Tattoos und ganz viel Haut – der Yogadude

Das Yogawort zum Sonntag – Sex

Peace & Lovemaking.

Yoga ist mehr als Akrobatik. Ohne Kopfarbeit bringt die Turnerei nämlich außer ein paar Muckis nicht viel. Eigentlich genau so ist es beim Geschlechtsverkehr: Richtiger Sex ist mehr als der Austausch von Körperflüssigkeiten. Deshalb (aber nicht nur deshalb) passen Yoga und Sex auch so gut zusammen: Erst kommt ein Vorspiel, bei dem man sich ganz ruhig dem nähert, was noch kommt. Anschließend steigert sich das Ganze und wird – wenn man es mit Leidenschaft macht – körperlich richtig anstrengend. Und zu guter Letzt liegen verschwitzte Menschen total ausgepowert, aber glücklich nebeneinander und schließen die Augen. Schön.

Achtsamkeit ist das neue Sixpack.

Dass Yoga und Sex irgendwie zusammengehören, ist nichts Neues. Die Asanapraxis gibt uns ein gutes Körpergefühl und stählt unsere Muskeln, außerdem kann es auch ganz hilfreich sein, etwas flexiblere Gliedmaßen zu haben. Je nachdem, was man so vorhat. Und das, was Yoga mit deinem Verstand macht, kann dem Beischlaf nicht schaden: Achtsamkeit ist das neue Sixpack. Und wenn man mal ergebnisorientiert denkt, sind Yoga und das Liebemachen sich ja noch ähnlicher: Beides ist pure Magie und ich kann mir noch immer nicht genau erklären, warum ich danach so ausgeglichen und zufrieden bin. Aber es ist so und das nehme ich gerne und ohne Hinterfragen hin.

Alles ist möglich.

Es gibt ungefähr 100 verschiedene Wege, Yoga zu praktizieren: Hatha und Vinyasa, Yin und Kundalini, Bieryoga und – besonders experimentierfreudig – Bondage Yoga. Und natürlich gibt es auch mindestens so viele Arten seiner körperlichen Liebe Ausdruck zu verleihen. Nackt und angezogen, verschieden- oder gleichgeschlechtlich und mit oder ohne Zubehör. Und ganz gleich, was dein Herz schneller schlagen lässt, als Yogi stehen dir – im Gegensatz zum Nogi (= No-Yogi) – noch mehr Türen offen, um deinem Sexualtrieb stilvoll nachzukommen:

1. Tantra-Sex

In Deutschland ist diese Praxis groß geworden mit schmuddeligen Sendungen im Privatfernsehen. Dabei gibt es Tantra-Sex schon viel länger: In bestimmten Ritualen (Meditation, Massage, Atemübungen) werden Körper und Geist auf den tatsächlichen Akt vorbereitet. Und das kann dauern, unter Umständen sogar mehrere Tage. Die spirituelle Vereinigung (Maithun) zieht sich ebenfalls etwas in die Länge und soll dabei das sexuelle Bewusstsein erweitern. Tantra-Sex ist also eher was für Geduldige. Wenn der „kleine Yogi“ zur Ungeduld neigt, gib es im Tantra sogar eine Art Notbremse, den Druck auf den Jen-Mo-Punkt, der die Ejakulation unterdrückt. Viel Spaß!

2. Das Kamasutra

Das Vatsyayana Kamasutra, die indische Lehre der Liebe, wird in den Medien oft bemüht, um das Liebesleben wieder aufzupeppen. Das halte ich für fragwürdig. Denn die 2000 Jahre alten Schriften sind zwar so etwas wie eine Bedienungsanleitung für Tantra-Sex, haben es aber ganz schön in sich: Die Positionen sind körperlich fordernd bis verwirrend und ich habe das Gefühl, dass man hier eher etwas einstudieren muss statt seiner Leidenschaft freie Lauf zu lassen. Wenn beide Partner aber schon lange Yoga praktizieren, kann es sicher Spaß machen, das mal auszuprobieren. Viel Glück!

3. Fetisch-Sex

Erlaubt ist, was Spaß macht. Und jeder hat in Sachen „Spaß haben“ ja seine eigenen Vorlieben. Da wundert es nicht, dass auch im Yoga-Umfeld gleich mehrere Fetische bedient werden: Manche mögen es, wenn Frauen (oder Männer) knallenge Leggings tragen, andere hingegen fühlen sich von Füßen angezogen. Ich bin da leider kein Experte, kann mir aber auch vorstellen, dass Masochisten gerne mal eine 90 Minuten-Jivamukti-Klasse besuchen, weil die Schmerzen des Muskelkaters sie tagelang antörnt. Man weiß es ja nicht. So lange alle Spaß daran haben, ist es mir eigentlich auch egal.

Am Ende zählt die Liebe.

Ganz gleich, wie ausdauernd, akrobatisch oder inspiriert du ans Werk gehst – unterm Strich macht nur eine einzige Sache deinen Geschlechtsverkehr perfekt. Und das ist Liebe. Und Hingabe und bedingungsloses Vertrauen. Dir ist egal, was der andere denken könnten. Egal, wie du dabei aussiehst, egal wie sehr du schwitzt und welche Geräusche du dabei von dir gibst. Nur dann kannst du dich wirklich fallen lassen und mit allen Sinnen genießen und dich weiterentwickeln. Genau wie beim Yoga. Nur wenn du sie mit Liebe und ohne Kompromisse praktizierst, gibt dir deine Praxis wirklich das, was du von ihr erwartest. Alles andere ist Gymnastik. Namaste.

Fotos: Liza-Anneth Meinhof

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