den wir auch kostenlos anderen Yogalehrern zur Verfügung stellen.

Ich habe das Gefühl, dass Kundalini gerade der neue „heiße Scheiß“ wird in Sachen Yoga.

Nun ja, Kundalini ist ja zum einen in München sehr präsent. Aber die Zeit ist jetzt auch reif für Kundalini Yoga. Wir hatten ja gerade einen Zeitenwechsel vom Fische- zum Wassermann-Zeitalter. Im Fische-Zeitalter war Lehre etwas Elitäres, man muss sich die Privatschulen leisten können, Universitäten sind mehr oder weniger für die Reichen – so war es in den vergangenen 2000 Jahren. Und jetzt ist, auch durch das Internet, das Wissen universell verfügbar. Deshalb gibt es einen Paradigmenwechsel: Wir brauchen nicht mehr Wissen, sondern vielmehr die Weisheit, Wissen vernünftig anzuwenden. Und das ist der Punkt, wo Kundalini ins Spiel kommt. Denn wir wollen nicht nur die Erleuchtung suchen, sondern die Spiritualität auch auf irdische Füße stellen. Also nicht nur spirituelle Phrasen klopfen und jeden Tag „Peace for the world“ chanten, sondern das auch im Alltag leben. Also die Manifestation im echten Leben. Und wenn Erleuchtung und Manifestation im Einklang sind, dann kommt das, was man Befreiung nennt. Das eigentliche Ziel im Yoga.

Und wie bekommst du das in eure Firma rein manifestiert?

Mit der Art und Weise, wie wir Dinge sehen und miteinander arbeiten und umgehen. Fairness ist einer unserer Markenkernwerte. Und natürlich müssen wir als Unternehmen gewinnbringend arbeiten, wir verzichten aber bewusst auf Zwischenhändler und geben diese Gewinnmarge direkt an unsere Kunden weiter. Und natürlich sind wir auch fair zueinander, unsere Mitarbeiter sind zum Teil 25 Jahre im Unternehmen. Das sagt ja auch einiges aus, denke ich.

Sigmaringen-Shanghai-Straßberg. Das ist schon eine große Strecke, die du in deinem Leben zurückgelegt hast. Wie macht man das?

Wir (meine Frau und ich) haben Glück gehabt, wir haben aber auch immer die Gegebenheiten angenommen, wie sie waren. Man muss aus der Komfortzone raus und darf keine Angst haben. Deshalb auch einer meiner „Wahlsprüche“: Was würdest du tun, wenn du keine Angst hast? Um sich den eigenen Ängsten zu stellen. Ich bin als Schwabe sehr sicherheitsorientiert, sehr konservativ – so bin ich aufgewachsen, in einem eher einfachen Elternhaus in Sigmaringen. Aber immer mit dem Wunsch, die Welt zu erobern. Aber man muss auch ehrlich sein: Wir haben in Ländern wie Bangladesch sehr privilegiert gelebt und mit unseren deutschen Pässen auch immer ein Ticket zurück gehabt, das wir jederzeit lösen konnten.

Hast du, abschließend für mich als angehenden Yogalehrer, einen guten Ratschlag?

Ich finde, es geht beim Unterrichten nicht nur drum, Übungen anzuleiten, Asanas zu lehren oder Kriyas beizubringen. Es geht vielmehr darum, das Bewusstsein zu heben. Das sehe ich auch heute als meine Hauptaufgabe als Yogalehrer. Yogi Bhajan hat gesagt, wir sind Leuchttürme, wir sollen leuchten. Egal ob einer oder hundert Schüler da sind. Den Erfolg des Yogalehrers messe ich nicht daran, wie groß die Klassen sind, sondern wie weit ich die Schüler berühren kann. Also auch wieder Yogi Bhajan: „Poke, provoke and elevate.“ Also leg deinen Finger an eine Wunde deiner Schüler, provoziere eine Reaktion und hilf ihnen so, eine neue Bewusstseinsebene zu erreichen.

Vielen Dank dafür. Und für das nette Gespräch.

Ich danke dir.

Über die Bausinger Yogamanufaktur

Jürgen Laske bildet, zusammen mit Peter Anhäuser, die Geschäftsleitung der Bausinger Yogamanufaktur. Seit mehr als 40 Jahren produziert und verkauft die Firma alles, was man fürs Yoga brauchen kann. Das bekannteste Produkt ist sicherlich die Schurwollmatte, die es mittlerweile in etlichen Varianten gibt. Aber auch klassische Yogamatten, Klamotten und Hilfsmittel gibt es bei Bausinger im Direktvertrieb. Immer im Fokus bei allen Aktivitäten der Marke: Die Kernwerte Bio, Fair und Nah. Darum arbeitet Bausinger mit Lieferanten und Partnern aus der Region und lässt die Produkte auf Verträglichkeit und Umweltverträglichkeit testen und zertifizieren. Vor Ort in Straßberg gibt es einen kleinen Showroom, ansonsten ist die Marke auf Yoga-Festivals und Messen präsent, dieses Wochenende auch bei der Yogaworld in Stuttgart.

Fotos: Yogadude/Bausinger GmbH

 

4 Gedanken zu „Yogadude im Interview – Jürgen Laske, Bausinger Yogamanufaktur&8220;

  1. Was für ein schönes Interview! Ich fühl mich grad wahnsinnig inspiriert. Warum auch immer. Das mit dem Bewusstsein heben funktioniert anscheinend sogar übers Internet 🙂 Danke!

  2. Jürgen rockt!
    Ich kann zwar mit kundalini noch nicht viel anfangen. Aber unsere kurzen Facebookgespräche sind immer sehr lustig und hilfreich.
    Wenn ich jemals in die kundalinirichtung gehe, werd ich mich an Jürgen halten. Er ist einfach ein netter Kerl.

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