Das Yogawort zum Sonntag – Heimweh

Eins kann mir keiner nehmen.

Heimat. Der Begriff wird leider immer wieder von intellektuellen Blindgängern benutzt, besonders jetzt, wo die Bundestagswahl wieder bevorsteht. Dabei ist Heimat ja etwas Wunderbares. Heimat ist unser Zuhause, der Ort, mit dem wir für immer verbunden sind, ob wir wollen oder nicht. Klar, jeder hat sein eigenes Verhältnis zu seiner Heimat: Manche verlassen sie, um eine neue zu finden. Und kehren dann doch immer wieder zu ihrem Ursprung zurück, zu dem, was sie zurückgelassen haben. Spätestens an Weihnachten oder zur Hochzeit der Ex-Freundin. Und egal, wo es uns in der Welt hintreibt – wenn wir zurückkehren in die Heimat, sind wir wieder ein bisschen so wie wir waren, bevor wir weggegangen sind. Heimat ist heimelig, Heimat spricht Dialekt.

Der Yogadude in der alten Heimat (1993)

Das Leben ist ein langer Ritt.

Letzte Woche war ich ja endlich mal wieder in Berlin und wurde gleich nach meiner Ankunft von akutem Heimweh geplagt. Ich liebe diese Stadt und manchmal sehne ich mich nach ihr zurück. Dabei bin ich (wie 50% aller Berliner) nicht mal in der Stadt aufgewachsen, Berlin war meine Wahlheimat. Trotzdem habe ich in den sechs Jahren dort Wurzeln geschlagen und fühle mich bei meinen Freunden dort sicher und geborgen. Genau so geht es mir mit meiner „richtigen“ Heimat: Die längste Zeit meines Lebens habe ich in Karlsruhe verbracht und die Fächerstadt ist auch der Ort, an dem ich – nicht nur laut Geburtsurkunde – wirklich beheimatet bin. Ich bin dort zur Schule gegangen, meine Familie lebt in der Fächerstadt und selbst nach den Jahren im Exil bin ich noch immer ein waschechter „Kallsruher“.  Inklusive eines Hangs zu mittelmäßigem Fußball und der wunderbaren Badischen Mundart.

Heimweh hoch drei.

Auch wenn ich erst spät meinen Geburtsort verlassen habe und nicht unbedingt das bin, was man einen echten Nomaden nennt, fühle ich mich entwurzelt. Mein Leben hat jetzt drei geografische Eckpunkte und tief in mir drin ist da immer noch die große Sehnsucht nach Barcelona, meiner großen Herzensstadt, an die ich in diesen Tagen natürlich ganz besonders denken musste. Aber dennoch: Ich habe jetzt Heimweh nach drei Orten. Mal schmerzt es ganz schwach in meiner Brust, dann wieder sehr stark. Aber es ist immer da. Gäbe es einen Guru, der mir die Dreiteilung (mit Überleben) verspräche – ich würde ihm folgen. Aber es ist schon okay, wie es ist. Dass man sich entscheiden muss und nicht alles haben kann. Das lässt dann das Zurückgelassene umso attraktiver erscheinen und schenkt sogar den verpissten Matratzen auf den Gehsteigen Neuköllns eine gewisse Romantik. Zumindest wenn man gerade im aufgeräumten München nach einer Stelle sucht, wo der dreijährige Sohn spontan Wasser lassen kann. Oder in Karlsruhe ein Koreanisches Restaurant.

Blick von der Yogamatte über Barcelona (Poble Sec)

Home is where my mat is.

Meine vierte Heimat heißt Yoga und die ist zum Glück ortsunabhängig. Yoga kommt immer mit mir – nach Berlin, München, Barcelona und aufs Rettichfest nach Rheinstetten-Forchheim. Beim Yoga fühle ich mich zuhause, egal ob ich im Urlaub spontan eine Klasse besuche oder in irgendeinem Hotelzimmer auf Geschäftsreise die Matte ausrolle. Wenn du dir eine schöne Stelle suchst, wo du die nächsten 90 Minuten mit dir selbst verbringst. Wenn du deine Matte ausrollst und dich erst mal gemütlich hinsetzt und ein paar Atemzüge genießt. Wenn dieses schöne Gefühl beim ersten Downdog dich runterholt. Dann ist Yoga auch Heimkommen. Ein Zufluchtsort voller Verständnis und Sicherheit, ein Ort des Vertrauens und des Fallenlassens. Und auch ein Ort, an dem es okay ist, nur man selbst in einer gammligen Jogginghose zu sein. Namaste.

 

Fotos von der stets mitreisenden Liza Meinhof und von Fotografen, dessen Namen ich leider inzwischen vergessen habe…

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