Das Yogawort zum Sonntag – Raus

Ich gehe mal raus!

Mein Standardsatz als Kind war „Ich gehe mal raus“. Raus ins Freie, spielen mit den Freunden. Ich bin ja semi-ländlich aufgewachsen, also war es ganz normal für mich „draußen“ zu sein. Mittlerweile hat das in der Großstadt teilweise schon Event-Charakter, wenn man das Haus (Büro/Yogastudio) mal verlässt. Mindestens für ein Instagram Post sollte das schon drin sein. Hashtag #natureisawesome. Immerhin gibt es hier in München zumindest das Isarufer und an jeder Ecke einen gemütlichen Biergarten zum Rausgehen. Aber meine Kinder wachsen trotzdem anders auf als ich es tat: Alleine draußen sein und erst zum Abendessen aus dem Wald zurückkehren? Heutzutage leider nicht ganz so einfach.

I want out.

Interessanterweise wollen wir als Erwachsene ja immer noch raus. Raus aus dem eintönigen Alltag, raus aus dem dämlichen Job und raus aus der feinstaubbelasteten Stadt. Aber auch das ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr so einfach: Der Alltag ist bestimmt von Pflichten und notwendiger Routine, im Job hat man 10 Jahre auf die (ganz bestimmt bald anstehende) Beförderung hingearbeitet und das Leben in der Stadt ist nicht nur aufregend, sondern durch die vorhandene Infrastruktur auch ganz gemütlich. (Ich spreche hier z.B. von der Lebensaufgabe, einen Kindergartenplatz zu finden). Also vielleicht wollen wir in Wirklichkeit gar keine Veränderung? Sondern begnügen uns mit dem Gedanken, dass sie unser Leben wirklich verbessern könnte? Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.

Kann einer mal das Fenster schließen?

Ich bin ein wenig stolz darauf, das ganze Jahr an der frischen Luft zu verbringen: Ich fahre fast überall mit dem Fahrrad (in München: Radl) hin, Urlaub machen wir mit dem Zelt und seit neuestem haben wir sogar ein kleines Stückchen Garten hinter der Wohnung. Ja, ich atme ganz gerne ungefilterte Luft. Umso mehr irritiert es mich, dass wir unsere Asanas in stickiger Atmosphäre bei geschlossenen Fenstern praktizieren sollen. Frischluftzufuhr? Fehlanzeige, Hauptsache das Prana-Feuer kann sauber lodern (oder so). Ich habe es noch nie kapiert, warum ich beim Yoga konzentriert atmen soll, dafür aber keinen Sauerstoff benutzen darf. An dem einem Wochenende lernst du als Yogalehrer, wie wichtig diese Sweatshop-Bedingungen für den Energiefluss sind und am nächsten sagen sie dir dann, wie essenziell die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff ist. Hä, wie bitte?

Yoga-Fundamentalisten: Bitte nicht weiterlesen.

Nein, ich habe keine Kuh geschächtet und auch nicht mit Socken Yoga geübt. Aber ich mache – Achtung, nichts für schwache Nerven – manchmal Yoga an der frischen Luft. Puh, jetzt ist es raus. Aber warum mache ich das? Weil ich eben einfach gerne draußen bin (s.o.). Und dann nehme ich meine Yogamatte einfach mit. In den Park, in den Garten, an den Strandoder in die Berge. Ich verrückter Abwärtsschauender Hund! Der größte Vorteil dabei? Ich sehe auch mal was anderes als eine weiße Wand, Popos in Leggings und eventuell ein paar Heiligenbilder mit Elefantenköpfen. Und ich erlebe die Natur, diese wunderbare Schöpfung, die wir Yogis so gerne preisen, aus nächster Nähe. Denn irgendwie verstehe ich wieder nicht, dass alle Lebewesen überall glücklich und frei sein sollen, ich aber nicht mal beim Yoga mein Fenster öffnen darf. Darum steht meine Mission für diesen Sommer: Es wird der ultimative Outdoor-Yoga-Sommer. Erster Stopp: Morgen früh bei uns im Garten und danach überall, wo meine Matte einen Platz findet. Ich gehe mal wieder raus. Namaste.

PS: Du gehst auch gerne mal vor die Tür zum Yoga üben? Lass mich gerne per Kommentar wissen, wo.

Fotos: Liza Meinhof

2 Gedanken zu „Das Yogawort zum Sonntag – Raus&8220;

  1. Ich fand das auch immer ganz komisch. Bei einem Yogaretreat, das ich mal besucht habe, gab es eine wunderschöne Plattform am Strand, die extra für Yogastunden da war. Aber unsere Lehrerin wollte lieber drinnen üben. Bei 25 Grad Raumtemperatur. Damit die Kraft nicht verloren geht und in der Weite verfliegt.
    Bei uns in Augsburg gibt es aber ein Yogastudio, das im Sommer fast täglich Yoga im Park anbietet. Das finde ich schön und will da dieses Jahr endlich auch mal hin 🙂

  2. Auch ich mag Sauerstoff beim Yoga und habe mit @Yogimobil eine Lehrerin gefunden, die ganz viel Yoga im Freien anbietet. Macht halt mehr Spaß als alleine. 🙏

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