Das Yogawort zum Sonntag – Seid’s freundlich

The writing on the wall

Vor Kurzem entdeckte ich beim Spazierengehen diesen Aufkleber, auf dem „Seid’s freundlich“ stand und dachte: Das ist in diesem Land der Schilderschreiber („Nicht…! Kein…! Niemals…!“) endlich mal ein sinnvoller Text. Die Leute könnten wirklich mal etwas freundlicher sein. Nach etwas Nachdenken wollte ich den Sticker dann zum Anlass nehmen, um mal selbst so richtig hart abzukotzen über die unfreundlichen Menschen und was mich so an ihnen nervt: Die Idioten, die sich beim Autofahren von ihrer allerschlechtesten Seite zeigen. Diese Trottel, die es nicht schaffen, in der Yogaklasse „Guten Morgen“ zu sagen (oder wenigstens zu nicken). Oder die Kassiererin im Supermarkt, die mega genervt ist, weil man nur einen 50-Euro-Schein im Portemonnaie hat, um 1,39 zu bezahlen. Einmal recht freundlich bitte!

Da sagt gerade der Richtige

Nachdem ich mich im Hinterkopf schon so richtig in Rage gedacht hatte, kam mir der Gedanke, dass ich mir bei dem Thema auch mal (mit der großen Zehe = Yoga) an die eigene Nase fassen könnte. Denn sooo freundlich bin ich selbst ja auch nicht immer: Im Auto versuche ich rücksichtsvoll und gelassen zu bleiben, habe aber diese Woche (zu Recht!) einen Taxifahrer aus dem geöffneten Fenster raus aufs Übelste beschimpft. Und beim Yoga war ich auch nur so lange freundlich, bis ich einen Rüffel für mein (aus Gründen) neben der Matte platziertes Handy kassiert habe. Auch die Sache im Supermarkt hätte etwas souveräner weggeatmen werden können, denn vielleicht hatte die Kassiererin im Supermarkt weniger Probleme mit meinem Fuffi als mit anderen Aspekten ihres Lebens. Man weiß es ja nicht.

Im Zweifel für den Angemotzten

Ich denke, da liegt das Hauptproblem: Wir haben keine Ahnung, was gerade in den Leuten um uns herum vorgeht. Bei der Arbeit, in der U-Bahn oder beim Yoga: Wer unfreundlich ist, hat vielleicht einen verständlichen Grund dafür. Irgendwo muss die negative Energie ja herkommen. Entweder sind es echte Probleme, oder man ist einfach nur müde und erschöpft oder aber man lässt sich von den anderen Griesgramen anstecken mit ihrem Gemecker. Besonders wegen Letzterem sollte man der Welt im Zweifelsfall aber lieber ein Lächeln schenken. Denn gute Laune ist – genau wie schlechte – ansteckend. Und wer dauerhaft und gegen alle Widerstände freundlich ist, wird auf Dauer auch mit Freundlichkeit belohnt. Namaste.

 

Die Fotos sind von der immerzu und außergewöhnlich freundlichen Liza Meinhof.

Ein Gedanke zu „Das Yogawort zum Sonntag – Seid’s freundlich

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