Das Yogawort zum Sonntag – Craft Beer

Saft schafft Kraft.

Aber Bier ist auch nicht von schlechten Eltern. Hier im Blog gab es vor Kurzem ja schon eine schamlose Produktplatzierung einiger meiner Lieblingsgerstensäfte ohne Alkohol und ich mache keine große Sache daraus, dass ich auch einem „richtigen“ Drink gegenüber nicht abgeneigt bin. Tatsächlich genieße ich ein herrlich kaltes Pale Ale (über den Wolken, auf dem Weg zum Copenhagen Yoga Festival), während ich diese Zeilen niederschreiben. Ich mache aber ebenfalls keine große Sache daraus, dass Alkohol meiner Yogapraxis nicht unbedingt zugutekommt  – weder körperlich noch geistig. Verkatert macht der Kopfstand nicht mal halb so viel Spaß wie nüchtern und was Alk der Gedankenordnung antut, ist ja allgemein bekannt. Trotzdem an dieser Stelle erst mal: Cheers.

Lecker Hipsterbrause.

Mein erstes India Pale Ale durfte ich 2013 in Australien probieren, damals war Craft Beer noch eher der Underdog unter den kühlen Blonden. Mittlerweile gibt es selbst im letzten Kuhkaff schon richtig gute Mikrobrauereien, die Klangvolles wie Stout, Lager und diverse freaky Ales in ihren Kellern brauen. Und obwohl der Craft-Trend, der ja mittlerweile weit über das zubereiten flüssigen Goldes hinausgeht, zum urbanen Großstadt-Hipster gehört wie das perfekte Englisch, ist das ja eigentlich ein alter Hut: Meine lieben Eltern gehen seit 25 Jahren begeistert in eine „Hausbrauerei“, wo das in Kleinserie frisch gebraute Bräu direkt über den Tresen verkauft wird. Craft my ass also, liebe Trendforscher!

Mach’s dir doch selber!

Unabhängig davon, dass unsere Nation von Bundeskanzlern und -trainern jetzt auch noch ein Land der Bundesbierklugscheißer ist, hat die ganze Craft-Sache noch etwas Gutes: Anstelle von massenhaft in monströsen Produktionsanlagen gefertigten Gütern kaufen wir wieder Dinge, die quasi wie vor 200 Jahren hergestellt wurden. Das Bier braut der Wirt, den Gin sein bester Kumpel und die Kartoffeln und die Milch kommen vom Biobauernhof gleich außerhalb der Stadtgrenze. Finde ich super. So bekomme ich als (durstiger) Verbraucher nicht nur mehr Vielfalt in meinen Offline-Warenkorb, sondern ich kaufe auch weniger Zeug, das durch halb Europa gekarrt wurde, um von mir vernichtet zu werden.

I have a dream.

Craft Beer ist lecker und es gibt einem natürlich auch das Gefühl, etwas Besseres zu sein als der ordinäre Bierflaschenträger mit seinem Discounter-Bräu in der U-Bahn. Aber wenn man es zu Ende denkt, ist da nicht nur ein richtig guter Gerstensaft, sondern auch ein paar Leute, die sich überlegt haben, dieses Ale/Stout/Lager selbst zu machen. Vielleicht ein paar Freunde, die auf Genuss (oder einfach nur auf Bier) stehen und ihren langweiligen Bürojob gekündigt haben, um ihr eigenes Ding durchzuziehen. Jemand, der etwas Schönes machen wollte, der vielleicht ein Crowdfunding-Projekt gestartet hat und mittlerweile ein mehr oder weniger florierendes Flaschen-Start-Up betreibt. Mit jedem Schluck aus meiner hippen gelben Dose unterstütze ich vielleicht auch den Traum von jemandem – und damit meine ich nicht ein außergewöhnliches Bilanzergebnis vor Steuern als Grundlage für die erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung im Rahmen eines individuellen Entlohnungsmodells für Führungskräfte.

Bleibt, wie ihr seid.

Mein überteuertes „Plane Ale“ neigt sich leider dem Ende und der Landeanflug müsste auch gleich beginnen. Also Zeit, zum Punkt zu kommen: Kommerzielles Yoga ist in fast allen Fällen auch Craft Yoga. Yogalehrer sind Quereinsteiger, die ihrem (Berufs-)leben einen Sinn geben wollen, Yogastudios (oder auch Yogablogs) starten oft als Selbstverwirklichungs-Projekte von Freunden oder Paaren. Natürlich gibt es auch hier große Player, aber zum Glück gibt es (noch) kein „McYoga“ unter den ganzen Yogaschulen. Yoga ist Handarbeit, Lehrer berühren Schüler mit ihren Händen, singen und sprechen direkt mit ihnen und jede Yogaklasse ist einzigartig. Selbst in der bunten Konsumwelt rund um unsere Praxis gibt es vergleichsweise viele „kleine Nummern“, sei es bei den Klamotten oder Zubehör wie Yogamatten. Yoga ist ein Craft Business und das ist eines der Dinge, die Yoga so besonders machen. Lasst uns dieses kleine Pflänzchen hegen und pflegen, aber geben wir ihm nicht zu viel Dünger. Damit Yoga so lecker vielfältig und unabhängig bleibt, wie es ist. Namaste.

 

PS: Dieser Beitrag soll keine Werbung sein, vor allem nicht für Alkohol. Das Zeug ist nur so lange gut zu uns, wie wir es nicht damit übertreiben.